Eis, Eis, Baby

p1210965Eisblumen auf dem Südfenster meines Büros, Dienstag, 29. November, kurz nach Sonnenaufgang. Seit ein paar Wochen sitze ich mit meinem Schreibtisch unter dem Dach, wo früher meine Tochter ihr Zimmer hatte. Ich habe den Dachstuhl vor circa 15 Jahren ausgebaut und so gut isoliert, wie das zu der Zeit möglich war.

Erfahrung mit unzureichender Isolation hatte ich sehr früh gemacht: Auch meine Schwester und ich haben einen Teil unserer Jugend unter einem Dach verbracht. Den Ausbau – wenn man das so nennen will – hatte ich mit meinem Vater zusammen gemacht. Wir klemmten einfach Styroporplatten zwischen die Dachbalken und verschraubten darüber Pressspanplatten. Ging schnell: Rauhfaser drauf, streichen, fertig. Isolation war Mitte der 70er noch ein Fremdwort, das nicht unbedingt zum allgemeinen Sprachgebrauch gehörte. Die Standards waren einfach anders.

Auch die Fenster in den Dachschrägen waren anfänglich noch klassische, einfachverglaste Dachluken. Im Sommer schlief ich wegen der Hitze unterm Dachstuhl manchmal im Garten, im Winter wurde es zuverlässig kalt: Als Heizung hatten wir einen Elektro-Radiator, aber der kam gegen die Nacht nicht an. Das ist kein Jammern, denn ich habe das echt geliebt: Aufwachen, und das erste, was man sieht, sind die Eisblumen auf den Fenstern.

Ich vermute mal, sowas prägt. Bis heute heize ich weder das Schlafzimmer, noch mein Büro. In den Neunzigern hatte ich ein Dachbüro in einem Verlag, das bei den Kollegen im Sommer „die Müllhalde“ (wegen meiner spezifischen Form der Archivordnung) und im Winter „der Kühlschrank“ hieß. Ich mag das. Bei 14, 15 Grad laufe ich zu kreativer Höchstform auf.

Und natürlich sind mir Eisblumen noch immer die liebsten.

Postwurfsendung: Es gibt nichts, was nicht passt

BIGBOY PIZZA wirbt mit dem freundlich lächelnden Antlitz einer als Geisha verkleideten Europäerin, Zustellung ab 10 Euro kostenlos (das Essen, nicht die Geisha).

Im Angebot: Lecker Peking-Suppe, gebratene Nudeln, gebratener Reis, Chop Suey, Curry, Ente und Kun Bao sowie süß-sauer.

Nicht im Angebot: Pizza.

Aber dafür kann man sich Chianti, Frascati und Lambrusco liefern lassen. Überbleibsel aus italophileren Zeiten? Stand das da noch rum?

Merke: Echtes Multikulti ist, wenn es sowie egal ist.

Der Fastfood-Tempel meiner Wahl ist fest in libanesisch-liberaler Hand und bietet italienische, amerikanische, indische, griechische, türkische, ein bisschen mexikanische sowie deutsche Küche (inklusive Wurstvarianten und Schnitzelgerichte) und dazu die Klassiker der Fastfood-Internationale: Wraps, Fingerfood, Baguettes, Nuggets, Eiscreme etc..

Also eigentlich alles. Wer will, kann das auch kombinieren. Eine meiner liebsten Pizza-Kreationen dort ist die Pizza DG (Döner mit Gyros), die man also auch Pizza Völkerverständigung oder Pizza tre nationi nennen könnte (vier, wenn der Gouda, fünf, wenn der libanesische Koch und sechs, wenn der deutsche Auslieferungsfahrer mitzählt). Nicht lecker, aber politisch völlig korrekt.

Ich mag die total internationale Pizza Checker lieber: Thunfisch, Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten, viel Jalapenos und Hirtenkäse. Beste Pizza der Welt, bisher. Bin gespannt, wann die Pizza Sushi BBQ DG-Hawaii kommt (alternativ für Leute mit Ananas-Allergie: mit Banane). Würde ich Master Blaster nennen.

Gartenknoblauch: Der dümmste Bauer…

…erntet die dicksten Knollen: Knoblauch ist in unseren Breiten so eine Sache. Der kleine Gartenknoblauch, sagte mir mein Nachbar mit dem grünen Daumen vor drei Jahren, wachse aber „wie Unkraut“, mache keinerlei Arbeit und sei richtig scharf und lecker. Das wollte ich ausprobieren.

Im ersten Jahr passierte so gut wie nichts. Ein paar nicht erwähnenswerte Samenknollen lieferten das Saatgut für das Folgejahr. Im zweiten Jahr wuchs das Zeug plötzlich überall. Die Knollen waren klein, aber schmackhaft. In ihren Blumenbeeten wollte Fiona die Pflanzen aber nicht mehr sehen.

Im dritten Jahr legte ich im Vorgarten ein Hochbeet mit viel frischem Kompost an. Die Erde zum Strecken holte ich teils hinten aus den Beeten – und irgendwie verirrten sich dann ein paar Samen in die linke Ecke des Hochbeets. Völlig ohne Konkurrenz wuchsen sie bis auf Hüfthöhe. Heute habe ich geerntet: Saatgut, bei dem jedes Korn selbst groß genug ist, als kleine Knolle in die Pfanne zu wandern. Und Knollen, die man auch verkaufen könnte.

Nächstes Jahr gibt’s mehr:

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Vogonen: Widerstand ist zwecklos

Es klingelt. An der Tür steht ein Mittvierziger mit einem Klemmboard.

„Guten Tag, Wasserversorgung, ich müsste mal eben an Ihren Zähler.“

„Sorry, passt jetzt nicht.“

„Das ist schlecht, wir müssen im Rahmen der Baumaßnahme ja Ihre Verrohrung austauschen.“

„Welche Baumaßnahme?“

„Wir reißen hier die Straße auf und wechseln dann alle Rohre von der Straße bis zu Ihrem Zähler.“

„Da höre ich zum ersten Mal von. Kriegen wir da vielleicht mal schriftlich Bescheid drüber?“

„Machen die nicht.“

„Und wann soll das passieren?“

„Naja, das hat schon noch Zeit, wir müssen ja erst mal die Straße… . So zwei bis drei Wochen vielleicht.“

„Spitze. Wir hatten vor, Einfahrt und Vorgarten zu machen, wenn der Frost vorbei ist. Da haben wir aber Glück gehabt, dass wir die paar Tausend Euro noch nicht ausgegeben haben, nicht wahr?“

(Er lacht) „Ja, da passt das dann ja.“

„Ich finde das gar nicht so lustig. Ich finde, das ist schon ein Ding.“

„Naja, stellen Sie sich vor, Sie hätten schon letztes Jahr renoviert. Dann müssten wir das jetzt ja trotzdem aufreißen.“

Nur, um das klarzustellen: Die Rede ist hier davon, dass die von der Straße bis zu unserem Haus einen wegen Hanglage bis zwei, drei Meter tiefen Graben ziehen. Im Haus darf ich dann mein Büro verlegen, weil die Rohre da ankommen – natürlich hinter Wand verlegt, die ich dann wahrscheinlich ebenfalls werde abreißen dürfen. Die kleine Mauer, die zur Straße hin unser Hanggrundstück abfängt, geht ebenfalls über die Wupper. Ob es für diesen ganzen Klumpatsch irgendeine Form der Kompensation gibt, kann der gute Mann nicht beantworten: In der Regel nicht, sagt er, die machten aber alles wieder ordentlich zu.

Widerstand ist natürlich zwecklos: Hat Douglas Adams eine Begegnung mit der Wasserversorgung gehabt, als er die Vogonen erfand? Das sind so die Augenblicke, wo ich gern per Anhalter durch die Galaxis reisen würde.