Scheintod: Ein bisschen schwanger…

Vier Jahre nach dem Viktorianischen Vibrator gehe ich ein bisschen schwanger mit einer weiteren Idee für eine Kuriosa-Sammlung aus der frühen Phase der Technologisierung/Verwissenschaftlichung der Welt. Der kleine Scheintod-Artikel, den Einestages heute brachte, deutet an, in welche Richtung das gehen könnte.

Antoine Joseph Wiertz: L’inhumation précipitée (1854). Copyright: Gemeinfrei

Keine Ahnung, ob das Leser finden würde. Ich finde diese makabren Sachen urkomisch. Wann kann man schon mal solche Sätze schreiben?

„Belebte man nicht Ertrunkene wieder, indem man sie bäuchlings aufs trabende Pferd gebunden durchschüttelte, bevor man ihren Darm per Klistier mit heilsamen Nikotindampf füllte? Und erwies sich in alldem nicht immer wieder, dass viele Zustände des menschlichen Körpers mit Mitteln der modernen Wissenschaft zu ändern waren?“

Es lebe der Staatsfunk: Fortschritt und Vielfalt?

Was Fortschritt und Vielfalt in der schönen neuen TV-Welt bedeuten, ist leicht zu erklären:

– beim DVB-T alte Version bekam ich den WDR auf 5 Kanälen
– bei DVB-T2 bekomme ich den WDR auf 7 Kanälen

Zählt man die Parallel-Ausstrahlung mancher Programme auf anderen „Dritten“ der ARD mit, komme ich jetzt mitunter in den Genuss, mir auf bis zu elf Kanälen den gleichen, völlig identischen Käse anzusehen.

Jetzt mal ernsthaft: Ich bezahle bald 69 Euro im Jahr dafür, dass mir Programmvielfalt vorgegaukelt wird, die schlicht nicht existiert. Die multiplen WDR-Inkarnationen werden mit „lokalen Fenstern“ gerechtfertigt, in denen für einige Minuten  am Tag regionale Nachrichten laufen. Und für diesen Mist verstopfen die ganztätig Frequenzen, auf denen man Programmalternativen anbieten könnte.

Insgesamt finden sich im DVB-T2-Portfolio bis zu 20 öffentlich-rechtliche Sender, die fälschlich als „frei empfangbar“ angepriesen werden – in Wahrheit kosten sie mit 210 Euro „Haushaltsabgabe im Jahr dreimal so viel wie die kostenpflichtigen privaten Sender. Dafür bekomme ich dann mehrere davon aber auch mehrfach.

Toll.
Fehlt nur noch der Grimmepreis für die Nachrichten-Vorleser der Regionalfenster.

 

Zu früh geboren: Wind verleiht Flügel

Schon einmal was von Freestyle Indoor-Skydiving gehört? Das ist wie Trampolinspringen, nur ohne Trampolin und gern auch mal mit mehrere Minuten dauernden „Flügen“. Solo oder im Verbund zeigen die Sportler Figuren und teils atemberaubende Bewegungsabläufe, während sie quasi schwerelos im Luftstrom eines Mega-Gebläses hängen.

Das ist eine dieser neuen Sportarten, wie sie ein österreichischer Gummibärchen-Aufputschgetränke-Hersteller so gern sponsert. Und diese hier ist zur Abwechslung nicht nur originell, sondern wird von ihren Akteuren sogar überlebt – was man nicht von allen durch RB populär gemachten Sportarten sagen kann.

Am Wochenende liefen an der katalanischen Costa Brava die „Wind Games 2017“. Red Bull hin oder her kann man diesem Sport eine Über-Kommerzialisierung wahrlich nicht vorwerfen. Die höchsten Preisgelder, die Teams gewinnen konnten, lagen bei 7000 Euro. Im Solo-Freestyle-Wettbewerb gab es 1500 Euro zu gewinnen.

Zu den Stars der weiblichen Solistinnen gehört die inzwischen 17-jährige Polin Maja Kuczynska. Im letzten Jahr gewann sie den Weltmeisterinnen-Titel, ihre „Flüge“ finden entsprechend schnell den Weg ins Netz. Das Video zeigt sie bei ihrer Kür, so abgeliefert am Samstag.

Unglaublich oder? Für den Sieg hat es allerdings nicht gereicht, Kuczynska schaffte es aber immerhin auf Platz 3 und gewann so 500 Euro Preisgeld. Dabei sein ist in manchen Sportarten eben alles.