My Playlist XIX: Jon Gomm

Hierzulande weniger bekannt als Andy McKee ist der Brite Jon Gomm – ein Gitarrist, der sich locker mit allen Größen des Fingerpicking-Stils messen kann. Gomm ist ähnlich perkussiv wie McKee, aber den rauen Seiten des Pop näher: mehr Rock als Jazz, mehr Pop als Klassik.

Ähnlich wie McKee ist auch Gomm eine Youtube-Entdeckung. Seine Karriere begann quasi mit obigem Video, dass – ähnlich wie McKees „Drifting“ – in zig Versionen/Kopien kursiert und inzwischen auf zig Millionen Abrufe kommt. Gomm ist aber auch ein Musiker der kleinen Bühne, eine richtige Rampensau. Live dekonstruiert er hämmernd The Police, Bob Marley oder Chaka Khan, und anders als die meisten seiner Kollegen singt er auch – viel flexibler geht’s nicht.

Ganz besonders mag ich aber sein selbst geschriebenes Stück „The Secret Of Learning To Fly Is Forgetting To Hit The Ground“, schon allein wegen des Titels. Der ist natürlich ein Zitat von Douglas Adams, aber auch mein Mantra. Als ich Gomm das Stück erstmals hab spielen hören, habe ich begriffen: Es erklärt, was die Jungs da machen auf ihren Gitarren. Es ist sogar die einzige Erklärung.

Alte Helden: Besser kleiner

Ende Juni fuhren wir durch Irland, und wie so oft lief Today FM: Ein Radio-Feuerwerk an Witz, garniert mit einer Playlist ohne „Rotation“. Musikalisch ist da immer alles möglich, gern aber alles knapp neben dem todgedudelten Mainstream.

An dem Abend spielten Counting Crows im Royal Hospital Kilmainham, Dublin. Das ist eine schwer historische Stätte aus dem 17. Jahrhundert, und im Innenhof gibt es seit ein paar Jahren eben auch Konzerte auf prominenter Bühne mittlerer Größe. Und die Counting Crows waren natürlich diese Stars der 90er, denen man im Radio kaum entkam: Immer traurig, immer etwas zu weinerlich. Wunderschöne Lieder, aber irgendwie eben weder Rock noch Pop noch Liedermacher. Okay in kleinen Dosen, sagte mein Schatz, aber „die Stimme macht mich wahnsinnig: Den will man doch von seinem Elend erlösen!“

Die Counting Crows hatte ich als Gruppe längst abgelegt. Vergangenheit, durch, vorbei. Gefühle in Übergröße und Überdosis, zu fett, um zu schwelgen, zu lahm, um zu feiern: Ich finde die Alben nur noch langweilig, und live auf großer Bühne erst recht.

Wo die Musik der Crows aber passt und hingehört, zeigten sie am Nachmittag bei Today FM: In den kleinen Kreis. Auf Stimme und zwei Gitarren reduziert und  siehe da – plötzlich wirkt das, was sonst zu weinerlich und pompös klingt originär, anrührend und gekonnt. So etwas will man live in einer Kneipe hören oder in wirklich kleiner Halle.

Es ist wie so oft: Viele Gruppen wie die Crows, auch viele Sänger wie beispielsweise Elli Goulding wirken auf ihren Alben überproduziert, aufgeblasen und langweilig, live und „klein“ aber sind sie Weltklasse. Warum macht man aus solchen „Radio-Sets“ keine Alben? So kann man sich das doch anhören: