Bill Clintons Rede für Martin McGuinness

Wenn man hört, mit welcher humorigen Leichtigkeit es Bill Clinton hier schafft, einen der umstrittensten Menschen der nordirischen Geschichte so angemessen zu würdigen, fällt der Kontrast zur aktuellen Person im Weißen Haus umso schmerzlicher auf. Man stelle sich einen Trump auf so glattem Parkett vor. Dem würden nicht nur die Worte, sondern sogar die Vokabeln fehlen, ganz abgesehen von der Fähigkeit, Sätze mit Nebensätzen zu verbinden. Und inhaltlich würde dabei nichts Versöhnliches herauskommen, sondern im schlimmsten Fall nur der Auslöser für neue Eskalationen.

Schattig ist’s: Idealwetter

Ende April im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen am Bodensee. Das Wetter ist abgestürzt, es ist arschkalt: Im Radio heißt es, die Schneefallgrenze falle nun bald auf 300 Meter. So weit ist es noch nicht ganz, die Temperatur hält um 6 Grad, dazu fällt ein steter Nieselregen, der mitunter zu veritablen Schauern auffrischt.

Mit einem Wort: Idealwetter.

Zumindest dafür:

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Die Hütten stehen auf Stelzen im Wasser und unterscheiden sich nicht so sehr voneinander, wie man annehmen würde. Sie sind Rekonstruktionen von Häusern und Siedlungen, die hier vor sehr langer Zeit angeblich genau so einmal standen. Die decken ein Zeitfenster ab, das vom Neolithikum bis in die späte Bronzezeit reicht. Die „ältesten“ Bauten repräsentieren damit einen Baustil und eine Technik, die 5500 Jahre auf dem Buckel hat. Die „jüngsten“ stehen für Häuser aus dem 9. Jahrhundert vor Christus.

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Sie unterscheiden sich, aber nicht sehr. Die einen sind in einer Art Lehm-Fachwerk gebaut, bei dem an Trägerbalken befestigte Matten mit nassem Lehm zu Wänden aufgebaut wurden, die anderen sind Blockhäuser. Das ist Innovation, für einen Zeitraum von über 2600 Jahren aber nicht viel. Offensichtlich war die Bauform für die Bedürfnisse dieser Seebewohner ideal und wenig verbesserungswürdig oder -fähig.

Man ahnt das gerade an so einem Tag, wo der Wind den Regen kalt und gern auch horizontal vor sich herweht: Was hier im Wasser steht, hat nie lang gehalten. Es waren sozusagen Hart-Zelte, die man aufbaute, nutzte und verließ, bevor sie kollabierten. Alle zehn, zwölf Jahre, sagt der Führer, werden die Pfahldorfbewohner sich ein neues Dorf gebaut haben. Am – oder besser im – Bodensee fand man bisher die Überreste von rund 400.

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An diesem idealen Tag fühlt oder ahnt man zumindest, wie dieses Leben gewesen sein mag. Schön im Sommer. Ansonsten: zugig und feucht. Vor die Fenster hing man geflochtene Matten, Felle oder Vliese, wenn der Wind zu stark pfiff, der Frost biss. In der Hütte brannte ein Feuer, dessen Rauch manchmal zögerlich zum Dach aufstieg und abzog. Ohne Feuer war kein Überleben, aber manchmal zerstörte es auch die Lebensgrundlage, wenn die Hütte selbst Feuer fing.

Ich stehe im Wind, auf dem Steg, der die verschiedenen Teile des Museumsdorfs verbindet. Der See liegt Bleigrau, der Himmel harmoniert damit.

Man hört nichts. Da draußen ist niemand.

Ideal.

Crystal Palace Dinosaurs: Rettungsmaßnahmen haben begonnen

Auch das ein höchst virtuelles Wesen, das in Wahrheit völlig anders aussah

Das Ende des Elends ist in Sicht: Der fortlaufende, sichtbare Verfall des Dinosaur Court in Londons Crystal Palace Park soll gestoppt werden. Seit rund fünf Wochen sind professionelle Restauratoren dabei, eines der zwei in ihrer Stabilität gefährdeten Iguanodone zu reparieren und zu säubern. Nach und nach sollen dann alle Hawkins-Skulpturen aufgearbeitet werden.

Es ist eine gute Nachricht, denn trotz allen nostalgischen Zaubers, den der Dinosaur Court unter all der Patina, dem Moos und den Flechten und dem Vogeldung in den letzten Jahren entwickelt haben mag, war der fortschreitende Verfall nicht zu übersehen. In manchen Statuen klaffen Risse und Löcher. Bei den im Wasser liegenden Tieren blättert Beton in Schichten ab. Dass dazu immer wieder besoffene Vandalen ihr Mütchen an den Skulpturen kühlen, weil sie sie für „schlecht“ halten, ist dann nur noch der Tropfen, der das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen bringt.

Das allerdings liegt auch daran, weil die Skulpturen nicht hinreichend gesichert und erklärt sind. Wenn man davor steht, kann man sie für die schlechte Handarbeit eines wissenschaftlich eingeschränkt informierten Künstlers halten – zu naiv, zu klobig, zu „falsch“, um als authentische Statuen fossilen Lebens wahrgenommen zu werden. Dabei gehören sie zu den wichtigsten, wegweisenden Denkmälern der Wissenschaftsgeschichte: Eigentlich sollte so etwas Weltkulturerbe sein.

Finde ich, aber ich bin ja auch Fan. Andererseits ist es so, dass es eben vor allem Fans waren, die dazu beitrugen, dass der Dinosaur Court überhaupt noch wahrgenommen wird. Vor allem die erst 2013 gegründeten „Friends“ trommeln da zunehmend professionell. Es hat dazu geführt, dass die Crystal Palace Dinosaurs auffindbarer geworden sind: Immer mehr Londoner erfahren, was für ein Schatz da im Süden der Stadt steht, und immer mehr beteiligen sich daran, das auch multimedial bekannter zu machen (siehe Video oben).

Gut so, denn die „Monster“ brauchen Besucher guten Willens, um den Respekt zu bekommen, den sie verdienen. Immerhin: Die Kommune Bromley, die für die Erhaltung zuständig ist, scheint jetzt endlich auf dem richtigen Weg. Nachdem im August Vandalen eine der Säugetier-Statuen köpften, fiel der mediale Aufschrei darüber so laut aus, dass die Behörden endlich die eigentlich schon seit mehr als einem Jahr beschlossene Renovierung genehmigten. Über den Fortschritt der Renovierungsarbeiten berichten die Ehrenamtlichen von den Friends of Crystal Palace Dinosaurs fortlaufend in ihrem Newsblog.

Ich drücke den Monstern die Daumen.