Alltag: Parken für Fortgeschrittene

Alltag auf einem Supermarkt-Parkplatz: Blödiane schrappen Kratzer in den schönen neuen Lack, verbeulen mit ihren überladenen Einkaufswagen das Blech oder hauen beim Türöffnen gleich noch eine satte Delle in den Nachbarwagen. Ist uns alles schon passiert.

Wer so etwas vermeiden will, parkt sein schmuckes Auto einfach so, dass die Wahrscheinlichkeit solcher Unfälle effektiv minimiert wird. Alles, was man dafür sicherstellen muss, ist genügend viel Sicherheitsabstand in alle Richtungen. Alles, was man dafür braucht, ist eine Extraportion Ich.

Aber vielleicht denke ich hier wieder nur zu schlecht von meinen lieben Mitbürgern. Vielleicht war der Fahrer dieses Vehikels gar nicht egoistisch und asozial, sondern einfach nur unfähig oder besoffen? Man weiß es nicht.

Seufz: Die Post ist da

Heute früh, in meinem Email-Postfach:
 
„Sehr geehrter Herr Patalong,
seit Juni 2016 kann man sich bei der XXXXXXXX AG deutschlandweit zur Fachkraft für Lagerlogistik weiterqualifizieren.
Die Fakten dazu finden Sie hier als druckfähige Datei. Möchten Sie weitergehende Informationen, dann klicken Sie auf XXXXXXX oder rufen Sie einfach an.
Im Fall einer Veröffentlichung freuen wir uns über Belegexemplare, gern auch als PDF.
 
Mit freundlichen Grüßen
Frau PXXXX
Marketing & Organisation“
 
Das ist professionelle PR.
Komplett unzielgerichtet, völlig erratisch und absolut nutzlos.
Selbst wenn das Thema irgendetwas mit mir und meiner Arbeit zu tun hätte, wo sollte ich das veröffentlichen? Bei SPIEGEL ONLINE?
Ein guter Plan! Schlagzeile:
„XXXXXX bildet Lagerpacker aus!“
Vielleicht sollte sich auch Frau PXXXX da mal weiterqualifizieren. Vielleicht packt sie das besser als PR.
 
P:S: Ich habe absolut nichts gegen Lagerarbeiter.

Kuschel-Krankheiten: Meine süße Ebola

Vorletzte Woche hielt ich im Sauriermuseum Aathal einen kleinen Vortrag über die Macht des Bildes in der Paläontologie, von wissenschaftlicher Illu bis hin zum Comic. Geladene Gäste, viele Fachleute.

Deshalb hat es mich nicht überrascht, dass nachher drei Paläontologen zu mir kamen, um mich auf einen sachlichen Fehler im Vortrag hinzuweisen: Ich hatte die Frage in den Raum gestellt, wie es dazu hat kommen können, dass wir in Trickfilmen, Comics und bis hin zu Kuscheltieren 20 Meter lange und 30 Tonnen schwere Tiere zu niedlichen Bezugswesen für Kinder gemacht haben.

Ich meine, ernsthaft: Ein Hundebaby ist ein naheliegendes Kuscheltier, ein Teddy auch noch, solange er die Kindchen-Schemata erfüllt. Aber ein Sauropode? Mit einem winzigen Schädel, einem fetten, tonnenförmigen Leib, elefantösen Beinen und einem Peitschenschwanz?

„Nicht naheliegend“ sei das, sagte ich, und: „Es gibt ja auch keine Parasiten-Kuscheltier-Reihe.“

Und genau da, beschieden mir die Naturwissenschaftler, hätte ich Sand dran: Klar gäbe es Viren-Kuscheltiere. Könne man kaufen. Wir lachten.

Zuhause dann: Rechner an.
17,3 Sekunden Recherche und – tätä – fündig geworden: es stimmt. Wer seinem kleinen Schatzi noch einen Bandwurm, ein Ebola-Virus, Magengeschwür oder vielleicht die Krätze schenken will, wird bei „Riesenmikroben“ fündig.

riesenmikroben

Unter den 128 (!!!) aktuellen Modellen kuschel-optimierter Malaisen finden sich auch einige ohne Alptraum-Potential: Hirnzellen, DNA-Stränge, Spermien oder Plüsch-Fettzellen zum Beispiel. Und natürlich gibt es auch Geschenkboxen für jede Gelegenheit.

Mir persönlich gefällt ja E. Coli am besten.

coli

Man lernt nie aus.

GiantMicrobes im Amazon-Shop

Ach, muss Liebe schön sein!

Oksana schreibt mir, fast jeden Tag.

Wir kennen uns nicht, aber wenn es nach ihr geht, wird sich das ändern. Denn sie ist einsam. Und schön. Und sie weiß, dass Männer in meinem Land „einer Frau mit Schatzung aufnehmen“, sagt sie. Weshalb sie einen Mann draußen in Ihre Land sucht, irgendeinen. Mir, zum Bleistift.

Sie ist ein ehrliches Mädchen, sagt sie, und „traumt von ersten Beziehung“. Heißt das, dass sie noch nie eine hatte? Oder meint sie „ernst“? Ach ja, weiter unten steht es ja: „Vor einem Jahrhabe ich meine Beziehungen aufgehort“.

Ein Jahr Zölibat, sozusagen. Also ernst: „Spielen ist nicht fur mich“, schreibt sie ja auch, und „falls du auch reputabel bist und dich um desselben muhst, dann werde ich mich Brief freuen“.

Muhen.
Muht der Bauer vergnüglich „Zaster!“, naht Oksana mit Umzugslaster?
Des Muhen Lohn ist … ?

Keine Ahnung. Ich bin ja kein Ochse.

Apropos: Welcher Ochse fällt auf so einen Mist herein? Seit satt fünfzehn Jahren und mehr schicken uns Spam-Produzenten aus Nigeria und Russland diese hirnfreien Lockmails ins Postfach, und immer noch wird der Käse mit Google Translate angerührt. Da ahnt man die Gründe der elenden Arbeitslosigkeit, die Oksana (männlich, 42 Jahre, Bart, Bauch und Bierflasche) in den Trickbetrug treiben. Angeblich klappt das sogar ab und an. Interpol meint, die machten wirklich Geld damit.

Wenn das mal kein Zeichen – ach was: ein Fanal! – für die stetig sinkenden Qualitätsansprüche des Internet-Publikums ist. Für Medienmenschen, nach mehr als einem Jahrzehnt Dauerkrise ja generell ständig in Job und Existenz bedroht, tun sich da ganz neue Betätigungsfelder auf. Man stelle sich mal vor, wie der Rubel rollen würde, wenn diese Mails verständlich wären!

Aber vielleicht ist es ja gerade das Rätselhafte, was uns da so fasziniert.
„Ich warte gern deinen Mittelung“, schreibt Oksana am Ende: „Liebe GruBe.“

Ich auch, Oksana, ich auch. Und von mir aus auch gern in der Grube.
Nur wer da gemittelt werden soll, ist mir rein grammatikalisch nicht ganz klar. Klingt mir jedenfalls zu drastisch.

So ehrlich sie auch ist, irgendwie ist meine Oksana eine gespaltene Persönlichkeit.