Frauke Petry macht blau

Ist Frauke Petry blau? Wahrscheinlich, zumindest bald, und offenbar hat sie ihr parteiliches Blaumachen nach der Wahl schon seit Juli geplant: Seit dem 3.7.2017 ist sie Besitzerin der Domain „dieblauen.de“ (Einzelheiten kann man per Whois-Abfrage der Denic einsehen).

Und das verweist wohl nicht auf einen Stammtisch für Schnappsdrosseln, sondern eher auf eine Webseite (und mehr?) für Ex-Volksgenossen, denen durch den blauen AfD-Tarnlack schon zu offensichtlich hässliches Braun durchmodert. Inzwischen ließ sie wissen, ihr schwebe die Gründung einer Art bundesweiten CSU vor.

Das alles deutet stark darauf hin, dass Petry nun auf ihre Getreuen aus schlimmen, gemeinschaftlich gehässigen AfD-Tagen hofft, um uns eine zweite Rechtsaußen-Fraktion (und womöglich bald Partei) im Bundestag zu bescheren. Sie scheint zu glauben, ihre wackeren Mitläufer könnten ihr hinterherdackeln, um auch mal so richtig fies „Nanananana!“-Politik der Sorte „Immer eins fieser als Ihr!“ zu treiben. Dabei ist aus Perspektive dieser blau lackierten Minions die denkbar fieseste Option doch ausgerechnet die, genau das nicht zu tun.

Ziemlich lustig, aber auch vorhersehbar, wo unsolidarisches Denken und Verhalten doch der einzige erkennbare Wesenskern der AfD zu sein scheint. Sorry: neben Hass, Angst vor allem Fremden und einer gewissen national-proletigen Dumpfbackigkeit, versteht sich! Frauke, Frauke, wenn dieser Ego-Trip nicht mal im völkischen Nirvana endet.

Apropos Volk: Für alle anständig, demokratisch, moralisch, normal, zivilisiert oder auch nur frei von Paranoia denkenden Menschen in diesem Land wäre es natürlich besser, wenn das „Zack, jetzt haben wir’s Euch aber gegeben“-Pärchen Betry/Bretzell (wie man in Sachsen wohl sagen würde) möglichst einsam bliebe.

Denn dass jetzt viele bei Facebook und Co jubilieren, die AfD zerlege sich selbst, halte ich aus zwei einfachen Gründen für verfehlt:

 
  • Erstens ist mir eine stramm rechte Fraktion im Bundestag satt und genug: zwei wären auch dann schlimmer, wenn beide dabei schrumpfen  würden. Der Effekt wäre doch nur, dass dabei Netto noch mehr Redezeit für diese Ungeister herauskäme. Eine destruktiv schwadronierende Fraktion ist genug.
  • Zweitens halte ich die AfD nicht für das eigentliche Problem. Mag sein, dass sie bleibt und wächst, mag sein, dass sie sich zerlegt und bald wieder verschwindet. Egal, sie ist nur das Symptom, nicht die Krankheit: Das Problem sind all die Leute, die es fertigbringen, so einen Haufen zu wählen. Die leben in unserer Mitte, phantasieren von der Ausländerfreien Zone Deutschland und davon, unser Volk gegen einen intoleranten Haufen nach ihrem Bilde auszutauschen. Das finde ich echt beängstigend.

Aber Frauke Petrys Abgang? Irrelevant.
Von mir aus kann sie auf den Hinterbänken der Parlamente, aus denen sie nun doppelt Staatsgelder abzieht, versauern: Sowas hält eine Demokratie aus.

Großartig: Polit-Satire à la USA

Dem US-Fernsehen sagt man nach, entweder zahnlos oder oft dumm und oberflächlich zu sein. Ein Vorurteil, wie die Amerikaner vor allem in einem Genre beweisen: In der politischen Satire sind sie auch dem deutschen Fernsehen Lichtjahre voraus. Was da geboten wird, ist weltklasse – frech, intelligent und im besten satirischen Sinn entlarvend. Man sehe sich nur mal an, wie Commedy Central hier Whitehouse-Plapperer Sean Spicer die Hosen herunterlässt. Beispielhaft und vorbildlich:

Bill Clintons Rede für Martin McGuinness

Wenn man hört, mit welcher humorigen Leichtigkeit es Bill Clinton hier schafft, einen der umstrittensten Menschen der nordirischen Geschichte so angemessen zu würdigen, fällt der Kontrast zur aktuellen Person im Weißen Haus umso schmerzlicher auf. Man stelle sich einen Trump auf so glattem Parkett vor. Dem würden nicht nur die Worte, sondern sogar die Vokabeln fehlen, ganz abgesehen von der Fähigkeit, Sätze mit Nebensätzen zu verbinden. Und inhaltlich würde dabei nichts Versöhnliches herauskommen, sondern im schlimmsten Fall nur der Auslöser für neue Eskalationen.