In eigener Sache: …and the Oscar goes to

Pól Ó Muireasáin (Copyright: Frank Patalong)

…Pól  and me?

Naja, nicht ganz, aber eine Urkunde: Der Journalistenpreis Irland 2016.

Ist mir natürlich eine besondere Freude, weil ich zu Irland eine mehr als „special relationship“ habe:  Ich kenne die Insel jetzt seit 37 Jahren, habe mehrere Jahre meines Lebens da verbracht und bin seit 1986 stolz, Teil einer irischen Familie zu sein. Es hat meine Wahrnehmung vieler Dinge, meine Perspektiven und Werte verändert und geprägt.

Am Mittwochabend, 8. März 2017, drückte mir Michael Collins, der Botschafter der Republik Irland, am Rande der ITB die Auszeichnung in die Hand.

Er: „Schöne Urkunde! Gratuliere!“
Ich: „Die werde ich neben meine Auszeichnung als irischer Whiskeytrinker hängen.“
Er: „Ach?“

Lächelte freundlich und wusste  nicht recht, was er mit dieser Info anfangen sollte.

Hätte er nachgefragt, hätte ich ihm sagen können, dass ich mir das Whiskey-Zeugnis dereinst mühsam ertrunken habe: Wir landeten kurz vor Mittag in der Destillen-Führung in Bushmills, ein Ire, acht bis neun Italiener und ich. Am Ende kam dann der Aufruf zum Tasting: „Freiwillige vor!“

Der Witz daran?
Schon mal Italiener Whiskey trinken sehen, und das auch noch  vor 12 Uhr Mittags?

Der Ire und ich sahen uns an, hoben schüchtern die Hand – und waren die einzigen Freiwilligen. Zwanzig Minuten später hatten wir uns tapfer bewährt, waren beide hackestrack und verbrachten den Rest des Tages auf Wolke Neunzehn.

Veranstalter und Preisträger mit Urkunden. Das Foto kommt von Heinz Bück (3. von rechts), Danke dafür!

Spätestens an diesem Punkt wäre seiner Exzellenz klar geworden, dass ich mir den Journalistenpreis Irland tatsächlich verdient habe. Denn um den zu bekommen, muss man Gespür für das Land und natürlich Geschichten zu erzählen haben.

Ich erzählte die Geschichte von Pól und wie er sich durch seinen fast völligen Rückzug ins elementar einfache Leben eines Fischers und Sammlers selbst geheilt hat. Nach einem psychischen Zusammenbruch zog er auf ein unbewohntes Eiland vor Donegals rauer Küste und führte über Jahre ein Leben als quasi freiwillig Obdachloser (wenn man sein Zelt ignoriert). Im Laufe seiner Katharsis fand er erst Ruhe, dann neues Wissen und dann eine Mission: Für diese völlig vernachlässigte, selten besuchte Region zu trommeln und zu werben. Und eine Natur-bewusste, an Nachhaltigkeit orientierte Lebensweise wiederzufinden.

Pól in seinem Element: Pól ist möglicherweise der extrovertierteste schüchterne Mensch, den ich kenne. Als Lehrer und Entertainer ist er Spitzenklasse – man hört ihm gern zu. (Copyright: Frank Patalong)

Es war die vielleicht intensivste Reportage, die ich je geschrieben habe, auch als persönliches Erlebnis. Als wir die jetzt, eineinhalb Jahre, nachdem sie in SPIEGEL Wissen erschien, erneut bei SPIEGEL ONLINE veröffentlichten, lasen noch einmal über 150.000 Leute diesen ellenlangen Streifen, mit überwältigend positivem Echo: Wer hat da behauptet, lange Texte „funktionierten“ Online nicht?

Mir war es leider nicht gelungen, Pól direkt nach der Verleihung zu erreichen und ihn zu „warnen“. Er bekam es trotzdem innerhalb weniger Stunden mit: Die Zahl seiner Facebook-Freunde schoss noch einmal um ein-, zweihundert nach Oben. Heerscharen von Deutschen sprachen ihn auf sein Erimitenleben an und auf das, was er dabei gelernt hat.

Dabei hatte er das mittlerweile zumindest vorerst aufgegeben, nicht lang, nachdem der Artikel erschienen war. Er hatte das in der Reportage ja schon angedeutet: Er fühlte sich geheilt und glaubte, es auch im Berufsleben wieder schaffen zu können.  Ein paar Wochen nach unserem Treffen wurde er erstmals nach Dublin eingeladen, um für eine weitere Runde bei der EU-Kommission vorzusprechen.

Und am Ende hat er es tatsächlich geschafft. Rund ein Jahr nach der Reportage zog er zurück nach Brüssel, er arbeitet nun wieder für die EU-Kommission. Ohne seine eigentlichen Ziele aus den Augen zu verlieren, versteht sich: Mittelfristig will er zurück in die Einsamkeit der Nordwestküste Irlands.

Dass es seine Geschichte war, die mir die Auszeichnung einbrachte, freut ihn, sagt er: „Happy days!“

Ich sagte, dass ich ihm nun aber wirklich ein Fisch-Grillen bei mir im Garten schulde. In Wahrheit, weiß ich, schulde ich ihm natürlich weit mehr als das. Go raibh maith agat, Pól.

(Copyright: Frank Patalong)

Manchmal muss man weitergeben, oder?

Hat was. Simon Sinek gehört zu den prominentesten Unternehmensberatern der Welt. Seine Perspektiven sind aber anders als in diesen Kreisen sonst üblich. Sie kommen nicht – wie sonst viel zu oft – aus dem Marketing-Baukasten, sondern sind wirklich beobachtend analytisch.

Der Mann ist Kulturanthropologe, kein BWLer: Entsprechend analysiert er menschliches Verhalten auch in Bezug auf das Arbeitsleben eben nicht vom wirtschaftlichen, sondern vom menschlichen Aspekt her. Hier erklärt er die Macken der Millenials als fast zwangsläufige Folgen von Fehlerziehung, der Vermittlung falscher Selbstbilder und der unhinterfragten Übernutzung adiktiver Technologien.

Ich glaube, man wird ihn in dreißig Jahren in Rückschau auf unsere Zeit zitieren: „Einige begannen zu erkennen, dass…“

Postwurfsendung: Es gibt nichts, was nicht passt

BIGBOY PIZZA wirbt mit dem freundlich lächelnden Antlitz einer als Geisha verkleideten Europäerin, Zustellung ab 10 Euro kostenlos (das Essen, nicht die Geisha).

Im Angebot: Lecker Peking-Suppe, gebratene Nudeln, gebratener Reis, Chop Suey, Curry, Ente und Kun Bao sowie süß-sauer.

Nicht im Angebot: Pizza.

Aber dafür kann man sich Chianti, Frascati und Lambrusco liefern lassen. Überbleibsel aus italophileren Zeiten? Stand das da noch rum?

Merke: Echtes Multikulti ist, wenn es sowie egal ist.

Der Fastfood-Tempel meiner Wahl ist fest in libanesisch-liberaler Hand und bietet italienische, amerikanische, indische, griechische, türkische, ein bisschen mexikanische sowie deutsche Küche (inklusive Wurstvarianten und Schnitzelgerichte) und dazu die Klassiker der Fastfood-Internationale: Wraps, Fingerfood, Baguettes, Nuggets, Eiscreme etc..

Also eigentlich alles. Wer will, kann das auch kombinieren. Eine meiner liebsten Pizza-Kreationen dort ist die Pizza DG (Döner mit Gyros), die man also auch Pizza Völkerverständigung oder Pizza tre nationi nennen könnte (vier, wenn der Gouda, fünf, wenn der libanesische Koch und sechs, wenn der deutsche Auslieferungsfahrer mitzählt). Nicht lecker, aber politisch völlig korrekt.

Ich mag die total internationale Pizza Checker lieber: Thunfisch, Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten, viel Jalapenos und Hirtenkäse. Beste Pizza der Welt, bisher. Bin gespannt, wann die Pizza Sushi BBQ DG-Hawaii kommt (alternativ für Leute mit Ananas-Allergie: mit Banane). Würde ich Master Blaster nennen.

Gartenknoblauch: Der dümmste Bauer…

…erntet die dicksten Knollen: Knoblauch ist in unseren Breiten so eine Sache. Der kleine Gartenknoblauch, sagte mir mein Nachbar mit dem grünen Daumen vor drei Jahren, wachse aber „wie Unkraut“, mache keinerlei Arbeit und sei richtig scharf und lecker. Das wollte ich ausprobieren.

Im ersten Jahr passierte so gut wie nichts. Ein paar nicht erwähnenswerte Samenknollen lieferten das Saatgut für das Folgejahr. Im zweiten Jahr wuchs das Zeug plötzlich überall. Die Knollen waren klein, aber schmackhaft. In ihren Blumenbeeten wollte Fiona die Pflanzen aber nicht mehr sehen.

Im dritten Jahr legte ich im Vorgarten ein Hochbeet mit viel frischem Kompost an. Die Erde zum Strecken holte ich teils hinten aus den Beeten – und irgendwie verirrten sich dann ein paar Samen in die linke Ecke des Hochbeets. Völlig ohne Konkurrenz wuchsen sie bis auf Hüfthöhe. Heute habe ich geerntet: Saatgut, bei dem jedes Korn selbst groß genug ist, als kleine Knolle in die Pfanne zu wandern. Und Knollen, die man auch verkaufen könnte.

Nächstes Jahr gibt’s mehr:

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