Konnte ich mir nicht verkneifen: Fan-Kultur der besten Art

Ross Turnbull ist der Ersatztorwart von Chelsea, ein Mann der zweiten Reihe. Nach dem Liga-Abschlussspiel schaffte es dafür sein Sohn Josh, sich mit einem Traumtor in den Vordergrund zu spielen. Das bemerkenswerteste daran ist die Reaktion der Fans. Da geht einem echt das Herz auf: „Sign him on“, singen sie, „Gebt ihm einen Vertrag“.
Spitze – und auf dem Weg, das Youtube-Video der Woche zu werden. Alles Kopien eingeschlossen hat das Ding nach 48 Stunden schon über zwei Millionen Aufrufe.

Trend Gaga-Fußball: Katar kann man noch toppen

Michel Platini: Läßt Europa näher zusammenrücken (in der Business Class)

Wer geglaubt hat, bescheuerter als eine Fußball-WM ins Wüstenländle Katar zu vergeben, gehe es nicht mehr, konnte heute dazu lernen: Die EM 2020 wird in 13 verschiedenen Ländern ausgetragen. Gäste aus Texas wird das wegen der ja ach so niedlichen kleinen Distanzen in Europa vielleicht nicht weiter irritieren. Beim Bäckermeister von nebenan, der gern ein, zwei Spiele der Nationalelf mitnehmen würde, wird das wohl anders aussehen, wenn er von Barcelona nach Moskau muss.

Der Trend der letzten 15 Jahre, die Preisgestaltung für Tickets für solche Events an den Gebrauchtwagenmarkt anzulehnen, war schon schlimm genug. Mit dieser Entscheidung dürfte gewährleistet sein, dass sich normale Menschen den EM-Zirkus definitiv nicht mehr leisten können. Fans – die ja seit einiger Zeit eher als Störfaktoren gehandelt werden – werden so kaum noch in den Stadien landen.

Die echten Lacher wird es aber dann geben, wenn man im inzwischen ja so bewährten Online-Reservierungsverfahren seine namentlich registrierten, „personalisierten“ Tickets blind wird bestellen müssen, ohne zu wissen, wohin die Reise geht. Weitergabe der Tickets natürlich ausgeschlossen. Das Los-Verfahren stellt sicher, dass sich dabei trotzdem alle als Gewinner fühlen dürfen.

Was denken sich diese Verbands-Fuzzis, wenn sie zu solchen Entscheidungen kommen, falls sie denn denken? Nur das allerbeste, wie ein Platini-Zitat bei SPIEGEL ONLINE dokumentiert:

„Alle 53 Verbände sind ausdrücklich eingeladen, sich zu bewerben. Wir wollen nicht nur eine Region einbeziehen, sondern ganz Europa. Vom Osten bis zum Westen, vom Norden bis zum Süden“, sagte Uefa-Präsident Michel Platini. „So kann es zu einem Derby zwischen Portugal und Kasachstan kommen, das wird doch bestimmt interessant.“

Genau. Mit einem „Derby“ meint man übrigens den Wettkampf zweier Mannschaften aus einer Region, es ist das Aufeinandertreffen von Nachbarn.

Portugal gegen Kasachstan? Da kann man mal sehen, wie klein die Welt ist, wenn die Brieftasche groß genug ist.

Zum Background:

Kloppos Klopper: Huldigung an einen Wortartisten

Borussia Dortmund alias Lüdenscheid Nord ist jetzt nicht gerade der Verein, an dem man Herz hängt. Man muss aber fair zugestehen, dass die in den letzten zwei Jahren Deutschlands besten und schönsten Fußball gespielt haben. Zudem haben sie die Bayern souverän abgewatscht und auf die Plätze verwiesen. Das ist natürlich ein Verdienst, den man ihnen gar nicht hoch genug anrechnen kann.

Zu verdanken haben sie das nicht zuletzt diesem unrasierten Typ, der auch Karriere als Schlagzeuger bei den Muppets hätte machen können: Jürgen Klopp. Dessen größtes Verdienst aber ist es, dass er etwas völlig Neues in die sonst übliche Schwafel- und Phrasensoße des deutschen Fußballs eingebracht hat: Ironie.

Kloppo ist der absolute Meister darin, absolut bescheuerte Reporterfragen höchst intelligent zu kontern. Er ist kein Quer-, sondern ein Schrägdenker. So etwas ist ein seltenes Talent und verdient Würdigung. Hier also eine kleine Huldigung.

Meine 10 liebsten Kloppo-Zitate, eines ist noch ganz frisch.

Platz 1: „Den Weidenfeller müssen wir uns manchmal schön saufen.“ (verständlich!)

Platz 2: „Ein Schönheitschirurg würde sagen: Enthauptungen mache ich nicht.“ (auf die Anregung, doch als Retter zum FC Köln zu wechseln)

Platz 3: “Ich hab’ meinen Spielern in der Pause gesagt: ‚Wenn wir schon mal hier sind, können wir doch eigentlich auch ein bisschen Fußball spielen.’”

Platz 4: „Der Koller ist 20 Zentimeter größer als unsere Spieler. Es ist eigentlich nicht fair, dass der mitspielen darf.“

Platz 5: “ Wir werden auf ihn warten wie eine gute Ehefrau, die auf ihren Mann wartet, der im Knast sitzt.“ (über den damals verletzten Mats Hummels)

Platz 6: „Wir treten nicht mit vollen Hosen an. Ich habe extra noch mal nachgeschaut.“

Platz 7: „Vielleicht spielen wir zum 1. Advent statt des Tannenbaum-Systems einen Adventskranz.“

Platz 8: „UEFA-Cup-Feeling? Ist das sowas wie Sodbrennen?“

Platz 9: “ Im Spiel denken die Spieler ab und zu selbständig, und man sieht ja, was dabei raus kommt.“

Platz 10: “Beim ersten Interview war ich sehr enttäuscht. Beim zweiten zehn Minuten später ging es schon besser. Wenn ich noch eine halbe Stunde warte, dann habe ich wahrscheinlich das Gefühl, dass wir gewonnen haben.”

Und weil es so schön ist noch ein paar, in Persona, zum genießen: