Großartig: Polit-Satire à la USA

Dem US-Fernsehen sagt man nach, entweder zahnlos oder oft dumm und oberflächlich zu sein. Ein Vorurteil, wie die Amerikaner vor allem in einem Genre beweisen: In der politischen Satire sind sie auch dem deutschen Fernsehen Lichtjahre voraus. Was da geboten wird, ist weltklasse – frech, intelligent und im besten satirischen Sinn entlarvend. Man sehe sich nur mal an, wie Commedy Central hier Whitehouse-Plapperer Sean Spicer die Hosen herunterlässt. Beispielhaft und vorbildlich:

Es lebe der Staatsfunk: Fortschritt und Vielfalt?

Was Fortschritt und Vielfalt in der schönen neuen TV-Welt bedeuten, ist leicht zu erklären:

– beim DVB-T alte Version bekam ich den WDR auf 5 Kanälen
– bei DVB-T2 bekomme ich den WDR auf 7 Kanälen

Zählt man die Parallel-Ausstrahlung mancher Programme auf anderen „Dritten“ der ARD mit, komme ich jetzt mitunter in den Genuss, mir auf bis zu elf Kanälen den gleichen, völlig identischen Käse anzusehen.

Jetzt mal ernsthaft: Ich bezahle bald 69 Euro im Jahr dafür, dass mir Programmvielfalt vorgegaukelt wird, die schlicht nicht existiert. Die multiplen WDR-Inkarnationen werden mit „lokalen Fenstern“ gerechtfertigt, in denen für einige Minuten  am Tag regionale Nachrichten laufen. Und für diesen Mist verstopfen die ganztätig Frequenzen, auf denen man Programmalternativen anbieten könnte.

Insgesamt finden sich im DVB-T2-Portfolio bis zu 20 öffentlich-rechtliche Sender, die fälschlich als „frei empfangbar“ angepriesen werden – in Wahrheit kosten sie mit 210 Euro „Haushaltsabgabe im Jahr dreimal so viel wie die kostenpflichtigen privaten Sender. Dafür bekomme ich dann mehrere davon aber auch mehrfach.

Toll.
Fehlt nur noch der Grimmepreis für die Nachrichten-Vorleser der Regionalfenster.

 

Streep!

Sport und Entertainment, glauben manche, sollten frei von Politik sein. Man reduziert sie damit auf ein nur vermeintlich apolitisches  „Brot und Spiele“, auf Massen-Bespaßung, die gern auch ablenken darf von den finsteren Dingen. Schon die Nazis wussten, wie viel das wert ist – und förderten und finanzierten das ablenkende Spektakel nach Kräften. Sie hatten verstanden, dass ein Schweigen der Multiplikatoren wie Propaganda für die wirkt, die man unwidersprochen laut sein lässt.

Wie das besser geht, zeigte Meryl Streep bei den Golden Globes 2017. Die sind einer dieser Events, mit denen sich die Entertainment-Industrie selbst feiert. Normalerweise prallvoll mit cool, love, love you all, great, super, spitze, toll.

Dieses Jahr war das anders: Nicht nur Streep nutzte diesmal die große Bühne (zumindest Teile der Show erreichen jedes Jahr mehrere Hundert Millionen Menschen ), um politisch Farbe zu bekennen, indem sie Anstand, Würde und Werte beschwor. Und sich klar gegen das Gegenteil positionierte, verkörpert durch Donald Trump.

Zurzeit geht ein 45-Sekunden-Zusammenschnitt ihrer deutlichsten Statements „viral“, vor allem bei Facebook. Ich finde, solche Sachen sollte man nicht aus ihrem Kontext reißen: Es lohnt sich, sich die ganze Rede anzuhören. Mehr Rückgrad sieht man auf solchen Promi-Parties selten. Siehe oben.

Einfach nur gut: Denkstoff

Das unten eingebundene Feature wurde eigentlich für einen öffentlich-rechtlichen Sender produziert, aber als „zu religionskritisch“ abgelehnt. Das ist so bedauerlich wie typisch für unseren Staatsfunk mit Kirchenbeteiligung. Das Feature ist durch und durch hörenswert.