My Playlist XIV: Leider, zum Glück

Früher habe ich ihn versorgt, heute versorgt mich Sohnemann mit frischen Inputs. Zurzeit hat er ein Faible für intelligent beknackte deutsche Texte. Heute hat er mich an zwei Klassiker dieses Genres erinnert:

„Ich bin Ausländer“ von den Torpedo Boyz kannte ich natürlich, hatte es aber schon fast vergessen. Das verdient dieses Lied definitiv nicht, es ist ein lustiger Spiegel für den deutschen Alltag. „Germany? Hm, I don’t knoooow“:

Die seit 1994 umtriebigen Knorkator sind natürlich ein echter Klassiker des Gaga-Rocks, haben mit ihrer grundironischen Attitüde aber leider auch nicht verhindern können, dass so Kommerz-Pflaumen wie Unheilig in diesem Lande tatsächlich ernstgenommen wurden. Wenn Musik mit Ö-Ö-Ö-Gekrächze, dann bitte so.

Den Titel „Alter Mann“ von 2007 hatte ich bisher irgendwie verpasst: Umso besser, dass mein Gaga-Scout mir den jetzt doch noch nahegebracht hat.

Schönes Wochenende.

My Playlist (XIII): Caledonia

Am 8. August 1980 fuhr ich zum ersten Mal in meinem Leben nach Köln. 60 Kilometer waren das, und mit 17 Jahren war das weit, eigentlich außerhalb meines damals normalen Aktionskreises. Auf der Domplatte lief das „Folkfestival ’80“. Ich war gerade frisch aus Irland zurück und hatte mein musikalisches Repertoire neben Punk, Rock und New Wave um keltische Töne erweitert.

Für Dougie MacLean muss es einer der letzten Auftritte in Deutschland gewesen sein. Seit 1974 hatte er hier auf der Straße gespielt, in Kneipen und auf kleinen Festivals überall in Europa. In dieser Zeit schrieb er auch „Caledonia“, eines von vier, fünf Liedern, die absolut jeder Schotte kennt: Neben „Scotland the Brave“, „Scots Wha Hae“, „The Flower of Scotland“ und natürlich „Loch Lomond“, von dem die Fans des 1. FC Köln fälschlich glauben, es sei als ihre Fan-Hymne geschrieben worden, ist es so etwas wie die fünfte inoffizielle Nationalhymne Schottlands geworden. Es ist die leiseste und gefühlvollste: Caledonia ist das Lied, das meine Schwägerin Celine, die aus Glasgow kommt, nicht singen kann, ohne dabei zu weinen.

Caledonia ist ein bittersüßes Stück schwelgerischen Heimwehs: das Lied eines jungen Buskers, der sechs Jahre lang mit der Gitarre durch Deutschland vagabundiert und sein Geld singend auf der Straße verdient. MacLean spielte es auf der Domplatte mit Silly Wizzard. Kurz darauf ging er zurück nach Schottland, wo Caledonia zum Hit wurde, der bis heute im Repertoire jedes Schnulzensängers, jeder Möchtegern-Sopranette, jeder schottisch-irischen Quasi-Helene-Fischer oder Esoterik-Elfe verbleibt. Es gibt Versionen des Liedes, die auch mir die Tränen in die Augen treiben. Und Ausschlag verursachen.

Wenn Dougie MacLean das Lied singt, kann mir das nicht passieren. Für mich wurde Caledonia eines der ersten Lieder, die ich überhaupt auf der Gitarre zu spielen lernte. Ich hörte MacLean in Köln, und das klang zugleich sehnsüchtig und  lakonisch, schmalzfrei und abgeklärt. MacLeans Heimweh ist „matter-of-factly“: ist halt so, hat er halt, kann er nicht ändern. Er sagte: „Das ist eine Heimweh-Song“, und alle lachten. Als der WDR das Konzert ein paar Tage darauf wiederholte, saß ich mit dem Kasettenrekorder vor dem Radio. Den völlig verrauschten Mitschnitt habe ich heute noch: Ich reimte mir die Griffe nach Gehör zusammen.

MacLean ist inzwischen 62 Jahre alt, und natürlich spielt er noch immer, Caledonia inklusive. In Schottland blieb er eine Größe, in den USA und Kanada leidlich populär. Neben Alben mit seinen Bands Tannahill Weavers und Silly Wizzard nahm er 22 Soloalben auf, steuerte Songs zu Compilations und Filmen bei (der Titelsong von „The last Mohican“ mit Daniel Day Lewis ist eine Version seines Liedes „The Gael“).Wer nach Schottland fährt, kommt nicht an ihm vorbei. Man hört ihn im Radio, beim Essen im Restaurant, in Kneipen. Das meiste ist heute zu süß, zu vergeigt, mit synfonische, Zuckerguss überzogen. Am besten war er immer, wenn er nur zur Gitarre sang.

Diese Aufnahme von Caledonia hier ist von 2010. Bei Youtube hat sie mehr als 2,5 Millionen Aufrufe. Kaum zu glauben, in unseren hippen, ironischen Zeiten, aber wahr: total uncool, und immer noch schön.

Noch immer großartig: Douglas Adams erklärt das Wildleben

Für viele ist Douglas Adams nur dieser Typ, der „per Anhalter durch die Galaxis“ schrieb, ein Buch, dessen tiefe Weisheit sich nicht jedem mitteilt. Adams Kunst war es gerade, tiefe Einsichten in ein vermeintlich albernes Kleid verpacken zu können. So enthält auch der „Anhalter“ regelrecht geniale Momente, wie beispielsweise die Errechnung der Formel zum Erreichen der Überlichtgeschwindigkeit aus der Disparität zwischen dem, was man in einem Restaurant konsumiert und dem, was man am Ende bezahlt.

Aber Adams war nicht nur Satiriker, sondern auch engagierter Journalist und Essayist und – gerade in seinen letzten Jahren – zutiefst an Naturwissenschaften und der Erhaltung der Natur interessiert. Legendär sind die Vorlesungen, die er weltweit nach der Produktion seiner in Buch- und Radioform veröffentlichten Natur-Doku „Last Chance to see“ hielt (deutsch: Die Letzten ihrer Art). Mein persönliches Highlight sind seine Einsichten ins Liebesleben des Kakapo, die es in verschiedenen Versionen gibt. Hier ist eine, die er nur wenige Wochen vor seinem viel zu frühen Tod an der University of California hielt:

Lust auf mehr? Die vollständige Vorlesung kann man sich hier ansehen. Lohnt sich.