My Playlist XXIV: Ger O’Donnell

The Parting Glass gehört seit Anfang der 80er zu meinen Lieblingsballaden, und was Ger O’Donnell da abliefert, ist vielleicht die beste Version davon, die ich je gehört habe.  Das ist tiefe, warme Melancholie pur, in perfekter Einheit von Performance und Text:

Oh of all the money that e’re I spent
I spent it in good company
and of all the harm that e’re I’ve done
alas it was to none but me
for all I’ve done for want of wit
to mem’ry now I can’t recall
so fill to me the parting glass
good night and joy be with you all

Oh if I had money enough to spend
and leisure time to sit awhile
there is a fair maid in this town
and she surely has my heart beguiled
her rosey cheeks, her ruby lips
I own she has my heart enthralled
so fill to me the parting glass
good night and joy be with you all

Oh of all the comrades that e’re I’ve had
they are sorry for my going away
and of all the sweethearts that e’re I’ve had
they would wish me one more day to stay
but since it falls unto my lot
that I should rise and you should not
I’ll gently rise and softly call
good night and joy be with you all

Das „Parting Glass“ ist der Abschiedstrunk, im Sinne von „Noch einen auf den Weg“. Text und Melodie sind gemeinfrei, denn das Lied ist uralt: Die ältesten Nachweise datieren auf 1605, aber es ist gut möglich, dass man da noch ein paar Jährchen drauflegen kann.

Was soll man da sagen? Zeitlos.

Zum Sänger: Ger O’Donnell ist seit über zwanzig Jahren als Studiomusiker, Arrangeur und Komponist unterwegs, hat aber nie den Weg ins Scheinwerferlicht gesucht. Das scheint sich gerade zu ändern. Seit etwas mehr als einem Jahr postet er Videos bei YouTube und Facebook und promotet seine Konzerte. Die sind nach wie vor klein: Pubs in County Clare und Limerick, regionale Festivals.

Da läuft er mit Contemporary auf, was auch die Clips in seinem Youtube-Channel dominiert: Prinzipiell kann der alles spielen, was mal gut ist, mal viel zu zuckersüß (mir zumindest). Er ist da ganz Studiomusiker.

Richtig stark ist er dagegen, wenn es ins „Trad“ geht, ins irisch-schottische Liedgut: Das ist absolute Oberliga. Er merkt gerade, dass es auch das ist, was die Leute von ihm hören wollen. Seine Trad-Videos haben locker 100x mehr Aufrufe als die anderen Sachen, Tendenz steil steigend.

Ich tippe mal: da kommt bald mehr.

My Playlist XXIII: T-Bone, please

T-Bone Burnett ist einer dieser Musiker, von denen nicht jeder weiß, dass er ihn kennt. Der Mann ist 71 Jahre alt und wurde in den 70er Jahren berühmt, als er in Bob Dylans Band spielte. Seitdem veröffentlichte er mehr als ein Dutzend Solo-Alben unter seinem eigenen Namen.

Eigentlich ist er aber ein Musiker, der gern verdeckt werkelt. Die Liste der Künstler, deren Karrieren er (minunter wieder, so wie bei Roy Orbison) auf die Beine half oder Flügel verlieh, liest sich wie ein Who’s Who der leicht schrägen, originellen Musik: Das geht von B.B. King, Gregg Allman und Elton John über Elvis Costello und Leo Kottke bis zu den Wallflowers oder den Counting Crows. Daneben ist  Filmmusik seine besondere Spezialität, zahlreiche preisgekrönte Soundtracks gehen auf seine Kappe (er holte u.a. zehn Grammys und zwei Oscars). Das besondere daran: meist sind die Alben etwas wirklich besonderes.

Zuletzt beschallte Burnett die Krimireihe True Detective – und nichts nährt da die Spannung derart, wie der oft hypnotisch-sparsame Soundtrack: Burnetts Töne, eigene Songs und Song-Auswahl sind das Salz der Serie, ohne sie wäre sie fad.

Was mich an dem Mann fasziniert: Seine immer noch junge Stimme – und seine offenbar völlig ungebrochene, völlig relaxed agierende Innovationskraft.  Hier dudelt kein Alt-Musiker, der versucht, jung zu klingen. Hier tobt sich ein musikalischer Tüftler kreativ aus.

Mein Lieblingsalbum bisher (ich kenne nicht alle seine Alben) ist  „True False Identity“  von 2006, aus dem die zwei hier eingeklinkten Songs stammen. „Zombieland“ klingt wie ein jugendlich-hellstimmiger Tom Waits auf Weckamin: Die Musik ist ein Fraktal, das sich aus Gitarren, Basslinie und zahllosen percussiven Elementen summiert. Das ist ganz großes Kino, was da im Hintergrund hämmert und klackert und schlägt und so zum eigentlichen Träger der Melodie wird. Und „Palestine, Texas“?

Ist so alt wie Burnett und zugleich völlig zeitlos neu. Man hört da fünf Jahrzehnte Musik, und alles fließt zusammen, ohne dass irgendwas verbogen, gekünstelt oder anbiederisch jung klingt – es ist komplett zeitlos.

Ganz ehrlich: ich hoffe, ich bin mit 71 noch so drauf, wie Burnett klingt.

My Playlist XXII: Fingerstyle-Prodigy

Fingerstyle-guitarists impress me: They are like one-man-orchestras. It is hard to imagine what kind of physical strain this kind of playing excerts on the body. But naturally that is beside the point: This is music, not sports. I find this crossover of melody and percussion musically impressive in its own right.

One of the youngest rising stars on the scene is Marcin Patrzałek from Poland. He is 18 meanwhile and at the moment making his rounds on Facebook, in a video with a one-man-performance of Beethovens 5th symphony. I find this video here even better: it was made when he was 16 years young and making his break-through.

My Playlist XIX: Jon Gomm

Hierzulande weniger bekannt als Andy McKee ist der Brite Jon Gomm – ein Gitarrist, der sich locker mit allen Größen des Fingerpicking-Stils messen kann. Gomm ist ähnlich perkussiv wie McKee, aber den rauen Seiten des Pop näher: mehr Rock als Jazz, mehr Pop als Klassik.

Ähnlich wie McKee ist auch Gomm eine Youtube-Entdeckung. Seine Karriere begann quasi mit obigem Video, dass – ähnlich wie McKees „Drifting“ – in zig Versionen/Kopien kursiert und inzwischen auf zig Millionen Abrufe kommt. Gomm ist aber auch ein Musiker der kleinen Bühne, eine richtige Rampensau. Live dekonstruiert er hämmernd The Police, Bob Marley oder Chaka Khan, und anders als die meisten seiner Kollegen singt er auch – viel flexibler geht’s nicht.

Ganz besonders mag ich aber sein selbst geschriebenes Stück „The Secret Of Learning To Fly Is Forgetting To Hit The Ground“, schon allein wegen des Titels. Der ist natürlich ein Zitat von Douglas Adams, aber auch mein Mantra. Als ich Gomm das Stück erstmals hab spielen hören, habe ich begriffen: Es erklärt, was die Jungs da machen auf ihren Gitarren. Es ist sogar die einzige Erklärung.