Apropos Adblocker: (Wie lange) geht’s noch?

Mein Arbeitgeber SPIEGEL ONLINE, der sich einer Kampagne populärer Webseiten gegen Adblocker angeschlossen hat, bekommt dafür zurzeit mächtig Prügel in Blogs und Foren. Argumentiert wird da so, wie schon seit 1995: Werbung sei Belästigung, zu schrill, ihre Unterdrückung darum eine Art Notwehr.

Es ist eine unglaublich kurzsichtige, die Realitäten ignorierende Argumentation.

Notwehr wäre es aus Sicht der Verlage, von denen viele seit 20 Jahren Geld ins Internet stecken und kostenfrei Inhalte anbieten, ohne dass sie damit Geld verdienen, ihre Angebote dicht zu machen und Geld zu verlangen. Viele werden das noch dieses Jahr versuchen. Die meisten davon werden schlicht verschwinden. Weil entgegen aller Beteuerungen, die man in diesen Tagen auch wieder liest, kaum ein Nutzer wirklich bereit ist, auch nur Mini-Beträge für Web-Inhalte zu bezahlen. Und damit meine ich nicht einmalig, so als Spende, sondern andauernd. Am besten an alle Seiten, die man nutzt.

Hallo? Wer hat da noch Probleme mit Werbung, wenn man sich das als alternatives Szenario vorstellt?

Für ein Ausschalten von Adblockern zu werben ist nichts anderes als der Versuch, weiterhin für den Nutzer kostenlos Inhalte anzubieten. Alles, was der dafür ertragen muss, ist ein wenig Bling-Bling.

Forderungen, Werbung unauffälliger zu machen, sind übrigens schlicht bescheuert. Wer so etwas fordert, hat nicht begriffen, worum es bei Werbung geht. Natürlich muss die auffallen, sonst wirkt sie nicht. Und wenn sie nicht wirkt, taugt sie auch nicht als Refinanzierungsbasis für kostenlose Angebote. „Gezieltere“, „personalisierte“ Werbung einzufordern ist dann noch der ultimative Blödsinn. Wünschen wir uns wirklich noch mehr Profilierung unser Persönlichkeiten, mehr Schnüffelei, mehr Eindringen in unsere Daten, den Verkauf dieser Daten? Geht’s noch? Ich will das nicht.

Mit schönster Regelmäßigkeit wird dann noch die Plattitüde ausgepackt, die Verlage verstünden das Internet nicht. Sorry, aber wir haben es mit geformt: Der SPIEGEL war ab 1993 online präsent (Compuserve), ab 1994 als erste News-Webseite weltweit auch im WWW. Wo war damals die von Vorträgen lebende, heute als Berater oder Experten vor sich hinsalbadernde „digitale Avantgarde“ dieser Welt? Sorry, aber das bringt einen echt auf die Palme.

Liebe Web-Experten, Community-Bewohner, Blogger, Digerati und Technorati: Ihr verteidigt das Web nicht, sondern Ihr macht es Euch selbst und uns allen kaputt. Man kann das, was Medien im Web bieten, mitunter Käse finden. Dort aber keine Medien mehr zu finden, die man einfach aufrufen kann, ohne vorher ein zahlungspflichtiges Abo abzuschließen, wäre wirklich Käse. Die Verlage denken solche Dinge nicht an, weil sie das wollen, sondern weil ihnen keine Alternative mehr bleibt. Sie bluten gerade finanziell aus, falls das jemand verpasst haben sollte. Weil selbst am Kiosk immer weniger Leute Geld in die Hand nehmen wollen – es gibt ja das Internet, wo es alles umsonst gibt.

Wer das wirklich glaubt, hat den Knall allerdings wirklich nicht gehört. Gratis gibt es nichts im Leben. Wenn Nutzer von Webseiten per Adblocker die Werbung unterdrücken, nötigen sie den Anbieter, die Zeche für ihn zu zahlen. Bei 25 Prozent Adblockerquote (und mehr) ist das heute ein Normalfall, den kein Verlag länger hinzunehmen bereit ist.

Ja, Internet-Werbung ist oft lästig, ärgerlich, hässlich. Der Witz ist nur, dass ich auch etwas dafür bekomme, wenn ich sie hinnehme. Tue ich das nicht, gilt das nicht mehr lang. So einfach ist das.

 

49 Gedanken zu “Apropos Adblocker: (Wie lange) geht’s noch?

  1. Ich finde es ja viel besser, wenn einem vorgeworfen wird einen Adblocker zu nutzen, man es aber gar nicht tut. Ich blocke nicht Werbung, sondern die Übermittlung meiner IP. Das ist ein personenbezogenes Datum, für deren Verwendung man meine Einwilligung braucht. Bevor sich SPON darüber beschwert, dass Nutzer einen Adblocker benutzen, sollten sie erst einmal wert darauf legen, dass ihre Werbung gesetzeskonform ausgestaltet ist. Dafür reicht kein Hinweis vom Disclaimer, sondern es braucht eine ausdrückliche Einwilligungserklärung. Und um die hat sich bei mir bisher SPON noch wer anderes bemüht.

  2. Ich kann es nicht mehr hören. Ich zahle insgesamt 500 € im Jahr „im Internet“.
    Ich habe den Economist fürs Pad und Stratfor übers www. Ich hatte auch mal ein Spiegel Abo. Aber warum sollte ich für seichte Polemik Geld bezahlen? Macht mal wieder seriösen Journalismus und nicht Bild für Intellektuelle. Wie der Vorredner schon sagte, SPON funktioniert als Pausenfüller weil er kostenlos ist, für den Schund bezahlen würden wohl nur wenige.

  3. „Der Witz ist nur, dass ich auch etwas dafür bekomme, wenn ich sie hinnehme.“

    Ok – schauen wir mal was ich dafür bekomme:
    Ich bekomme die 100ste Version von zielgruppen- und SEO-optimierten Aufhübschungen der DPA/AP/Reuters-Meldungen, die ich in JEDER Online-„Presse“publikation finde. Ich bekomme „qualitätsjournalistische“ Kolumnen von Weltverstehern die im Auftrag Ihrer Inverstoren und Werbekunden versuchen die öffentliche Meinung zu manipulieren – ähh, sorry, zu „bilden“.

    Nein Danke. Der Webeblocker bleibt an und die einzige Ausnahme in Ghostery ist das VGWort-Pixel.

  4. Ich gebe es gerne offen zu: Ich nutze den AdBlocker und nutze diesen gern. Aber: Ich nutze auch gerne die sogenannte Whitelist, also Ausnahmen für Website, die ich oft besuche.

    Obwohl ich den SPON relativ häufig lese ist er nicht in meine Whitelist und warum? Weil diese riesigen, teils komplett Flash animierten Werbebanner mein komplettes System (und mein Rechner ist nicht der älteste) lahm legen, so dass alle anderen Programme nur noch streiken.
    Unter den Umständen tut es mir auch nicht mehr leid, dann müssen sie das eben mit ihren Werbepartnern absprechen.

  5. Warum ich „Ads“ blocke? Weil ich Reklame generell besch*ssen finde, nicht bloß im Internet. Und weil ich werbefinanzierte Geschäftsmodelle ganz generell für die schlimmsten Treiber des entfesselten Turbokonsumismus‘ halte, die man nicht nur boykottieren, sondern am besten auch sabotieren sollte.
    Für guten Content (z.B. die TAZ) zahle ich freiwillig, regelmäßig und gerne.

  6. „Forderungen, Werbung unauffälliger zu machen, sind übrigens schlicht bescheuert“

    Forderungen, aufdringliche Werbung ertragen zu müssen, die ein Sicherheitsrisiko darstellt und das Konsumieren des Artikels beeinträchtigt oder gar verhindert, übrigens auch.

  7. Sorry, Sie haben da was nicht verstanden:

    Zur Kostenlos-Mentalität: Vielleicht, lieber Frank, sollten Sie die mal ablegen. Wenn Spiegel nicht seine Nachrichten kostenlos ins Netz stellen würde, dann hätten andere, kleinere Anbieter vielleicht die Chance mit Bezahlmodellen durchzukommen. Nehmt Geld, ich bitte darum. Das würde auch dazu führen wieder mehr Qualität in den Journalismus zu bringen, für eine Sternchen-Titten-Klickstrecke würde ich jedenfalls nicht bezahlen.

    Zu den Ad-Blockern: Reiner Selbstschutz. Was tut denn Ihr Arbeitgeber, lieber Frank, als erstes, wenn ich einen Spiegel-Artikel aufrufe? Er erzählt google, facebook, twitter und ivwbox wann und von welchem Computer aus ich welchen Artikel anschaue. Spinnt Ihr denn? Das muss ich doch blocken. Wenn Ihr Eure Werbung mal selber hostet, dann sehe ich die auch.

  8. Der ABP ist meine freie Entscheidung als freier und souveräner Internetnutzer. Ich lasse mir keine Scheinheiligkeit vorwerfen! Es ist mein Willen, das mich Werbung im Internet nicht erreichen soll. Mir reichen schon die wöchentlichen 5 cm Papier vor meiner Haustür. Wären die nicht, würden manche Produkte noch preiswürdiger angeboten. Stellt euch das Argument vor: Nur wenn du meine bunten Bilder ansiehst, bekommst du auch in meinem Laden die Produkte billiger!

    Zudem wird bei den Anbietern von Werbung nur dann die Kasse klingeln, wenn ich auf diese klicke. Solange ich nicht Klicke, wird das Problem der tollen Anbieter für noch so tolle Inhalte weiter bestehen bleiben.

    Ich klicke nicht, dann brauche ich sie auch nicht sehen. Basta!

  9. Ich glaube ans Bezahlmodell.
    Wenige sind bereit, für SPIEGEL und SPIEGEL Online zu zahlen? Pardon… aber das ist ein Stück weit auch hausgemacht. Da möchte ich doch gern noch einen anderen Aspekt einbringen:

    Man hat mit SPIEGEL und SPIEGEL Online unter einer Marke zwei vollkommen unterschiedliche Produkte verkauft. Überspitzt gesagt hat man Wein und Bier unter einem Label angepriesen und dabei beide Zielgruppen verunsichert. Denn das versteht einfach niemand.

    SpOn hat sich dabei auf ein Feld bewegt, auf dem der Klick zu wichtig geworden ist – man sieht es förmlich an Headlines und Fotos. Dieses Feld schien lange einfach zu beackern. Aber das geht einfach auf Dauer nicht einher mit einem qualitätsjournalistischem Anspruch, für den wiederum der SPIEGEL steht.

    Und auf einmal muß man sich direkt mit allen messen, die für einen Artikel über Sex, Nazis oder Sex mit Nazis von Recherche bis Publish 30 Minuten veranschlagen. Oder nicht einmal das.

    Ihr habt euer Profil verwaschen.
    Wie wollt ihr denn in diesem schmutzigen Rennen bestehen und gleichzeitig *das* investigative Magazin in Deutschland sein? Da gibt es nichts zu gewinnen.

    Ich denke, wenn der SPIEGEL sich mit einer kleineren, qualitätsbewussten Zielgruppe zufrieden gibt und diese mit hochwertigem Content versorgt, könnte das mit einer Paywall funktionieren.

  10. Alle, die einen Adblocker verwenden, sind ökonomische Idioten und haben nicht begriffen, wie die Wirtschaft funktioniert.

    Ich gehöre zu diesen Leuten. Allen ohne Adblocker rate ich: Probiert es doch selbst einmal aus! Seit ich so bescheuert bin, nervt das Internet viel weniger.

  11. Das Internet lernt jetzt, wo es als Werbemedium halbwegs etabliert ist, die Lektion, die andere Werbeträger wie Print und TV schon längst verinnerlicht haben: Etwas Schwund ist immer. Im TV durch das Umschalten oder aus dem Zimmer gehen während der Werbepause und in Zeitungen und Zeitschriften durch das Überblättern der Anzeigenseiten. Im TV ist die Differenz zwischen der Programmreichweite und der durchschnittlichen Werbeblockreichweite (also der gemessene Schwund) mehr oder weniger eingepreist in den Werbetarifen. In Print ist es nicht ganz so transparent, aber auch da liefern Media-Analyse und Verkaufsauflagen im Markt akzeptierte Grundlagen zur Errechnung von Kontaktwahrscheinlichkeiten mit der Werbung. Das heißt, genausowenig wie der Werbekunde zu 100 Prozent davon ausgehen kann, dass ein Käufer/Leser des gedruckten „Spiegel“ eine beliebige Anzeige im Heft gesehen hat, kann der Online-Werbekunde bei SPON davon ausgehen, dass 100 Prozent aller unique visitors sein Banner auf der Homepage (oder sonstwo im Angebot) gesehen haben. Willkommen in der Werbenormalität, liebe Onliner.

  12. Ich bin alt genug, um mich noch an die Anfänge des WWW für Jedermann zu erinnern – und auch an die Gehversuche deutscher Verlage wie Heise oder Spiegel. Ich hatte mit Werbung so lange nie ein Problem, solange sie als statisches Motiv in einen Text bzw. Seite eingebettet war. Werbung im Internet war so wenig störend wie Werbung in einer Zeitschrift: Im besten Fall war sie ein Blickfang, der mein Interesse erweckte, im schlimmsten Falle interessierten mich Motive und/oder Produkt einfach nicht. Alles ganz entspannt…

    Dann ging es los mit animierten GIFs, später Flash sowie Werbung, die fest im Bild bleibt etc. Das nervte tierisch – viele Webseiten waren und sind ohne Werbeblocker schlicht nicht lesbar.

    Wenn Werbetreibende auf Animationsschnickschnack verzichten, schalte ich gern den Werbeblocker aus.

    Jetzt muss nur noch eine Lösung für die Mobilsurfer her – mit Volumentarifen kostet es nämlich mein Geld, wenn andere Leute Werbung auf meinem Smartfön abladen wollen…

  13. 1. Nach wie vor wurde nicht erläutert, welche Kosten für die Leser entstehen würden, wenn diese, pro Leser, einen werbefreien Zugang kaufen müssten. Die Infrastruktur ist mit Benutzeraccounts und Bezahlmöglichkeiten bereits vorhanden, eine Realisierung entsprechend einfach.

    2. Stattdessen darf ich in der taz lesen:


    Gegen Bezahlung auf Werbung zu verzichten hält SpOn-Chefredakteur Ditz für keine Alternative: „Überall gibt es Werbung, auch im Spiegel“ – obwohl auch der nicht kostenlos erhältlich ist.

    Damit sind die Fronten doch geklärt. Der Spiegel lehnt es ab, Geld von den Lesern zu erhalten und möchte weiter Werbung einsetzen. Damit können wir die Diskussion doch jetzt einfach beenden.

  14. Die Emotionalität zum Thema kann ich verstehen und nachvollziehen, aber die mangelnde ökonomische Durchdringung nicht so ganz. Mich stören vor allem diese ganzen Behauptungen „der Nutzer zahlt eh nicht cash für Journalismus im Internet“. Das stimmt einfach so nicht. Nutzer messen dem was sie bekommen einen Wert zu. Die einen so, die anderen so. Voraussetzung ist aber, dass er diesen Wert erstmal vermittelt bekommen muss. Oder was veranlasst Menschen für schlichtes „Wasser still“ um die 2 Euro/Liter zu bezahlen, wo es aus dem Wasserhahn in identischer Qualität für 0,002 Euro/Liter kommt? That’s business! Hier mein Post zum Thema: http://www.mediadraufblick.de/adblocker-und-geschaeftsmodelle-der-verlage/

  15. Für SpOn mag das ja stimmen, dass ein großer Anteil von Werbung finanziert ist, bzw. alles (keine Ahnung), aber mal ehrlich: Adblock-Ausschalte-Gejammer kann keine Lösung sein. Bannerwerbung wirds nicht sein.

    Mich würde tatsächlich interessieren, wieviel Kohle bei den einzelnen Seiten, also welcher Anteil des Gesamtbudgets über Bannerwerbung reinkommt. Und mit wie vielen Einnahmen man in Zukunft rechnet.

    Sorry, also wie ich in meinem Blog bereits schrieb: ich halte die Aktion für polemisch und unverschämt gegenüber den Kollegen, die keinen Job mehr haben. weil ihre Blätter zu blöd fürs Internet waren.

  16. Die Argumentation trifft den Nagel auf den Kopf: Wer Content haben möchte, ohne dafür zu zahlen, muss sich eben anders erkenntlich zeigen. Wo ich allerdings nicht ganz mitziehen kann, das ist einerseits die Milde gegenüber störender Werbung und andererseits die Ablehnung personalisierter Werbung. Neulich war ich auf Stern.de und hatte sofort drei(!) Overlays auf der Seite und musste tatsächlich gefühlte 20 Sekunden lang nach den Close-Buttons suchen, bis ich den Artikel lesen konnte, wegen dem ich auf die Seite gegangen war. Das kann es nicht sein. Jede Werbung erhält bei mir eine faire Chance, aber es kann nicht in Ordnung sein, dass es sich für einen Werbungtreibenden lohnt, mich mit Werbung zu belästigen, die mich definitiv nicht interessiert. Ich werde auch dann keinen Babybrei, keinen Rasenmäher und keine Tönungskoloratur kaufen, wenn man es mir noch schwerer macht, die Fenster wegzuklicken. Da muss die Werbebranche dringend nachbessern. Personalisierte Werbung finde ich grundsätzlich klasse, ein Angebot für ein spannendes Gadget lasse ich selten aus. Aber bei der Personalisierung müssen die Holzhammermethoden endlich aufhören. Es kann nicht im Sinne des Erfinders sein, wenn mir Amazon via Retargeting nach dem erfolgten Kauf einer Motorradjacke wochenlang an allen möglichen und unmöglichen Ecken im Web exakt dieselbe Jacke, die ich bereits gekauft habe, noch einmal anbietet. Das erinnert mich an den kleinen Straßenverkäufer auf Bali, der an mir hing wie eine Klette, um mir eine Sonnenbrille zu verkaufen – dabei trug ich eine (optisch geschliffene) Sonnenbrille auf der Nase. Wer seine Empfänger so missachtet, darf sich über Reaktanz-Erscheinungen nicht wundern. Hier ist auch die Sensibilität der Website-Betreiber gefragt. Wir erlauben in unserem Heft (Internet World Business) auch nicht jede Form der Werbung. Warum tun es dann die Website-Betreiber?

  17. Sorry, aber macht bitte nicht die User für euer Verpennen verantwortlich. Ihr habt 20 Jahre alles Kostenlos zur Verfügung gestellt und jetzt kommt ihr an und macht die User dafür verantwortlich??? Schaut mal nach Polen, wie es geht. Setzt euch endlich alle zusammen (Tageszeitungen,Wochenzeitungen) und arbeitet miteinander und nicht gegeneinander. Wenn ihr endlich ein vernünftiges, einheitliches Bezahlsystem entwickelt, dann bekommt ihr auch die Kohle. Und wenn man es etwas schlau angeht, holt man die Werbepartner mit ins Boot.

  18. Ich empfinde die Diskussion um Adblocker als sehr scheinheilig – von beiden Seiten!

    Auf der einen Seite stehen die User, die – sorry – den Hals nicht voll genug kriegen können mir „alles kostenlos“ und eben nicht bereit sind, zu bezahlen. Jedenfalls nicht in so großer Zahl dass das eine sinnvolle Alternative wäre. Und was soll sonst die Anmerkung „macht Euren Content doch kostenpflichtig, dann werden Ihr schon sehen, wo Ihr bleibt“? – Eben: Die Leute werden wegbleiben, weil sie überwiegend nicht bezahlen wollen. Die Forderung nach werbefreien Alternativen gegen Bezahlung kommt doch nur in dem Bewusstsein, dass man nicht Gefahr läuft, sein Bezahlversprechen einhalten zu müssen, weil es nach wie vor keine funktionierenden Bezahlmodelle gibt, die wirklich etwas taugen (Stichwort: Website-übergreifende Lösungen und nicht lauter Einzellösungen, wo ich mich als User dann 30 Accounts mit 25 verschiedenen Bezahlwegen herumschlagen muss).

    Und da setzt dann auch die Kritik an der anderen Seite ein: Die Verlage verweigern sich jeglicher Zusammenarbeit, was z.B. Bezahlmodelle und einheitliche Abrechnungwege angeht, weil jeder darauf spekuliert, mit Alleingängen die Konkurrenz übervorteilen und aus dem Markt drängen zu können. Warum eigentlich? Habt Ihr Angst vor fairem Wettbewerb unter gleichen Bedingungen? Ist das, was Ihr zu bieten habt, tatsächlich schon so schlecht, dass Ihr eine solche Konkurrenz-Situation um die besten (bezahlten) Inhalte fürchten müsst? (sorry, ich wollte nicht polemisch werden, aber der eine Seitenhieb musste sein …)

    Und schauen wir uns auch noch die Aggressivität und Auffälligkeit der Werbung an. Auch hier ist zu beobachten, dass Werbetreibende wie Verlage ständig versuchen, gegenseitig zu übervorteilen. Werbekunde X will von Verlag Y eine aggressive Werbung – nehmen wir an, der lehnt im Interesse seiner Leser ab. Dann geht der Werbetreibende eben zu Verlag Z, der’s vielleicht nötiger hat oder sich einen Vorteil daraus verspricht und akzeptiert. Schon ist die Flacker-Video-Bling-Latte eine Etage höher gelegt und alle (müssen?) mitziehen. Klar, das ist freier Wettbewerb, grundsätzlich nichts verwerfliches dabei – aber dann will ich auch kein Gejammer hören, dass es immer schwieriger wird … Das Problem habt Ihr Euch selbst gemacht, liebe Verlage, indem Ihr den Werbekunden nicht in halbwegs untereinander solidarischer Weise die Grenzen aufgezeigt habt.

    So, wie die User von „kostenlos“ den Hals nicht voll genug kriegen, kriegt Ihr den Hals nicht voll genug mit Werbung, die Ihr im eigenen Interesse und im Interesse Eurer Leser einfach rundweg ablehnen müsstet – Und das erledigt dann eben der User selbst, indem er einen Werbeblocker installiert. Kann man ihm das wirklich übel nehmen?

    Was wirklich traurig dabei ist: Auf der Strecke bleiben dabei die Website, die sich bei Werbung eher zurückhalten und in dieser Hinsicht User-freundlich agieren (und ja, das funktioniert, man verdient auch mit nicht-Bling-Werbung Geld!). Denn der Adblocker macht leider keinen Unterschied zwischen aggressiven und User-freundlichen Websites …

  19. Die aktuelle Werbesituation ist katastrophal. Die Werbung nimmt ja mittlerweile mehr als 70 % der Webseite ein. Es geht mir persönlich nicht darum, gar keine Werbung mehr angezeigt zu bekommen, sondern weniger! Sie berufen sich auf die Anfänge? 20 Jahre Wegbereiter fürs Web? Na dann müssen Sie doch selbst erkennen, das Sie und Ihr Arbeitgeber, blind geworden sind, für die Bedürfnisse der USER!

    Hört einfach auf uns für DUMM verkaufen zu wollen. Man kann Webinhalte kostenlos präsentieren OHNE diesen Werbespam.

    Auch beim Thema PaidContent. Ich würde bezahlen. Nur wenn ich einen Artikel lesen möchte, möchte ich vorher nicht Irgendwo meine Zahlungsdaten angeben, gefühlte Ewigkeiten mit dem Zahlungsprozess selbst zubringen. Oder kurz, wenn das Zahlen länger dauert ,als das Lesen des erworbenen Artikels, läuft da irgendwas falsch.

    Und noch ein wichtiger Punkt. Die Online Ausgabe Ihrer Zeitung, ist qualitativ nicht Annährend mit der PrintVersion vergleichbar. Man hat sogar das Gefühl, das die Online Inhalte ausschließlich von Praktikanten irgendwo aus dem Netz zusammenkopiert sind. Teilweise wörtlich abgeschrieben und oder schlecht übersetzt.

    Warum soll ich für Inhalte Geld bezahlen, die ich mit 2 Klicks auch kostenlos woanders lesen kann???

    Also bitte denken Sie nochmal über Ihre Argumente nach. Denn Irgendwie habe ich das Gefühl, das Journalisten selbst kein WEB nutzen (privat) – sonst wären Sie sicher anderer Meinung was diese Massive Werbesch***e angeht.

  20. Die Lösung wäre so einfach …

    Die selbsternannten Qualitätsmedien könnten gemeinsam ihre
    Marktstellung gegenüber den Werbekunden festlegen, in dem sie sich
    verpflichten, auf ihren Seiten nur Werbung zu veröffentlichen, die

    1. nicht nervt, zappelt oder spezielles Handeln erzwingt
    2. nicht trackt
    3. keine Malware verbreitet
    4. die Optik nicht verschandelt
    5. deutlich als solche gekennzeichnet oder erkennbar ist

    Das wären dann acceptable ads. Diese würden den Werbeblocker passieren können.

    Ausschließlich solche Werbung würde akzeptiert werden, ich denke
    auch, von einem Gutteil derjenigen, die jetzt Werbung blocken.

    Die Werbetreibenden müssten sich überlegen, ob sie ihre Werbung stark
    fragmentieren und über viele Seiten verteilen wollen oder aber eine
    unaufdringliche Version bei den „Qualitätsmedien“.

    Frank, wie siehst Du das?

    • Lauter offene Scheunentore: Genau das versucht eigentlich jeder seriöse Anbieter gegenüber seinen Werbekunden zu kommunizieren.
      Seriöse Werber wissen, dass der Erfolg einer Werbung davon abhängt, wie gut das Werbemittel ist: Nerven ist da kein Bonus.
      Malware-Verbreitung versucht natürlich jeder seriöse Anbieter zu unterbinden.
      Kennzeichnung von Werbung ist auf seriösen Seiten selbstverständlich.

      Aber Werbung ist eben nicht gleich Werbung. Wenn man sich auf Warezseiten rumtreibt, bekommt man andere Dinge untergeschoben, als wenn man auf einer Newsseite Nachrichten liest. Der Adblocker „hilft“ gegen beide Formen von Werbung. Ich würde aber sagen: gegen die eine berechtigt (weil sie z.B. Malware transportiert oder personalisiertes Tracking betreibt), gegen die andere nicht. Deshalb bittet die Kampagne ja auch nur darum, AUSNAHMEN IM ADBLOCKER zu definieren. Sonst macht man seriöse Anbieter zu Kolateralschäden.

      Und zum Thema Ästhetik:
      Auch wir Inhalteanbieter haben keinerlei Interesse daran, dass Werbung die Inhalte überlagert. Es ist ein ständiger Kompromiss. SPON läßt übrigens etliche aufdringliche Werbeformen gar nicht zu, das war immer Hauspolitik.

      Dass hier viele die Background-Layer, die Seiten mitunter „umgeben“ (oben, recht, links) und „umfärben“, so schlimm finden, kann ich nicht nachvollziehen. Im Vergleich zu Layer-Adds, die sich über den Text legen, zu Unterbrecherwerbung bei Artikelaufrufen oder Popup-Kaskaden ist das doch höchst elegant und unaufdringlich. Ästhetisch kann man mitunter darüber streiten (mir sind Schalke-blaue Anzeigen auch lieber als Bayern-rote), aber ich finde das wirklich nicht relevant: Im Fernsehen, Radio oder bei Spotify akzeptieren wir echte Nutzungs-Unterbrechungen, weil wir begreifen, dass die den Gegenwert erst ermöglichen. Warum ist es dann Online ein Problem, wenn auf der Seite Anzeigen zu sehen sind?

      Mich erinnert das ein bisschen an die hitzige Debatte darüber, ob ein Musikstück im Web 99 Cent kosten dürfe – während Handynutzer gleichzeitig bereit waren, 4,99 für einen 20-Sekunden-Ausschnitt der gleichen Songs als Klingelton zu bezahlen. Sorry, aber ich kann das nicht nachvollziehen. Wenn ich Qualität erwarte, muss ich zulassen, dass die auch finanzierbar ist.

      • Hallo Frank,

        danke für die Antwort.

        Inhaltlich allerdings etwas zu dünn und undifferenziert, wie ich meine. Folgende Punkte stimmen aus berichteter und eigener Erfahrung nicht:

        1. Wird der User, wenn er sich nicht dagegen wehrt über diverse Netzwerke getrackt und transparent gemacht.

        2. Verbreiten auch seriöse und nicht nur Warezseiten Malware über Werbung. Das dies absichtlich geschieht schließe ich aus, die Folgen aber hat nicht der Anbieter zu tragen sondern der User. Dieser muss also vorbeugen und sich wehren. Die Notwendigkeit dafür würde schon entfallen, beschränkten sich die Contentanbieter auf Textanzeigen, die auch noch von Ihrem eigenem Netzwerk geladen werden und nicht extern gehostet.

        Das Problem lässt sich eben nicht darauf reduzieren, ob jemand bereit ist Werbung zu akzeptieren, sondern welche Werbung überhaupt akzeptabel ist. Dafür habe ich Vorschläge gemacht (die von Dir als offene Scheunentore bezeichnet wurden), ohne aber die Werbung des Spiegel in diesen Kriterien wieder zu finden.

        Ich bezahle für diese Werbung mit einen Aufpreis bei dem beworbenen Produkt, mit meiner Aufmerksamkeit (um den Preis der Ablenkung) und mit eingeschränkter Sicherheit. In Zeiten der Drosselkom eventuell auch noch in bar für die Inanspruchnahme meiner „Flatrate“. Da kommt also etwas zusammen.

        SPON war einige Jahre lang meine Startseite, inzwischen nicht mehr. Und das liegt nicht an der Werbung, die ich auch in erträglicheren Zeiten schon mit Webwasher blockieren musste, weil mir nur ISDN zur Verfügung stand und keine Flatrate. Nein, der Grund ist, dass die Inhalte so qualitativ nicht (mehr) sind: Ich habe kein Interesse an Hitlerstories, an politisch tendenziösem Inhalt, kein Interesse an ausführlichem Klatsch und semikompetenter Berichterstattung im Wirtschaftsbereich. Dies pars pro toto, um nur die wesentlichen Punkte zu nennen.

        Jedes Medium im Internet oder auch anderswo muss seine Kunden ernst nehmen, das macht ihr. Ihr vertretet die Interessen eurer Anzeigenkunden. Aber damit sind auch die Fronten geklärt!

        Würdet ihr (Dich spreche ich stellvertretend an) die User ernst nehmen, wäre euer Anliegen nicht Abschaltung von Werbeblockern gewesen, sondern eine Diskussion darüber, welche Werbung die User zu akzeptieren bereit sind.

        Am Besten auch zusammen mit den anderen Kampagnenpartnern in einer offenen Plattform, ergebnisoffen und fair.

        Aber, was habt ihr gemacht? Ihr jammert über den angeblich undifferenzierten Einsatz der Werbeblocker auch bei Qualitätsjournalismus.

        Druck (Werbung in diesem Falle) erzeugt Gegendruck (Filterung). Der Druck muss aus der Flasche, wenn etwas Positives erreicht werden soll, dann können wir das Ganze auf eine neue Plattform stellen und alle drei Seiten (Contentlieferanten, Werbetreibende und User) hätten etwas davon.

        Ich mache Dir einen Vorschlag:
        Gerne erarbeite ich mit eurem Verlag ein Konzept für die oben angesprochene Diskussion mit der Community und den Werbetreibenden. Den Kontakt könntest Du sicher herstellen, als Mediator und Organisationsberater bin ich dazu gut vorbereitet.

        Meine Kontaktdaten gehen Dir in separater Mail zu.
        Ich denke, einen Versuch ist es wert.

        Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit.

        Arvid Doerwald

      • Ich hab keine Unterbrechungen bei Spotify. Sondern bezahle den Premium-Zugang. Denn der ist in meinem preislichen Sweetspot UND sie bieten mir zusätzliche Funktionen, etwa den Zugang für Sonos und mobile.

  21. Dann können wir ja gleich das Zappen bei Werbeeinblendungen im Fernsehen verhindern.

    Ich surfe mit AdBlock Plus nicht nur, weil ich keine Werbung sehen möchte, sondern weil die Verlage Ihre Websites dermaßen mit Werbung vollpumpen, dass man teilweise Schwierigkeiten hat, einen Artikel überhaupt vernünftig zu lesen. Am Schlimmsten sind aber diese Hintergrundbanner voll mit Flashanimationen, die völlig unnötig meine Ressourcen verbrauchen.

    Ich bin bereit dazu, für guten Journalismus zu bezahlen, ich habe sogar ein Spiegel-Abo. Warum macht Ihr Eure Website nicht einfach exklusiv für Abonnenten? Richtig. Weil Eure Website auch Werbung für den Spiegel ist.

  22. „Werbung sei Belästigung, zu schrill, ihre Unterdrückung darum eine Art Notwehr.

    Es ist eine unglaublich kurzsichtige, die Realitäten ignorierende Argumentation.“

    Nach den Sätzen war mir eigentlich klar, dass dieser Artikel genau so pauschales BlaBla wie von Ihren Kollegen ist.

    Insbesondere die Werbung auf Spiegel Online ist zu schrill und belästigend. Bewegte Banner-Ads teilweise mit Ton? Das ist Realität.

    „Forderungen, Werbung unauffälliger zu machen, sind übrigens schlicht bescheuert. Wer so etwas fordert, hat nicht begriffen, worum es bei Werbung geht. Natürlich muss die auffallen, sonst wirkt sie nicht. Und wenn sie nicht wirkt, taugt sie auch nicht als Refinanzierungsbasis für kostenlose Angebote.“

    Ich empfehle als Vergleich mal einen Blick auf beispielsweise Google AdWords. Komisch, dass es die noch gibt, wo die doch kaum auffallen.

    Ihre Argumente klingen eher wie aus einem 20 Jahre alten Marketingbuch. Vielleicht werden in der Printausgabe auch bald sich selbst auffaltende 3D Banner eingearbeitet. Immerhin geht es _nur_ darum aufzufallen.

  23. Ein wirklich peinlicher Versuch, den Wunsch zum Ausschalten von Adblockern zu rechtfertigen.
    Dann macht Spiegel-Online doch kostenpflichtig! Niemand zwingt euch, das kostenlos anzubieten. Probiert es aus und ihr werdet sehen, was es bringt!
    Wenn ihr es aber weiterhin kostenfrei anbietet, dann müsst ihr es dem User schon überlassen, welche Möglichkeiten er nutzt!

  24. Ihr Arbeitgeber versucht es immer mal wieder mit Fullscreen Bannern und solchen, die direkt mit dem Abspielen von Audio beginnen. Auf mehrfaches bitten, dieses doch zu unterlassen oder eine Möglichkeit zu bieten, sich die Werbefreiheit zu erkaufen, kam JEDES mal eine total dämlich formuliert Mail. Jedes mal die selbe.
    Ergebnis ist, dass man mich als jemanden, der ohne AddBlock unterwegs ist, einfach nicht mehr als Kunden hat. Wenn das das Ziel von SPON ist, sollte man über fehlende Einnahmen nicht jammern.

  25. Dass im Internet niemand Geld für Leistung bezahlen möchte, haben wir schon damals gehört, als die Musikindustrie über Raubkopien weinte. Dann kam da einer, der die richtige Lösung für das Problem fand und siehe da, das mit dem ’nicht bezahlen wollen‘ stimmte ja gar nicht.

    Weitersuchen würde ich empfehlen.

    • Danke. Klarer kann man’s nicht formulieren. Google hat damals nach dem Blink-Blink bei Altavista, Lycos und co. ähnliches gemacht: eine völlig neue Werbeform erfunden – „Adwords“.

  26. Es geht hier nicht um Werbung als solche. Der kann man in den Industrienationen sowieso nicht entfliehen. Es geht um die Quantität und Qualität.

    SPON liefert jede Menge online-Artikel, die mal mehr mal weniger gut recherchiert sind, dazu kommen noch die Kolumnen und Blogs. Falls ich bei der Web-Suche auf einen SPON-LInk treffe, weiß ich noch nicht, ob der überhaupt etwas Neues oder Substantielles zu meiner Recherche zu sagen hat, werde aber erst mal angeschrien, ich soll mir doch mal dringend ein tolles Smartphone kaufen oder einen großartigen Mittelklassewagen. Hab ich das überstanden, darf ich endlich überprüfen, ob mir der Artikel überhaupt etwas bringt. Ich liefere somit zu 100% meine User-Aufmerksamkeit, bekomme aber nur gelegentlich dafür etwas zurück. Das ist auf die Dauer nicht fair.

    Da ich aber keine Möglichkeit habe, z.B. über einen Zähler dieses Werbebombardement zu kontrollieren, bleibt mir nur, nach Werkzeugen zu suchen, die es mir komplett vom Leib hält: Adblocker eben.

    Noch gravierender ist aber die Tatsache, dass ich jedesmal exakt dieselbe Werbung zu sehen bekomme, wenn ich z.B. über weiterführende Links andere SPON-Beiträge öffne. Würde der Spiegel das auch in seiner Printausgabe machen? Nein, in dieser Form ist die online-Werbung auf die Dauer penetrante Belästigung. Würde man sie intelligenter, dosierter und dezenter an den Mann bringen hätte wohl niemand etwas dagegen.

  27. Was soll denn die Bitte, die Adblocker auszuschalten? Mit dem Abschalten von Adblocker allein ist SPON und Co. doch gar nicht gedient. Geld von den Werbetreibenden fließt doch erst, wenn ich auch eine Anzeige anklicke. Oder hab ich da was falsch verstanden?

    Ehrlicher wäre es also, die Besucher aufzufordern: Klickt hin und wieder mal eins der Banner an. Z.B. wenn der Artikel, den Ihr gerade gelesen habt, Euch was gebracht hat (neue Einsichten, Vergnügen, …).

    • Ähm. Danke an die Aufklärer für die Mails. Da hatte ich eine Wissenslücke.

  28. Es gäbe ja Mittel und Wege, die Adblocker-Nutzer dauerhaft von SPON zu vertreiben, wenn man sich denn trauen würde: Wird ein Adblocker erkannt, wird der eigentliche Artikel einfach nach einem Absatz von einem Layer überdeckt, der darauf aufmerksam macht, dass die Seite sich nur durch Werbung finanziert und daher der Adblocker hier ausgeschaltet werden muss.

    Die normalen Nutzer würden nichts merken, die Adblocker würden meckern und dann den Adblocker ausschalten oder aber der Seite fern bleiben. Es gäbe einen Pseudo-Shitstorm im Internet aber der geht vorüber. Meiner Ansicht nach die beste Möglichkeit.

    Im Internet funktioniert es meiner Ansicht nach nur so: Adblocker-Nutzer muss man im Zweifel mit dem Hammer darauf bringen. Einfach nur darum zu bitten, den Adblocker auszuschalten, wird nur bei den wenigsten funktionieren.

  29. Ich habe an den Spiegel (Online) und seine Mitarbeiter eigentlich nur eine Frage:

    Wenn das alles ein so großes Drama ist, wieso verteilt ihr dann kostenlose Mobile-Apps, in denen (fast?) euer gesamter Website-Content zur Verfügung steht, die aber gleichzeitig so gut wie keine Werbung enthalten?

    Gruß von einem, der SPON fast nur noch über die App liest.

  30. nein, Forderungen Werbung unauffälliger zu gestalten sind nicht bescheuert. Nehmen wir mal den klassischen Sprung zum Printmedium. Wer würde eine Zeitschrift lesen wollen, in der die Werbung blinkt? In der die Werbung sich so verhält, dass sie das Umblättern verhindert?

    Tatsächlich ist es so: solange die Werbung verhindert, dass ich den Inhalt lesen kann – und das ist es, was blinkende Werbung tut! – ist ein Adblocker Notwehr.

    Ich habe dem Aufruf Folge geleistet und Ausnahmen eingerichtet. Jede Seite, die ich jetzt besuche, bekommt erstmal eine Ausnahme und wenn sie diesen Vertrauensvorschuss nicht verbraucht, bleibt die Ausnahme auch gesetzt. Allerdings habe ich weiterhin noscript und flashblock aktiv. Damit kann ich tatsächlich die Werbung auf die Dinge beschränken, die mich nicht stören.

    Im Gegenzug bin ich durchaus bereit, Werbung die mich anspricht, mit einem Klick zu belohnen und evtl. sogar etwas aufgrund eines Werbebanners zu kaufen.

    Ich bin lange ohne Adblocker und Co im Internet unterwegs gewesen. Und ich täte es auch gerne wieder, wenn es denn möglich wäre. Aber derzeit ist es das nicht. Vielleicht kapieren es die Werbeauslieferer langsam, denn Lernfähigkeit scheint ja nur auf die harte Tour erzielbar zu sein.

  31. Ich hab den „flattr“-Button bei Spon gesucht, aber nicht gefunden.
    So dringend kann es mit den kleinsten Beträgen also wohl nicht sein.

    „Forderungen, Werbung unauffälliger zu machen, sind übrigens schlicht bescheuert. Wer so etwas fordert, hat nicht begriffen, worum es bei Werbung geht.“
    Danke. Das war genau meine Idee. Und genauso bescheuert ist dieses armselige Rumgeflenne. Normalerweise ist das nicht meine Wortwahl, aber wenn man sich mit einem gestandenen Journalisten auf Augenhöhe duellieren will, muss man anscheinend schon mal ein paar Stufen hinabsteigen. ;)

    Es ist eben nicht ein bisschen „Bling-Bling“, sondern es sind schwurbelnde Grafiken, die einen vom Inhalt so ablenken, dass der Inhalt zweitrangig in der Wahrnehmung wird. Dass einem Redakteur, der vielleicht auch mal ein bisschen stolz auf seinen Text sein darf, das egal ist, lässt tief blicken. Es sind Overlays, deren Schließ-Kreuzchen so versteckt ist, dass ich entweder übermäßig lang danach suchen muss, oder den Text des Redakteurs eben nicht lese. So wichtig, dass ich ohne ihn nicht leben kann, wird er schon nicht sein.

    Wenn die Verlage es also nicht schaffen, eine gewisse Schmerzgrenze zu unterschreiten, dürfen sie sich auch nicht wundern, wenn sie immer weniger Resonanz finden. Ist halt so. In meinem Job gibt es auch keine immer währende Daseinsberechtigung.

  32. „den Verkauf dieser Daten?“

    Kein Profiler verkauft seine Daten, wäre so als wenn Mercedes sein Werk verkauft. Aber das die Verlage das Internetz nicht verstanden haben, und immer noch versuchen, ihr altmodisches Geschäftsmodell durchzusetzen, ist nicht neu. Nur das die Terrorkopierer nach dem erzwungenen Sinneswandel der Film und Musik Industrie nicht vor der Verlagsbranche haltmachen. Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.

  33. Ich hatte bis geradeeben KEINEN Adblocker. Ich habe ihn mir jetzt installiert. Aus Neugier. Wow, deutlicher weniger Bling Bling. Danke für den Hinweis.

  34. Und wo ist das verlagsübergreifende Micropayment-System. Ich will gerne bezahlen für einzelne Artikel von Medien, die sich ihren guten Ruf hart erarbeitet haben und tatsächlich noch Journalismus bieten. Warum kann ich nicht ein paar Cent pro Seite zahlen, ohne ein Abo abzuschließen. Ich will nur DEN Artikel lesen. Und wenn mir der gefällt, will ich noch Dutzende davon lesen und bezahlen.

    All die Jahre macht Apple vor, wie das funktioniert mit den kleinen Beträgen. Und wieviele Menschen gerne mal nen paar Groschen ausgeben, aber eben keine Jahresabos für 2-3stellige Summen abschließen wollen.

    Was machen wir Leser falsch, wenn Ihr unser Geld nicht wollt?

  35. Und dass sich die einzelnen Betreiber der Websites nicht auf irgendein Verbundmodell einigen können, bei dem z.B. 5 Artikel pro Website kostenfrei sind und der Rest dann über ein gemeinsames Nutzerkonto bezahlt wird ist ebenfalls nicht mein Problem. Aber ich kann mir auch vorstellen, wie das dann ausgeht: Da Fair Use in Deutschland nicht bekannt ist wird dann einfach jeder Satz eines Artikels auf eine Seite einer Klickstrecke verteilt und damit das Verbundmodell gesprengt. So wird ja momentan auch versucht, die Werbeeinnahmen zu maximieren. Auf Kosten der Leser.

  36. Zunächst möchte ich mich herzlich für die Versachlichung der Debatte bedanken, die du erreichst, indem du mich als bescheuert bezeichnest: Vielen Dank.

    Kommen wir zu einigen Punkten:

    1. Ich habe nicht darum gebeten, dass diese Seiten vermeintlich kostenlos sind. Niemals. Wirklich nicht.

    2. Ich habe z.B. zeit.de im Gegenteil mehrmals darum gebeten, dass ich für deren Website bezahlen kann. Ohne Reaktion.

    3. Ich habe sogar ein elektronische Abo der ZEIT abgeschlossen, welches ich nicht lese, bloß um irgendwie, vielleicht anteilsmäßig, für diese Website bezahlen zu können. Die natürlich weiterhin Werbung enthält. Die ich per Ad-Blocker unterdrücke. Wofür mich – den zahlenden Abonnenten – zeit.de jetzt anmault.

    4. Sowohl der gedruckte Spiegel als auch spiegel-online.de werden für ihre Kunden gemacht. Die Kunden sind die Firmen, die die Werbung schalten. Nicht die Leser. Es ist wirklich nicht meine Schuld, dass die Website vermeintlich kostenlos und der gedruckte Spiegel für einen Betrag angeboten werden, der Werbung erforderlich macht. Das ist Eure Entscheidung. Nicht meine.

    5. Im gedruckten Spiegel kann ich Werbung leicht genervt überblättern. Im Online-Spiegel wird der Blickfokus durch das Gezappel auf die Banner gelenkt. Weg vom Inhalt, den ich lesen möchte. Und da sich eure Flash-Werbung am Flash-Blocker vorbei mogelt, muss halt der Ad-Blocker ran. Diese Werbeform habt ihr ausgewählt, genauso wie ihr euch dafür entschieden habt, dass offensichtlich die Werbung relevanter ist als der Inhalt, indem ihr versucht, meinen Blick vom Content zur Werbung zu ziehen. Dagegen wehre ich mich.

    6. Es wäre ein total knuffige und neue und visionäre Idee, wenn der Leser als Kunde betrachtet werden würde. Wenn ihr einmal kommunizieren würdet, wie viel Geld ein Besucher der Website „erwirtschaften“ muss, damit die Website keine Werbung mehr für diesen Benutzer anzeigen muss, anstelle immer zu behaupten, dass keiner bezahlen würde. Es ist natürlich total leicht, das zu behaupten, wenn man gar keine Bezahlmöglichkeit anbietet und nur sieht, dass sich die Leser gegen die Werbung wehren.

    7. Und, ganz nebenbei, könnte man dann auch die Bestandteile der Seiten, die nur vorhanden sind, um mehr Werbeanzeigen anzeigen zu können, entfernen, z.B. die Foto-Klickstrecken. Das spart Arbeitszeit ein, somit also Geld.

    8. Da der Leser momentan kein Kunde ist müsst ihr Werbung schalten. Das ist in sich logisch, aber eure Entscheidung. Damit eure Kunden zufrieden sind muss als der Leser ertragen, dass ihr die Artikel schwieriger lesbar macht. Auch soweit logisch. Aber muss ich das als Leser ertragen?

    9. Werbung muss auffallen. Natürlich. Das muss sie sowohl im Print als auch im Web. Weshalb sich die Werbung dafür allerdings bewegen muss und sich die Hintergrundfarbe, die euren redaktionellen Inhalt umgibt, ändern muss, dass ergibt sich daraus nicht zwangsläufig. Das macht ihr bei der Print-Werbung nämlich nicht. Es ist eure Entscheidung, diese schrillen Werbeformen online zuzulassen und im Print nicht. Und ja, auch im Print wären Animationen möglich (gibt ja diese Kipppostkarten) und bewegliche Elemente, auch mit Geruch könnte gearbeitet werden, wird nur fast nie gemacht).

    Fazit: Bitte bitte bitte betrachtet mich als Kunden und nicht die Werbeindustrie. Bietet mir die Möglichkeit an, einen Preis für die Website zu bezahlen. Denkt endlich anders.

    Wie das funktionieren könnte sieht man z.B. bei der New York Times. Auch die Welt geht diesen Weg.

    Aber bitte hört auf mich anzuschnauzen, bloß weil ich mich dagegen wehre, dass ihr verhindert, dass ich euren Inhalt lesen möchte und nicht eure Werbung.

    Oder steckt dahinter ganz einfach Angst? Angst, dass der Content, den z.B. Spiegel Online anbietet, nur als Pausenfüller verwendet wird und dafür niemand bezahlen würde? Das ganz Spiegel Online nur eine riesige Website zur Zeitverbrennung ist, die nur funktioniert, weil sie vermeintlich kostenlos ist? Möglicherweise. Aber auch das wäre Eure Entscheidung.

  37. Ok, valide Punkte.
    Zwei Dinge: Was ist mit Tracking? Wenn ich mit Ghostery etwa auf SpOn gehe, dann ist die Liste ziemlich lang. Und damit wird alles andere als transparent umgegangen.
    Zweitens: Wer schützt Nutzer vor Missbrauch? Ich rede nicht von schlechter Werbung, sondern von schlecht geschützten Werbeservern. Es kommt immer wieder vor, auch bei großen Seiten, dass die Werbeserver geknackt werden und Malware ausliefern, ein Beispiel etwa hier: http://www.wired.com/threatlevel/2009/09/nyt-revamps-online-ad-sales-after-malware-scam/

    Ich hab kein Problem damit, für gute Inhalte mit meiner Aufmerksamkeit zu zahlen (nichts anderes ist ja Werbung) aber ich habe etwas dagegen, wenn mein Surfverhalten von den unduchsichtigen Werbeabteilungen von Verlagen ausgewertet wird oder ich mir Malware einfange (auch wenn ich dagegen natürlich meinen PC schütze, aber nicht jeder denkt soweit).

    Tatsächlich würde ich es begrüßen, wenn mehr Zeitungen einen Paywall hochziehen. Wenn sie es dann noch schaffen, einen gemeinsamen Bezahlweg zu finden, dann wäre ich sofort dabei.

  38. Ich surfe seit Jahren mit Adblockplus. Davor hatte ich nen Webwasherproxy und davor hatte ich meine Hosts-Datei entsprechend angepasst. Diese Arbeit habe ich mir gemacht, damals- weil Werbung mich immer gestört hat. Und ja, ich schalte auch Werbung bei mir im Blog. Wenn dabei also was rumkommt, ist das ein netter Bonus.

    Das Problem ist doch hier ein ganz anderes. Es werden großflächige Body-Background-Anzeigen geschaltet. Es gibt dutzende Flash-Teile, es gibt jede Menge doubleclick-Kampagnen…

    Sowohl bei Golem, als auch bei Spon und Faz wurde vorgeschlagen, dass hier doch „eigene“ Adserver verwendet werden sollen. Das würden die User akzeptieren. Davon mal abgesehen, würde hier dann Werbung angezeigt werden, da hier der Werbeserver nicht schon in der Blacklist von Easylist usw. drin steht.

    Keine Ahnung. Vermutlich ist „Werbung“ so wie’s jetzt gerade läuft einfach nur falsch und veraltet. :/

  39. Die Verlage, die seit 20 Jahren Geld ins Internet stecken. Jaja. Ich gehöre zu dem kleinen Verlag, der seit 20 Jahren Geld im Internet verdient – und das trotz Gratiskultur, Social-Media-Hype und den Millionenbudgets der Großverlage, die uns kleine Verlage ja immer gerne plattmachen. Also: Es geht. Es geht nur nicht so, wie es die Grossverlage (von mir aus seit 20 Jahren) versuchen: Printanzeigen in Banner packen und das ganze auf eine Website kleben. Und davon möglichst viele, viele. Internet ist inzwischen Nutzergetrieben und nicht Verlegergetrieben. Und deswegen müssen sich die Verlage nach den Nutzern richten. Und nicht mehr umgekehrt. Und wenn ihr zuviel eklige Werbung auf eure Seiten klebt, bleiben die Leute halt weg.
    (Das taten sie bei uns übrigens auch, als wir das mit den Popup-Bannern probiert haben. Zu unserer Ehrenrettung: Das war 1998, wir waren jung und brauchten das Geld. Aber wir haben es dennoch schnell wieder gelassen….)

    • Aber wie funktioniert es denn dann? Das würde mich ehrlich interessieren. Gern auch nur in groben Umrissen.

    • Danke für diese Replik. Treffender kann man es nicht kommentieren.

      Ich komme von der „anderen Seite“ und weiß wie schwer es ist, Kunden von neuen und innovativen Vermarktungsformen zu überzeugen. Die furchtbaren zuckenden Blöcke sind einfach nicht tot zu kriegen. Leider. Nicht zuletzt dank mangelnder Alternativen der Vermarkterplatformen

      Btw, im Netz beruflich aktiv seit 1997.

      • Haha, „ibusiness“, die spammen mich heute noch täglich mit zig „Newslettern“ zu, weil ich 2001 mal in einer Veranstaltung war und wohl leichtsinnigerweise meine Adresse hinterlegt habe.

        Die Furunkel am Hintern des Internets.

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