Nicht durcheinander: pünktliche Erleuchtung

„Machst Du bitte ein Feuer an?“, fragte mich mein Schatz gestern Abend, was mich persönlich ein bisschen aus dem Tritt bringt. Zum einen, weil ich im Juni nicht unbedingt auf die Vorhaltung von Brennstoff gepolt bin (die letzte Heizperiode war lang, im Holzständer herrscht tabula rasa), zum anderen, weil das meinen Biorythmus quasi empört. Wir nähern uns dem Juni-Ende, heute Abend wollen wir auf ein Open-Air-Konzert, und laut Wettervorhersage erwarten uns da 14 Grad, abfallend auf 13. Dafür gibt es immerhin eine 15-prozentige Chance, dass wir nicht klatschnass werden. Irgendwie lustig, nur auf Dauer nicht: Wenn ich das gewollt hätte, wäre ich mit 20 Jahren nach Neufundland ausgewandert. Liegt geografisch übrigens auf unserer Höhe, kann also noch werden.

Tief verborgen in der letzten Ecke des geräumten Holzständers lagen dagegen die frischen Schnitte des Maibaums, den wir gerade erst zerlegt haben. Birke, stand geschnitten 5 Wochen aufrecht und taugt daher zur Not auch schon für ein abendliches Feuer. Birke brennt ja immer.

Nicht immer brennen hingegen unsere heimischen Leuchtkäfer, vulgo Glühwürmchen. Die, erklären mir Wikipedia und andere Quellen, leuchten in unseren Breiten fast ausnahmslos im Juni, Juli, August und zwar von der „dritten Junidekade“ an. Gestern war der 23. Juni, und auf dem Weg zum Holzständer begegneten mir gleich fünf der Tierchen. Pünktlicher geht es nicht, Wetter hin oder her. Sieht so aus, als verbuchte Lampyris noctiluca den Wetterunsinn noch als Kapriole innerhalb der jahreszeitlichen Toleranzen. Meine sind da weniger ausgeprägt, aber ich werde versuchen, mir daran ein Beispiel zu nehmen.

Lampyris noctiluca: Ein Glühwürmchen mit einer Digitalkamera mit Autofokus zu fotografieren, ist gar nicht so einfach. Die Kamera hat nichts, worauf sie fokussieren kann. Hier sieht man zumindest, dass es manchmal besser ist, die Dinge im Dunkeln zu belassen: Als grün strahlender Punkt in der Nacht ist Lampyris eine Schönheit. Im Blitzlicht eher nicht.