Böse Basis: Kein Vertrag?

In der Parteispitze der SPD, habe ich gerade gelesen, wachse die Angst davor, dass die Basis nicht gehorsam folgen und die Koalition mit den C-Parteien verweigern könnte.

Schon blöd, so eine Basis. Wäre ja was ganz Neues, wenn die Obergurus den Kurs nicht einfach vorgeben könnten.

Aber was ist das für eine Haltung, wenn eine Parteispitze Schiss davor hat, herauszufinden, dass ihre Mitglieder ihr nicht „folgt“? Ich finde das reichlich schräg. Was die Partei ausmacht, ist nicht die Spitze, sondern ihre Basis. Deren Wille sollte zählen. Also sollte gelten, dass die Spitze im Zweifelsfall zu tragen hat, was die Partei beschließt: Es wäre die einzig logische, demokratischen Kriterien genügende Form der „Parteiräson“.

Ich glaube, dass es dieser SPD wirklich gut tun würde, wenn ihre Basis den Vorstand in der Koalitionsfrage richtig kräftig vor die Wand laufen ließe. Es wäre eine demokratische Entscheidung, und eine Demonstration von Profil und Eigenständigkeit für ihre Wählerschaft, die die Konturen dieser Partei kaum noch erkennen kann. Es wäre auch deshalb für die Partei die richtige Entscheidung: Wenn die SPD auch nur hoffen will, wieder ein eigenes erkennbares Profil zu entwickeln, dann bestimmt nicht durch einen Schmusekurs mit der CDU/CSU in einer gemeinsamen Machen-wir-halt-so-weiter-Regierung.

Ich hoffe, dass die SPD-Basis Mumm, Zähne und Rückgrad zeigt. Es würde mir als Wähler zeigen, dass da vielleicht doch noch Leben drin ist. Vielleicht fände sie dann auch noch irgendwann die Kraft, sich inhaltlich ins 21. Jahrhundert aufzumachen.

Aber wahrscheinlich ist das naiv.