Theatrophone und Co: Das viktorianische Kabelradio

Werbeplakat für den Pariser Theatrophone-Dienst, Jules Cheret, 1890

 

Einestages, inzwischen integraler Bestandteil von SPIEGEL ONLINE, hat heute eine sehr kondensierte Version meiner Telefonmusik-Histörchen über die ersten Musikabrufdienste  gebracht. Auch hier zeigte sich, dass Spaßanwendungen vor Nutzanwendungen kamen. 40 Jahre nach Vorstellung der ersten funktionierenden Telefone hatte man es noch nirgendwo auf der Welt geschafft, einen Markt für Sprech-Telefonie zu schaffen. Als dann aber um 1890 einer auf die Idee kam, Telefone zur Musikübertragung zu benutzen, wurde das umgehend zu einem geschäftlichen Erfolg.

Diese Ur-Radiodienste in Paris, London, Budapest, später Rom und Mailand, Berlin und weiß der Kuckuck wo noch, sammelten innerhalb von zwei, drei Jahren mehr Kunden, als Telefonnetze das in rund fünfzehn Jahren geschafft hatten. Obwohl diese Kabelradiodienste auf die großen Städte beschränkt blieben, wurden sie nicht nur zu Wegbereitern der Telefonnetze, sondern auch des rund 30 Jahre später folgenden Rundfunks. Verblüffend, wie viele Pioniergeschichten vergessen wurden, weil sie vermeintlich nicht bis in unsere heutigen Tage hinein trugen.

Beim Kabelradio, teils mit integriertem Musik-on-demand-Dienst per Telefon, ist das sogar ein echter Irrtum: Das italienische ÖR-Rundfunknetz RAI ging direkt aus so einem Telefonmusikdienst hervor.

Hier kann man den Artikel lesen, der einen Überblick über die wichtigsten europäischen und amerikanischen Kabelradiodienste bietet.