My Playlist (XI): Sneaker Pimps

Es gibt eine Menge One-Hit-Wonder, Gruppen, die genau einen Hit abliefern und dann nie wieder was. Die Sneaker Pimps, deren Debut „Becoming X“ 1998 erschien, schrappten knapp an dieser Kategorie vorbei. Sie lieferten genau keinen Hit im eigentlichen Sinn ab, dafür aber vier, fünf Songs, denen man im Radio vor allem Nachts über Jahre hinweg immer wieder begegnete. Im Grunde war ihr Debutalbum durch und durch stark und absolut auf der Höhe der Zeit: Nah genug am Mainstream, um punkten zu können, und genügend schräg daneben, um als Indie durchzugehen. Ein Kritikerliebling.

Und ein Album, dass letztlich ein schräges Bild auf die eigentlich als Triphop-Projekt konzipierte 2-Mann-Kapelle warf. Chris Corner und Liam Howe hatten sich nur eine Sängerin an Bord geholt, um die Sounds etwas abzusoften. Was stattdessen passierte war, dass diese Kelli Dayton mit ihrem zeittypischen Schmutziges-Mädchen-Sexappeal den Sound völlig dominierte – man nahm vor allem sie wahr.

Das erkannten auch Howe und Corner – und warfen die Sängerin, die heute als Kelli Ali unterwegs ist, kurzerhand hinaus, statt an den Erstlingserfolg anzuschließen. Das Resultat war, dass den Folgeplatten, die ich persönlich als zu Schilli-schalli empfinde, für viele Hörer, die die Pimps vor allem mit der weiblichen Stimme Daytons verbanden, etwas fehlte. Das teilt die Geschichte der Band in ein vorher und ein nachher – und das bezieht sich auch auf ihre Zielgruppe: In Rückschau ist Becoming X eher eine Dayton-Scheibe und bricht deutlich weg von dem, was die Pimps später (mit weiterhin moderatem Erfolg) ablieferten.

Aber was soll’s? Becoming X höre ich ab und zu heute noch gern, besonders auf Autofahrten. Es ist eines der rundesten Debutalben, das ich kenne. Kein einziger wirklich schwacher Song, alles aus einem Guss und doch abwechslungsreich – ein Eleven-Song-Wonder, purer Pop.

Hier ein ganz seltenes Fundstück: Eine Liveaufnahme von „6 Underground“ aus dem britischen Fernsehen, performed und gesendet ein paar Monate vor Erscheinen des Albums – da ist manches noch nicht fertig. Ausproduziert kam das alles natürlich viel, viel gelackter herüber.

Spotify hat das Album. Meine persönlichen Favourites sind dabei die zwei bei Spotify unpopulärsten Titel „Wasted Early Sunday Morning“ und „Walking Zero“. Vor allem letzteres ist eigentlich ein Song, der auf Drama angelegt ist (man stelle sich vor wie einer dieser Sing-Frösche der Anastacia-Liga sowas singen respektive brüllen würde), stattdessen wird bei Dayton pure vertonte Melancholie daraus. Schön.

Wer das Album kaufen möchte, ist gut beraten, das in England zu tun (z.B. einfach via Amazon UK): Der deutsche Preis liegt bei 20 Euro, in England läuft die Scheibe für knapp unter 10 Euro. Selbst mit Porto ist das billiger. Gebraucht ist sie preiswerter zu haben.