My Playlist (XII): Sex, Leidenschaft und Weihnachten

„Das ist schön“, sagt Petra zu mir, „das gefällt mir echt. Obwohl das ein Kirchenlied ist, oder?“

Es ist eine Geburtstagsfeier im Advent, und irgendwann ist einer darauf gekommen, eine Playlist mit Weihnachtsliedern über die Boxen zu schicken. Die unvermeidlichen Wham bringen ihr englisches Äquivalent eines Weihnachtskarnevalssongs, Maria Carey beweist, dass nicht nur Marianne Rosenberg auch ineinander verliebten Männern aus dem Herzen singen kann und jetzt läuft – ein wunderschönes Missverständnis:  „Hallelujah“, geschrieben von Leonard Cohen, doch wir hören die Version von Rufus Wainwright.

„Nicht ganz“, antworte ich also, „da geht es auch um Leidenschaft und Sex und das Zerbrechen einer Liebe.“

Petra ist nur eine Sekunde perplex, dann lacht sie und prustet: „Upps! Knapp daneben.“

Oder auch nicht. Bei Wainwright gipfelt die Leidenschaft im Hallelujah, und wo die nicht mehr ist, ist sie „ein kaltes und gebrochenes Hallelujah“.  Gefühl, sagt das, wächst nicht aus Glaube, Überzeugung oder Prinzip, sondern aus Beziehung. Was das von einem herkömmlichen Weihnachtslied unterscheidet, ist eigentlich nur die Ehrlichkeit. Denn in seiner Bitterkeit schmeckt Wainwright vergangener Süße nach: Das ist im besten Sinne des Wortes rührend und hat das Potential, Menschen zusammenrücken zu lassen.

Also: gerade DAS ist ein Weihnachtslied: