Ach, muss Liebe schön sein!

Oksana schreibt mir, fast jeden Tag.

Wir kennen uns nicht, aber wenn es nach ihr geht, wird sich das ändern. Denn sie ist einsam. Und schön. Und sie weiß, dass Männer in meinem Land „einer Frau mit Schatzung aufnehmen“, sagt sie. Weshalb sie einen Mann draußen in Ihre Land sucht, irgendeinen. Mir, zum Bleistift.

Sie ist ein ehrliches Mädchen, sagt sie, und „traumt von ersten Beziehung“. Heißt das, dass sie noch nie eine hatte? Oder meint sie „ernst“? Ach ja, weiter unten steht es ja: „Vor einem Jahrhabe ich meine Beziehungen aufgehort“.

Ein Jahr Zölibat, sozusagen. Also ernst: „Spielen ist nicht fur mich“, schreibt sie ja auch, und „falls du auch reputabel bist und dich um desselben muhst, dann werde ich mich Brief freuen“.

Muhen.
Muht der Bauer vergnüglich „Zaster!“, naht Oksana mit Umzugslaster?
Des Muhen Lohn ist … ?

Keine Ahnung. Ich bin ja kein Ochse.

Apropos: Welcher Ochse fällt auf so einen Mist herein? Seit satt fünfzehn Jahren und mehr schicken uns Spam-Produzenten aus Nigeria und Russland diese hirnfreien Lockmails ins Postfach, und immer noch wird der Käse mit Google Translate angerührt. Da ahnt man die Gründe der elenden Arbeitslosigkeit, die Oksana (männlich, 42 Jahre, Bart, Bauch und Bierflasche) in den Trickbetrug treiben. Angeblich klappt das sogar ab und an. Interpol meint, die machten wirklich Geld damit.

Wenn das mal kein Zeichen – ach was: ein Fanal! – für die stetig sinkenden Qualitätsansprüche des Internet-Publikums ist. Für Medienmenschen, nach mehr als einem Jahrzehnt Dauerkrise ja generell ständig in Job und Existenz bedroht, tun sich da ganz neue Betätigungsfelder auf. Man stelle sich mal vor, wie der Rubel rollen würde, wenn diese Mails verständlich wären!

Aber vielleicht ist es ja gerade das Rätselhafte, was uns da so fasziniert.
„Ich warte gern deinen Mittelung“, schreibt Oksana am Ende: „Liebe GruBe.“

Ich auch, Oksana, ich auch. Und von mir aus auch gern in der Grube.
Nur wer da gemittelt werden soll, ist mir rein grammatikalisch nicht ganz klar. Klingt mir jedenfalls zu drastisch.

So ehrlich sie auch ist, irgendwie ist meine Oksana eine gespaltene Persönlichkeit.