FDP: Wiedergänger oder geht es wieder?

Gestern Christian Lindner im Radio gehört. Beschwor eine Zukunft für die FDP: Als Partei mit Bürgerrechts-Orientierung. Als liberales Korrektiv.

Ja, da war mal was. Die Zahnärzte-, Aktienbesitzer-, Finanz- und Industrielobby FDP besaß mal so etwas wie einen liberalen Flügel. Leute wie Sabine Leutheusser-Schnarrenberger oder Gerhart Baum setzten Standards, was Integrität und die Verfolgung ideell begründeter Positionen in der Politik anging. Doch auf der anderen Seite des FDP-Spektrums machten zeitgleich neoliberale Flachpfeiffen die Partei für normale Menschen ohne Kapital-Lobbyinteressen unwählbar. In einer Welt, in der die Parlamente von Industrie- und Reichen-Lobbyisten belagert werden, braucht man die nicht auch noch im Plenum oder der Regierung: Der Niedergang der FDP war die verdiente Quittung für ihre Klientelpolitik.

Und jetzt? Habe sich die FDP ihres liberalen Wesenskerns erinnert, war Lindners Rede zu entnehmen.

Schön wär das ja. Um Bürgerrechte und darum, einen immer neugierigeren, restriktiveren Staat im Zaum zu halten, kümmert sich derzeit wahrlich niemand. Fast unisono stützen die Parteien den Trend zum „starken Staat“. Aber ist ein immer mehr an Polizei, Überwachung, Verboten etc. wirklich ein Zeichen der Stärke? Es zeigt vor allem Angst, die klar erkennbar überproportional ist.

Ist das also nun die Nische der FDP? Das müsste sie erst einmal beweisen. Ihre Vergangenheit spricht leider nicht dafür: „Liberal“ war für die Gelblinge bisher stets der Mantel, mit dem sie ihre Klientelpolitik verdeckte. Wenn sich das ändern würde, wäre es hoch willkommen. Wenn nicht, kann sie von mir aus gern endgültig in der Versenkung verschwinden.