Dichter und Denker: Was anderes haben Sie nicht?

Ich habe in den letzten Jahren lernen müssen, Bücher wegzuwerfen.

Ernsthaft, mir fällt das unfassbar schwer. Ich habe seit Kindertagen gesammelt, bis sich die Regalböden bogen. Und dann kommt mein Schatz und sagt:
„Wofür?“

Und ob ich das nochmal lesen werde.
Und wer das sonst lesen soll.
Und ob das dann andere entsorgen müssen, wenn ich nicht mehr kann.

Gut, dachte ich, probier das mal. Und versuchte, zunächst einnmal meinen ansehnlichen Fachbücherbestand aus Studientagen an dankbare Studenten zu verschenken.  Ich fand nur keine. Auch zwei Bibliotheken, die ich kontaktierte, winkten höflich ab. Bis Bätschelööör reicht heute Wikipedia, und darüber hinaus wird es so spezialisiert, dass es eh nicht in meinen Büchern steht.

Also weg damit. Und dann auch gleich die uralten Jugendbücher. Science Fiction, vergilbt. Machwerke, deren Qualität für mich durch Perspektivenänderung gelitten hat: Herr der Ringe? Mit 25 noch cool, mit 52 nur noch pathetisches, martialisches Männerfreundschafts- und Mord-Geschwurbel. Weg damit.

Was aber nicht unbedingt gleich Tonne heißt.

Seit zwei Jahren lassen wir unsere Bücher gern auch frei: Wir stellen sie aufs Mäuerchen im Vorgarten und sehen zu, wie die Zahl abnimmt. Das ist schöner, als wegzuwerfen, und es ist zudem echt lehrreich. Wenn man das regelmäßig macht, kann man auch auf der kaufmännischen Seite im Verlagsgewerbe anheuern: dann kennt man sich aus.

Am Donnerstag letzter Woche trug ich wieder einen dicken Stapel zum Mäuerchen. Am Samstag waren dann noch rund ein Dutzend Bände übrig.

Auftritt: Nachbarin, fünf, sechs Häuser Straße hinab. Führt ihren Hund aus. Sie grüßt, ich grüße: Bin gerade beim Rasenmähen.

Sie: „Was haben Sie denn da wieder Feines?“
Ich: „Leider nur noch Literatur. Alles Seichte war rack-zack weg.“
Sie: „Oh, schade. Ich suche gerade was Leichtes.“

Wir grüßen, sie geht.

Am Dienstag trug ich die restlichen Bücher zur Papiertonne: Alles Suhrkamp und Bibliothek der Süddeutschen.
Sammlerwert bei Amazon:  1 Cent plus Porto.

Alles anspruchsvoll, wie man sagt.
Sprach aber niemanden an.

Eine Antwort auf „Dichter und Denker: Was anderes haben Sie nicht?“

  1. oh, das Problem kenn ich. Ich habe auch schon diverse Bücher frei gelassen, im Flugzug, im Zug, mitten in Nizza, in Hotelzimmern, an eine Bekannte aus dem Dorf, deren Familie viel und gerne liest, an Freunde, die zu Besuch sind. Wegwerfen fällt mir ganz schwer, nur grottenschlechte Bücher, ein Sachbuch, das einen lebensgefährlichen (ok, zumindest für ein krankes Pony) „Tipp“ enthielt, alte Reiseführer und ähnlich verderbliches. Die Regale sind trotzdem übervoll, von vielem will man sich ja auch einfach nicht trennen, aber gerade Krimis, die man nie wieder lesen wird, die kommen in die Freiheit, irgendwie, aber, ausser wie gesagt, sie sind unterirdisch, nicht in den Müll. Zumindest noch nicht. Verbrennen hätte wenigstens noch einen wärmenden Nutzen, aber des geht nunmal sowas von garnicht nicht. Und e-books…. Ach, ganz toll, wenn man die Lesebrille vergessen hat und sich noch im Zug was aufs Eipäd laden kann, aber sonst. Ach, ich weiss nicht. Ein weites Feld, Andererseits habe ich die Bücher, die mein Vater geschrieben hat, zum Teil für 1 Euro plus 3 euro Versand antiquarisch gekauft, ich verschenke sie bei passenden Gelegenheiten, weil ich eben nicht will, dass sie lieblos entsorgt werden. Ich bin schliesslich in einem der Bücher quasi das letzte Kapitel. Will damit sagen, Bücher loszuwerden ist wirklich komplex, sehr komplex. Frank, brauchst Du noch das eine oder andere? Ich hätte da noch diverse Krimis, gute…..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.