Stumm? Manchmal gut.

Ich hadere mit den Konzepten von Öffentlichkeit und Privatheit. Ich bin Jahrgang 1963, und für jemanden meiner Generation bin ich relativ aktiv im öffentlichen Raum der Social Media. Bei Facebook poste ich seit 2008 regelmäßig unter eigenem Namen, in anderen sozialen Netzwerken nutze ich Pseudonyme (die Zugänge habe ich nur, weil ich sie beruflich brauchte: Twitter und Co interessieren mich privat nicht).

Über SPON und einige wenige andere Webseiten habe ich in den letzten 24 Jahren etwas über 5400 Artikel, News, Kommentare etc. veröffentlicht, bei Facebook dazu vielleicht nochmal 1000 Statements abgelassen. Was man in all diesen Dingen aber so gut wie nicht findet: etwas Persönliches. Bis meine Kinder in den 20ern waren, habe ich sogar ihre Namen verfälscht.

In den letzten Monaten war ich stumm, weil zu viel Privates passiert ist. Ich erzähle das nicht. Zugleich spüre ich einen seltsamen Zug, wenn ich sehe, dass ich bei Facebook über Wochen nichts poste oder dieses Blog über Monate nicht pflege. Es ist ein medieninhärenter Druck, sich öffentlich zu machen. Es fühlt sich mittlerweile falsch an, nichts von sich zu geben.

Aber wozu sollte ich das tun? Ich beobachte, wie um mich herum Menschen das Web als Resonanzraum nutzen, wie sie Beistand, Mitleid oder auch Mit-Freude induzieren, indem sie sich emotional nackig machen. Ich verstehe das prinzipiell, kann das aber nicht. Ich folge auch nicht den unzähligen Aufforderungen von Facebook, irgendwelchen Unbekannten zum Geburtstag zu gratulieren. In einem Restaurant, auf der Straße, in einer Kneipe tue ich sowas, wenn ich so etwas mitbekomme, aber bei Facebook?

Ich unterscheide noch immer zwischen Web und Real Life, obwohl ich nun seit mehr als der Hälfte meines Lebens mit dem Internet arbeite. Es sind unterschiedliche Räume für mich, unterschiedliche Lebensbereiche.

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