Die ganze Welt ist eine kognitive Dissonanz

Facebook wird zum virtuellen Herdfeuer, an dem sich die versammeln, die sich nah fühlen, aber es nicht sein können. Kurz vor Mitternacht hatte mein Freund Gerrit eine Nachricht veröffentlicht, die  viele erschreckte.

Er schrieb:

 

Es folgte eine rührende Welle der Solidarität. Gerrit ist Risikogruppe, wir wissen das alle. Am Mittwochmorgen meldete er sich noch einmal: „Danke meine Lieben, das tut uns gut. In der Leitstelle in München gehen pro Tag 4.000 Anrufe ein, alles ist völlig überlastet und sich zu testen lassen fast unmöglich. Wir schaffen es jetzt über persönliche Kontakte zu Ärzten auf einem Parkplatz. Wenn man bedenkt, dass das erst der Anfang ist, fühlt es sich sehr beklemmend an.“

Ganz plötzlich wird Corona persönlich. Im Radio sagt eine Siebenjährige: „Ne, Angst hab‘ ich nicht, ich bin ja immun. Ich kann das gar nicht kriegen.“ Die Sonne scheint an diesem Mittwoch, 18 Grad, die Straße ist voller immuner, spielender Kinder. Ich erschrecke über mich selbst: spielende Kinder, spüre ich, sind jetzt bedrohlich.

Noch ein Blick auf Facebook. Ein örtliches Tatoo- und Piercingstudio jubelt: „Das Ordnungsamt der Stadt Siegburg war eben vor Ort und hat uns mitgeteilt, dass wir regulär geöffnet haben dürfen, da wir unter hohen Hygiene-Standards Arbeiten!“

Super. Die ganze Welt ist eine kognitive Dissonanz.

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