Streep!

Sport und Entertainment, glauben manche, sollten frei von Politik sein. Man reduziert sie damit auf ein nur vermeintlich apolitisches  „Brot und Spiele“, auf Massen-Bespaßung, die gern auch ablenken darf von den finsteren Dingen. Schon die Nazis wussten, wie viel das wert ist – und förderten und finanzierten das ablenkende Spektakel nach Kräften. Sie hatten verstanden, dass ein Schweigen der Multiplikatoren wie Propaganda für die wirkt, die man unwidersprochen laut sein lässt.

Wie das besser geht, zeigte Meryl Streep bei den Golden Globes 2017. Die sind einer dieser Events, mit denen sich die Entertainment-Industrie selbst feiert. Normalerweise prallvoll mit cool, love, love you all, great, super, spitze, toll.

Dieses Jahr war das anders: Nicht nur Streep nutzte diesmal die große Bühne (zumindest Teile der Show erreichen jedes Jahr mehrere Hundert Millionen Menschen ), um politisch Farbe zu bekennen, indem sie Anstand, Würde und Werte beschwor. Und sich klar gegen das Gegenteil positionierte, verkörpert durch Donald Trump.

Zurzeit geht ein 45-Sekunden-Zusammenschnitt ihrer deutlichsten Statements „viral“, vor allem bei Facebook. Ich finde, solche Sachen sollte man nicht aus ihrem Kontext reißen: Es lohnt sich, sich die ganze Rede anzuhören. Mehr Rückgrad sieht man auf solchen Promi-Parties selten. Siehe oben.

Manchmal muss man weitergeben, oder?

Hat was. Simon Sinek gehört zu den prominentesten Unternehmensberatern der Welt. Seine Perspektiven sind aber anders als in diesen Kreisen sonst üblich. Sie kommen nicht – wie sonst viel zu oft – aus dem Marketing-Baukasten, sondern sind wirklich beobachtend analytisch.

Der Mann ist Kulturanthropologe, kein BWLer: Entsprechend analysiert er menschliches Verhalten auch in Bezug auf das Arbeitsleben eben nicht vom wirtschaftlichen, sondern vom menschlichen Aspekt her. Hier erklärt er die Macken der Millenials als fast zwangsläufige Folgen von Fehlerziehung, der Vermittlung falscher Selbstbilder und der unhinterfragten Übernutzung adiktiver Technologien.

Ich glaube, man wird ihn in dreißig Jahren in Rückschau auf unsere Zeit zitieren: „Einige begannen zu erkennen, dass…“

Alltag: Parken für Fortgeschrittene

Alltag auf einem Supermarkt-Parkplatz: Blödiane schrappen Kratzer in den schönen neuen Lack, verbeulen mit ihren überladenen Einkaufswagen das Blech oder hauen beim Türöffnen gleich noch eine satte Delle in den Nachbarwagen. Ist uns alles schon passiert.

Wer so etwas vermeiden will, parkt sein schmuckes Auto einfach so, dass die Wahrscheinlichkeit solcher Unfälle effektiv minimiert wird. Alles, was man dafür sicherstellen muss, ist genügend viel Sicherheitsabstand in alle Richtungen. Alles, was man dafür braucht, ist eine Extraportion Ich.

Aber vielleicht denke ich hier wieder nur zu schlecht von meinen lieben Mitbürgern. Vielleicht war der Fahrer dieses Vehikels gar nicht egoistisch und asozial, sondern einfach nur unfähig oder besoffen? Man weiß es nicht.

FDP: Wiedergänger oder geht es wieder?

Gestern Christian Lindner im Radio gehört. Beschwor eine Zukunft für die FDP: Als Partei mit Bürgerrechts-Orientierung. Als liberales Korrektiv.

Ja, da war mal was. Die Zahnärzte-, Aktienbesitzer-, Finanz- und Industrielobby FDP besaß mal so etwas wie einen liberalen Flügel. Leute wie Sabine Leutheusser-Schnarrenberger oder Gerhart Baum setzten Standards, was Integrität und die Verfolgung ideell begründeter Positionen in der Politik anging. Doch auf der anderen Seite des FDP-Spektrums machten zeitgleich neoliberale Flachpfeiffen die Partei für normale Menschen ohne Kapital-Lobbyinteressen unwählbar. In einer Welt, in der die Parlamente von Industrie- und Reichen-Lobbyisten belagert werden, braucht man die nicht auch noch im Plenum oder der Regierung: Der Niedergang der FDP war die verdiente Quittung für ihre Klientelpolitik.

Und jetzt? Habe sich die FDP ihres liberalen Wesenskerns erinnert, war Lindners Rede zu entnehmen.

Schön wär das ja. Um Bürgerrechte und darum, einen immer neugierigeren, restriktiveren Staat im Zaum zu halten, kümmert sich derzeit wahrlich niemand. Fast unisono stützen die Parteien den Trend zum „starken Staat“. Aber ist ein immer mehr an Polizei, Überwachung, Verboten etc. wirklich ein Zeichen der Stärke? Es zeigt vor allem Angst, die klar erkennbar überproportional ist.

Ist das also nun die Nische der FDP? Das müsste sie erst einmal beweisen. Ihre Vergangenheit spricht leider nicht dafür: „Liberal“ war für die Gelblinge bisher stets der Mantel, mit dem sie ihre Klientelpolitik verdeckte. Wenn sich das ändern würde, wäre es hoch willkommen. Wenn nicht, kann sie von mir aus gern endgültig in der Versenkung verschwinden.