D-Day-Technologien

…sind das Thema meines Artikels, der heute bei Einestages erschien. Militärgeschichte gehört normalerweise nicht zu meinen Primärinteressen, aber diese Sache hat mich wirklich überrascht und umgehauen. Schon ein erster, sondierender Ausflug Richtung Wikipedia machte schnell klar, dass da wirklich einiges gelaufen war. Neben dem fürchterlichen Blutzoll, den die Alliierten für die Invasion zahlten, wurde diese wirklich durch technische Großtaten ermöglicht – und durch sehr viel pfiffige Tüftelei. Heute würde man salopp sagen, die haben damals die Küste der Normandie „gehackt“: Sie machten mit Tricks und Technologien möglich, was unmöglich schien.

Gemeinhin stellt man sich den D-Day ja vor allem als blutige Mensch- und Materialschlacht vor. Bis zu 4500 alliierte Soldaten verreckten regelrecht schon bei dem Versuch, ein paar Hundert Meter Strand zu überwinden – fürchterlich. Als ich vor Jahren „Der Soldat James Ryan“ sah, kam mir das so wahnsinnig wie zynisch vor – ein bisschen so wie die Schlachten im 17./18. Jahrhundert, als man Soldaten in Reihen aufrecht stehend gegeneinander und in den Tod schickte, als seien sie Verfügungsmasse oder Zinnfiguren.

Mit zunehmender Vertiefung der Recherche lernte ich dann, wie viel Erkundung und Entwicklung in dieser militärischen Operation steckte. Amerikaner und Briten konstruierten ganz gezielt Kriegsgerät passend zum Ziel der Attacke: Völlig bizarre Panzerfahrzeuge, Fertigungstechniken, mit denen sich aus Textilien und Asphalt in 1-3 Tagen ein funktionierender Flugplatz bauen ließ (ob Herr Mehdorn von so etwas träumt?), Panzer, die mit einer Baumwoll-Schürze wie ein Faltboot schwammen und Einweg-Flugzeuge, denen nach der Landung zwecks schnellerer Entladung der Schwanz abfiel.

DD-Tank
„Sherman DD Tank“: Mit Hilfe einer Baumwollschürze (!!!) machte man diesen Panzer zu einer Art Faltboot. Die Sache funktionierte tatsächlich: Nennenswerte Verluste hatten die Alliierten wegen zu hohen Wellengangs damit nur am Omaha Beach, an den anderen Küstenabschnitten schwammen und landeten die Dinger ohne viel Ausfälle. Bildquelle: Imperial War Museum

Regelrecht umgehauen haben mich aber die Bilder und Daten zu den sogenannten Mulberry-Häfen. Weil es an der für den Angriff designierten Küste keine geeigneten Häfen gab, bauten die Alliierten einfach zwei transportable und brachten sie mit – 600.000 Tonnen schwere Konstruktionen. Selbst als Pazifist muss man anerkennen, was für eine unfassbare, beispiellose technologische Großtat das war.

Den Artikel mit einer langen, teils wirklich skurrilen Bildstrecke exotischer D-Day-Entwicklungen findet man hier bei Einestages.

Die wirklich beste Quelle zu den D-Day-Technologien, die ich finden konnte, war dieses etwas seltsam betitelte Buch „D-Day Operations Manual“. Bei Amazon Deutschland steht es seit heute morgen allerdings auf „Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Wochen“.

Theatrophone und Co: Das viktorianische Kabelradio

Werbeplakat für den Pariser Theatrophone-Dienst, Jules Cheret, 1890

 

Einestages, inzwischen integraler Bestandteil von SPIEGEL ONLINE, hat heute eine sehr kondensierte Version meiner Telefonmusik-Histörchen über die ersten Musikabrufdienste  gebracht. Auch hier zeigte sich, dass Spaßanwendungen vor Nutzanwendungen kamen. 40 Jahre nach Vorstellung der ersten funktionierenden Telefone hatte man es noch nirgendwo auf der Welt geschafft, einen Markt für Sprech-Telefonie zu schaffen. Als dann aber um 1890 einer auf die Idee kam, Telefone zur Musikübertragung zu benutzen, wurde das umgehend zu einem geschäftlichen Erfolg.

Diese Ur-Radiodienste in Paris, London, Budapest, später Rom und Mailand, Berlin und weiß der Kuckuck wo noch, sammelten innerhalb von zwei, drei Jahren mehr Kunden, als Telefonnetze das in rund fünfzehn Jahren geschafft hatten. Obwohl diese Kabelradiodienste auf die großen Städte beschränkt blieben, wurden sie nicht nur zu Wegbereitern der Telefonnetze, sondern auch des rund 30 Jahre später folgenden Rundfunks. Verblüffend, wie viele Pioniergeschichten vergessen wurden, weil sie vermeintlich nicht bis in unsere heutigen Tage hinein trugen.

Beim Kabelradio, teils mit integriertem Musik-on-demand-Dienst per Telefon, ist das sogar ein echter Irrtum: Das italienische ÖR-Rundfunknetz RAI ging direkt aus so einem Telefonmusikdienst hervor.

Hier kann man den Artikel lesen, der einen Überblick über die wichtigsten europäischen und amerikanischen Kabelradiodienste bietet.

Barnstormers

barnstormer
Hier lässt sich der Barnstormer und Luftartist Howard Sharen an einem Seil hinter seiner Maschine herziehen. Wer genau hinsieht, entdeckt, dass der Mann keineswegs ungeschützt fliegt: Er trägt Ohrschützer gegen den kalten Flugwind.

Im 19. Jahrhundert nannte man über das Land tingelnde Theatergruppen, die von Bauernhof zu Bauernhof zogen und ihre Vorführungen vorzugsweise in Scheunen veranstalteten, „Barnstormers“ – „Scheunenstürmer“.

Im Jahr 1908 erkannten die Flugpioniere Wilbur und Orville Wright zunächst, dass die von ihnen eingeleitete Zeit des Motorflugs dringend ein wenig PR brauchte: Sie führten ihre Flieger auf einer Tournee durch Europa erstmals öffentlich vor. Umgehend erkannten sie daraufhin, dass sich so aus der bis dahin eher als technische und wissenschaftliche Pionierleistung wahrgenommene Fliegerei bestes Entertainment machen ließ – und damit auch eine Einnahmequelle. Fast umgehend entstand ein Barnstorming ganz anderer Art. In den folgenden Jahrzehnten bis zum zweiten Weltkrieg sollten zahllose Piloten in aller Welt als „fliegende Zirkusse“ tingeln gehen – mit Luftrennen, Mietrundflügen, Flugshows und immer gewagteren Stunt-Shows.

Es gab vor allem in den USA nur wenige Flugpioniere, die das nicht irgendwann einmal versuchten. Für manche ermöglichte das Barnstorming erst eine spätere Karriere.

Als etwa Charles Augustus Lindbergh 1922 eine Mechaniker- und Pilotenausbildung begann, deutete wenig darauf hin, dass er nur vier Jahre später zum amerikanischen Nationalhelden werden würde. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er wenig zustande gebracht: In seinem Studium hatte er versagt, die akademische Ausbildung frustriert abgebrochen. Den Mechaniker schaffte er nun, den Pilotenschein für eine reguläre Anstellung hingegen nicht – ihm fehlte das Geld für die nötige Versicherung. Die beste Möglichkeit, sich nach der Lehre sein Geld zu verdienen, schien ihm im Barnstorming zu liegen. Denn privat fliegen durfte letztlich jeder – es gab noch keine regulierenden Gesetze.

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Mit einem Kollegen aus der Lehre zog er ab 1924 über das Land.  Im Luftzirkus reifte er zu dem Piloten, der bald darauf weltberühmt werden sollte. Anfänglich sprang er vor allem mit dem Fallschirm ab, doch schon im zweiten Jahr kaufte er sein erstes eigenes Flugzeug: Natürlich eine „Jenny“.

Zeitweilig das zahlenmäßig häufigste Flugzeug der Welt war die Jenny ein Nebenprodukt des Ersten Weltkriegs – und machte das Barnstorming zum Massenphänomen. Die Geschichte der Jennys und ihrer halsbrecherischen Piloten habe ich für unser Zeitgeschichteportal Einestages aufgeschrieben: „Todestänzer auf der Tragfläche“ heißt der Artikel.

Smart?

Freunden gehe ich mitunter auf den Keks, weil ich oft schwer erreichbar bin. Tagsüber sitze ich an meinem Arbeitsplatz, da steht ein Telefon. In meiner Freizeit brauche ich das nicht. Ein privates Handy habe ich noch nie besessen, mein Diensthandy mache ich nur an, wenn ich dienstlich unterwegs bin oder wirklich dringend jemanden erreichen muss.

Ansonsten nehme ich mir die Freiheit, nicht ständig kommunizieren zu müssen.

Ich mache das so seit 2002 und bin gut damit gefahren. In den letzten zwei Jahren spüre ich, wie der Druck wächst, „mehr“ mit meinem Handy zu tun. Ich habe ein iPhone, aber den iTunes-Account nicht aktiviert. Das Ding hat deshalb keinerlei Apps.

Es ist eine bewusste Entscheidung. Ich vermisse und verpasse absolut nichts dabei. Wenn ich einen Weg nicht finde, frage ich jemanden. Wenn ich ein Restaurant suche, lasse ich mir keins von meinem Handy vorschlagen, sondern laufe los und schaue in die Fenster. Wenn da viele Leute sitzen, und es denen offenbar gut geht, geh ich hinein.

Wenn ich mit Leuten zusammen bin, erwarte ich, dass die nicht telefonieren. Wenn das überhand nimmt, sage ich es. Mein Handy ist in Gesellschaft deaktiviert, so wie im Kino, im Flugzeug, im Zug. Wenn ich wirklich telefonieren muss, verlasse ich den Raum oder sehe zu, dass ich mich von meiner Gesellschaft (egal ob Freunde oder Fremde) soweit distanziere, dass ich die mit meinem Gespräch nicht belästige.

Ich empfinde die Manie der absoluten Erreichbarkeit als ungesund. Es nimmt unserem Erleben die Qualität. Die Spitze sind für mich diese Gestalten, die auf Konzerten ihre Handies in die Luft halten und nonstop mitfilmen.

Für wen?
Wozu?

Manchmal ärgere ich mich, wenn ich etwas Tolles sehe und keine Kamera dabeihabe. „Macht nix“, sagt mein Schatz dann oft, „das kannst Du eh nicht fotografieren.“

Fast immer stimmt das. Augenblicke kann man nicht festhalten, sie sind aus Zeit und Ort und Gefühl gemacht. Wer kein Handy dabei hat, muss es sich selbst merken: Was man dabei spürt, nennen die Amis „quality time“.

Die kann man schnell verpassen:

Ist das smart?