Gartenknoblauch: Der dümmste Bauer…

…erntet die dicksten Knollen: Knoblauch ist in unseren Breiten so eine Sache. Der kleine Gartenknoblauch, sagte mir mein Nachbar mit dem grünen Daumen vor drei Jahren, wachse aber „wie Unkraut“, mache keinerlei Arbeit und sei richtig scharf und lecker. Das wollte ich ausprobieren.

Im ersten Jahr passierte so gut wie nichts. Ein paar nicht erwähnenswerte Samenknollen lieferten das Saatgut für das Folgejahr. Im zweiten Jahr wuchs das Zeug plötzlich überall. Die Knollen waren klein, aber schmackhaft. In ihren Blumenbeeten wollte Fiona die Pflanzen aber nicht mehr sehen.

Im dritten Jahr legte ich im Vorgarten ein Hochbeet mit viel frischem Kompost an. Die Erde zum Strecken holte ich teils hinten aus den Beeten – und irgendwie verirrten sich dann ein paar Samen in die linke Ecke des Hochbeets. Völlig ohne Konkurrenz wuchsen sie bis auf Hüfthöhe. Heute habe ich geerntet: Saatgut, bei dem jedes Korn selbst groß genug ist, als kleine Knolle in die Pfanne zu wandern. Und Knollen, die man auch verkaufen könnte.

Nächstes Jahr gibt’s mehr:

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Vogonen: Widerstand ist zwecklos

Es klingelt. An der Tür steht ein Mittvierziger mit einem Klemmboard.

„Guten Tag, Wasserversorgung, ich müsste mal eben an Ihren Zähler.“

„Sorry, passt jetzt nicht.“

„Das ist schlecht, wir müssen im Rahmen der Baumaßnahme ja Ihre Verrohrung austauschen.“

„Welche Baumaßnahme?“

„Wir reißen hier die Straße auf und wechseln dann alle Rohre von der Straße bis zu Ihrem Zähler.“

„Da höre ich zum ersten Mal von. Kriegen wir da vielleicht mal schriftlich Bescheid drüber?“

„Machen die nicht.“

„Und wann soll das passieren?“

„Naja, das hat schon noch Zeit, wir müssen ja erst mal die Straße… . So zwei bis drei Wochen vielleicht.“

„Spitze. Wir hatten vor, Einfahrt und Vorgarten zu machen, wenn der Frost vorbei ist. Da haben wir aber Glück gehabt, dass wir die paar Tausend Euro noch nicht ausgegeben haben, nicht wahr?“

(Er lacht) „Ja, da passt das dann ja.“

„Ich finde das gar nicht so lustig. Ich finde, das ist schon ein Ding.“

„Naja, stellen Sie sich vor, Sie hätten schon letztes Jahr renoviert. Dann müssten wir das jetzt ja trotzdem aufreißen.“

Nur, um das klarzustellen: Die Rede ist hier davon, dass die von der Straße bis zu unserem Haus einen wegen Hanglage bis zwei, drei Meter tiefen Graben ziehen. Im Haus darf ich dann mein Büro verlegen, weil die Rohre da ankommen – natürlich hinter Wand verlegt, die ich dann wahrscheinlich ebenfalls werde abreißen dürfen. Die kleine Mauer, die zur Straße hin unser Hanggrundstück abfängt, geht ebenfalls über die Wupper. Ob es für diesen ganzen Klumpatsch irgendeine Form der Kompensation gibt, kann der gute Mann nicht beantworten: In der Regel nicht, sagt er, die machten aber alles wieder ordentlich zu.

Widerstand ist natürlich zwecklos: Hat Douglas Adams eine Begegnung mit der Wasserversorgung gehabt, als er die Vogonen erfand? Das sind so die Augenblicke, wo ich gern per Anhalter durch die Galaxis reisen würde.

Räumdienst: Ein deutsches Wintermärchen

Tatwerkzeug: Verwandelt weiße Flächen in Rutschbahnen

„So geht das aber nicht“, sagte mein Schatz am Abend, „Morgen musst Du früher aufstehen.“

Ich kenne diesen Satz seit Jahren. So, wie die Rufe der ziehenden Wildgänse am Himmel für mich den wahren Beginn des Herbstes markieren, signalisiert mir dieser Satz, dass nun der Winter wirklich begonnen hat. Für mich beginnt damit ein Wettlauf mit der Zeit, der von mir verlangen wird, dass ich in den nächsten Tagen jeden Morgen noch ein bisschen früher werde aufstehen müssen.

Der Grund ist Herr H.. Er ist mein Nachbar und ein total netter Kerl. Freundlich grüßte er gestern, als er an meinem Bürofenster vorbeizog und den Bürgersteig vor meinem Haus vom Schnee befreite. Es war kurz vor Mittag, ich tippte unter Zeitdruck an einer Geschichte, die wir nach Möglichkeit auf der Seite haben wollten, bevor die dpa mit einer entsprechenden Agenturmeldung kam. Herr H. hatte keine Deadline. Er ist Rentner.

Seine Arbeit war auch nicht schwer, denn mehr als 1-2 Zentimeter Schnee waren noch nicht gefallen, seit er die Bürgersteige das letzte Mal gesäubert hatte, kurz bevor bei mir der Wecker schellte. Mühseliger war dann schon, was er am Nachmittag leisten musste, kurz vor meinem Feierabend.

H. und ich helfen uns seit Jahren. Bin ich eher draußen, säubere ich seinen Bürgersteig mit, ist er eher draußen, erledigt er meinen. Bis vor zwei Jahren Frau F. gegenüber starb, machten wir das Grundstück der alten Frau noch mit. Nachbarschaft nennt man sowas, es ist gut und ein Zeichen für ein gesundes Sozialgefüge. Mein Problem ist nur, dass das jedes Jahr schnell ins Einseitige abkippt. Ich bleibe die Gegenleistung schuldig. Gegen H.s freie Zeitgestaltung bin ich leider chancenlos.

Es ist ein informeller Wettbewerb, natürlich. Schließlich haben wir uns das nicht ausgesucht, wir müssen ja. Als ich heute morgen in die Kälte trete, ist es noch stockfinster, doch der Schnee hellt alles auf. Vielleicht vier Zentimeter herrlich fluffig-klebriger Flocken sind über Nacht gefallen. Der Schnee dämpft die Geräusche der Vorstadt, und unter den Füßen knirscht er. Bis 7.30 Uhr bemühen wir uns, diese jungfräuliche, noch von keinem menschlichen Fuß berührte Fläche in die vorschriftsmäßig geräumte Eisbahn zu verwandeln, die wir aus versicherungstechnischen Gründen für unsere teutonische Pflicht halten.

Heute gelingt mir das, ich bin fertig, bevor irgendjemand aus dem näheren Umfeld auch nur die Badezimmerbeleuchtung angeworfen hätte. Nur schräg gegenüber ist schon alles geräumt, ich hatte das Kratzen gegen 5 Uhr gehört. Es mag zum heutigen Sieg in der Morgenetappe beigetragen haben.

An den neuralgischen Punkten schnell noch was Streu auf den Weg! Mit Schweiß auf der Stirn stütze ich mich nachher auf meinen Besen und betrachte mein Werk. Sieht richtig hässlich aus im Vergleich zum schönen Weiß drumherum.

Ich kann mir schon vorstellen, wie die Kinder auf dem Weg zur Grundschule nachher wieder auf der Straße laufen werden, weil das angenehmer ist. Wir haben hier keinen Winterdienst, was dazu führt, dass die Straße immer herrlich weiß bleibt, schick gerahmt von blankgeputzten Bürgersteigen.

Morgen, weiß ich, werde ich wieder ein wenig früher aufstehen müssen, denn bei den nächsten Schneeräumungen während des Tages wird mich H. wieder schlagen. Der Himmel hängt dunkel und schwer, da kommt heute wirklich was!

So wird das gehen, bis der Kipppunkt erreicht ist: Vorletztes Jahr habe ich den Bürgersteig einmal geräumt und H. dann kurz nach Sieben noch einmal, weil inzwischen so viel Schnee gefallen war, dass man meine nächtliche Räumung schon nicht mehr sah. Danach wusste ich, dass ich aufgeben durfte: Ohne eine generelle Invertierung meines Tag-Nacht-Rhythmus war dieser Wettbewerb nicht zu gewinnen.

Aber heute morgen bin ich Sieger. Und hundemüde.