Kirschblüte: Alles neu macht der März

Gestern gegen 7 Uhr bin ich ab in Richtung Hamburg. Die Vögel brüllten in den Bäumen, die noch winterlich nackt im Garten standen.

Als ich gegen 22 Uhr zurückkam, war es immer noch 19 Grad warm und alles war anders. Heute morgen sah das so aus: Blattlose Kirschbäume in weißer Blütenpracht. Pfirsich und Flieder blühten schon letzte Woche, unser Pflaumen- und unsere Apfelbäume nehmen noch Anlauf, aber das wird jetzt.

Die Wettervorhersage verspricht 25 Grad, können auch 26 werden.
Der März geht und heute ist Sommer.
Nächste Woche geht’s wieder abwärts, dann ist April: Es gibt keine Jahreszeiten, nur Wetter.

Eis, Eis, Baby

p1210965Eisblumen auf dem Südfenster meines Büros, Dienstag, 29. November, kurz nach Sonnenaufgang. Seit ein paar Wochen sitze ich mit meinem Schreibtisch unter dem Dach, wo früher meine Tochter ihr Zimmer hatte. Ich habe den Dachstuhl vor circa 15 Jahren ausgebaut und so gut isoliert, wie das zu der Zeit möglich war.

Erfahrung mit unzureichender Isolation hatte ich sehr früh gemacht: Auch meine Schwester und ich haben einen Teil unserer Jugend unter einem Dach verbracht. Den Ausbau – wenn man das so nennen will – hatte ich mit meinem Vater zusammen gemacht. Wir klemmten einfach Styroporplatten zwischen die Dachbalken und verschraubten darüber Pressspanplatten. Ging schnell: Rauhfaser drauf, streichen, fertig. Isolation war Mitte der 70er noch ein Fremdwort, das nicht unbedingt zum allgemeinen Sprachgebrauch gehörte. Die Standards waren einfach anders.

Auch die Fenster in den Dachschrägen waren anfänglich noch klassische, einfachverglaste Dachluken. Im Sommer schlief ich wegen der Hitze unterm Dachstuhl manchmal im Garten, im Winter wurde es zuverlässig kalt: Als Heizung hatten wir einen Elektro-Radiator, aber der kam gegen die Nacht nicht an. Das ist kein Jammern, denn ich habe das echt geliebt: Aufwachen, und das erste, was man sieht, sind die Eisblumen auf den Fenstern.

Ich vermute mal, sowas prägt. Bis heute heize ich weder das Schlafzimmer, noch mein Büro. In den Neunzigern hatte ich ein Dachbüro in einem Verlag, das bei den Kollegen im Sommer „die Müllhalde“ (wegen meiner spezifischen Form der Archivordnung) und im Winter „der Kühlschrank“ hieß. Ich mag das. Bei 14, 15 Grad laufe ich zu kreativer Höchstform auf.

Und natürlich sind mir Eisblumen noch immer die liebsten.

Postwurfsendung: Es gibt nichts, was nicht passt

BIGBOY PIZZA wirbt mit dem freundlich lächelnden Antlitz einer als Geisha verkleideten Europäerin, Zustellung ab 10 Euro kostenlos (das Essen, nicht die Geisha).

Im Angebot: Lecker Peking-Suppe, gebratene Nudeln, gebratener Reis, Chop Suey, Curry, Ente und Kun Bao sowie süß-sauer.

Nicht im Angebot: Pizza.

Aber dafür kann man sich Chianti, Frascati und Lambrusco liefern lassen. Überbleibsel aus italophileren Zeiten? Stand das da noch rum?

Merke: Echtes Multikulti ist, wenn es sowie egal ist.

Der Fastfood-Tempel meiner Wahl ist fest in libanesisch-liberaler Hand und bietet italienische, amerikanische, indische, griechische, türkische, ein bisschen mexikanische sowie deutsche Küche (inklusive Wurstvarianten und Schnitzelgerichte) und dazu die Klassiker der Fastfood-Internationale: Wraps, Fingerfood, Baguettes, Nuggets, Eiscreme etc..

Also eigentlich alles. Wer will, kann das auch kombinieren. Eine meiner liebsten Pizza-Kreationen dort ist die Pizza DG (Döner mit Gyros), die man also auch Pizza Völkerverständigung oder Pizza tre nationi nennen könnte (vier, wenn der Gouda, fünf, wenn der libanesische Koch und sechs, wenn der deutsche Auslieferungsfahrer mitzählt). Nicht lecker, aber politisch völlig korrekt.

Ich mag die total internationale Pizza Checker lieber: Thunfisch, Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten, viel Jalapenos und Hirtenkäse. Beste Pizza der Welt, bisher. Bin gespannt, wann die Pizza Sushi BBQ DG-Hawaii kommt (alternativ für Leute mit Ananas-Allergie: mit Banane). Würde ich Master Blaster nennen.

Gartenknoblauch: Der dümmste Bauer…

…erntet die dicksten Knollen: Knoblauch ist in unseren Breiten so eine Sache. Der kleine Gartenknoblauch, sagte mir mein Nachbar mit dem grünen Daumen vor drei Jahren, wachse aber „wie Unkraut“, mache keinerlei Arbeit und sei richtig scharf und lecker. Das wollte ich ausprobieren.

Im ersten Jahr passierte so gut wie nichts. Ein paar nicht erwähnenswerte Samenknollen lieferten das Saatgut für das Folgejahr. Im zweiten Jahr wuchs das Zeug plötzlich überall. Die Knollen waren klein, aber schmackhaft. In ihren Blumenbeeten wollte Fiona die Pflanzen aber nicht mehr sehen.

Im dritten Jahr legte ich im Vorgarten ein Hochbeet mit viel frischem Kompost an. Die Erde zum Strecken holte ich teils hinten aus den Beeten – und irgendwie verirrten sich dann ein paar Samen in die linke Ecke des Hochbeets. Völlig ohne Konkurrenz wuchsen sie bis auf Hüfthöhe. Heute habe ich geerntet: Saatgut, bei dem jedes Korn selbst groß genug ist, als kleine Knolle in die Pfanne zu wandern. Und Knollen, die man auch verkaufen könnte.

Nächstes Jahr gibt’s mehr:

DSCN4384 DSCN4385