Warum Blaubär?

Das hier habe ich gerade zufällig bei Buch.de gefunden:

blaubaerNicht, dass ich mich nicht geschmeichelt fühlen würde. Ich mag den Blaubär (ein Held meiner Kinder, als sie klein waren), auch, wenn ich die Augsburger Puppenkiste vorgezogen hätte (MEIN Kinderprogramm, als ich klein war). Gut möglich, dass sich die Kombi mit dem Blaubär sogar verkaufsfördernd für mein Buch auswirkt. Der ist immerhin ziemlich prominent, und dann auch noch von Walter Moers!

Ich frage mich nur, WARUM man einen Viktorianischen Vibrator bei Buch.de angeblich am liebsten mit einer Blaubär-DVD kombiniert.

Gibt es da einen Grund?
Oder ist das nur digital?

Waffentechnik: Das Ende der Unschuld

markIV
Britischer Mark-IV-Panzer: 1914 ritt noch die Kavalerie über die Schlachtfelder. 1918 schossen unter anderem 5000 alliierte Panzer Deutschland und Österreich in die Kapitulation. Copyright: Imperial War Museum

…hatte ich meinen Artikel, der heute bei Einestages erschienen ist, eigentlich genannt. Bei der Bearbeitung ist dieser „weiche“ Aspekt ein wenig rausgefallen, geblieben ist die Auflistung des nackten Irrsinns. Dass der Erste Weltkrieg ein solches Trauma war, das letztlich bis heute nachwirkt, ist kaum noch verwunderlich, wenn man das so liest. Knapp 40 Jahre zuvor hatten deutsche Kanonen noch Angst und Schrecken verbreitet, weil sie 4 Kilometer weit reichten – jetzt schossen sie bis zu 130 Kilometer weit, und die dicksten Dinger darunter verballerten Granaten von mehr 1000 Kilogramm Gewicht.

Kein Wunder, dass Technologie und Fortschritt danach nicht mehr optimistisch-positiv konnotiert, sondern mit Angst und Misstrauen verbunden wurden. Wenn man sich den grundsätzlichen Fortschritts-Skeptizismus in diesem Land so ansieht, hat das die Mentalität offenbar für Generationen geprägt.

D-Day-Technologien

…sind das Thema meines Artikels, der heute bei Einestages erschien. Militärgeschichte gehört normalerweise nicht zu meinen Primärinteressen, aber diese Sache hat mich wirklich überrascht und umgehauen. Schon ein erster, sondierender Ausflug Richtung Wikipedia machte schnell klar, dass da wirklich einiges gelaufen war. Neben dem fürchterlichen Blutzoll, den die Alliierten für die Invasion zahlten, wurde diese wirklich durch technische Großtaten ermöglicht – und durch sehr viel pfiffige Tüftelei. Heute würde man salopp sagen, die haben damals die Küste der Normandie „gehackt“: Sie machten mit Tricks und Technologien möglich, was unmöglich schien.

Gemeinhin stellt man sich den D-Day ja vor allem als blutige Mensch- und Materialschlacht vor. Bis zu 4500 alliierte Soldaten verreckten regelrecht schon bei dem Versuch, ein paar Hundert Meter Strand zu überwinden – fürchterlich. Als ich vor Jahren „Der Soldat James Ryan“ sah, kam mir das so wahnsinnig wie zynisch vor – ein bisschen so wie die Schlachten im 17./18. Jahrhundert, als man Soldaten in Reihen aufrecht stehend gegeneinander und in den Tod schickte, als seien sie Verfügungsmasse oder Zinnfiguren.

Mit zunehmender Vertiefung der Recherche lernte ich dann, wie viel Erkundung und Entwicklung in dieser militärischen Operation steckte. Amerikaner und Briten konstruierten ganz gezielt Kriegsgerät passend zum Ziel der Attacke: Völlig bizarre Panzerfahrzeuge, Fertigungstechniken, mit denen sich aus Textilien und Asphalt in 1-3 Tagen ein funktionierender Flugplatz bauen ließ (ob Herr Mehdorn von so etwas träumt?), Panzer, die mit einer Baumwoll-Schürze wie ein Faltboot schwammen und Einweg-Flugzeuge, denen nach der Landung zwecks schnellerer Entladung der Schwanz abfiel.

DD-Tank
„Sherman DD Tank“: Mit Hilfe einer Baumwollschürze (!!!) machte man diesen Panzer zu einer Art Faltboot. Die Sache funktionierte tatsächlich: Nennenswerte Verluste hatten die Alliierten wegen zu hohen Wellengangs damit nur am Omaha Beach, an den anderen Küstenabschnitten schwammen und landeten die Dinger ohne viel Ausfälle. Bildquelle: Imperial War Museum

Regelrecht umgehauen haben mich aber die Bilder und Daten zu den sogenannten Mulberry-Häfen. Weil es an der für den Angriff designierten Küste keine geeigneten Häfen gab, bauten die Alliierten einfach zwei transportable und brachten sie mit – 600.000 Tonnen schwere Konstruktionen. Selbst als Pazifist muss man anerkennen, was für eine unfassbare, beispiellose technologische Großtat das war.

Den Artikel mit einer langen, teils wirklich skurrilen Bildstrecke exotischer D-Day-Entwicklungen findet man hier bei Einestages.

Die wirklich beste Quelle zu den D-Day-Technologien, die ich finden konnte, war dieses etwas seltsam betitelte Buch „D-Day Operations Manual“. Bei Amazon Deutschland steht es seit heute morgen allerdings auf „Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Wochen“.

Die Letztbeschlafung des Reichshof

Copyright: Wikiuka, CC
Der Speisesaal des Reichshof wurde dem Ballsaal eines Kreuzfahrtschiffes nachempfunden. Bild-Copyright: Wikiuka, CC

1995 stieg ich erstmals im Hamburger Reichshof ab. Zwischen 2001 und 2011, als ich viel zwischen HH und Köln pendelte, war das dann ziemlich häufig. Manche Kollegen in unserer Reisestelle fanden das lustig: Häufiger war es, dass Leute es ablehnten, dort untergebracht zu werden, weil das Haus den Ruf hatte, dass dort „der Lack ab“ sei.

Stimmte ja auch: Die Teppiche waren ausgetreten, die Wannen oft verkratzt und stumpf, alles wirkte ein bisschen verlebt. Kein Wunder aber auch, Haus und Innenausstattung hatten am Ende 104 Jahre auf dem Buckel, ohne dass sich da viel verändert hatte. Ohne jede Übertreibung: Der Reichshof ist ein Hotel, wo man Sherlock-Holmes-Krimis oder Steampunk-Phantasien verfilmen könnte, ohne viel umbauen zu müssen.

Für mich war das zum einen immer wie eine kleine Zeitreise an den Anfang des 20. Jahrhunderts, zum anderen ein Stück „eigenes“ Schlafzimmer in Hamburg. Bei allen Macken war mir das Haus eben total vertraut. Zu allem Überfluss war das Haus auch noch preiswert.

Am 18. Mai verabschiedet sich dort der letzte Übernachtungsgast, Ende des Monats wird das Haus dann geschlossen. Am 8. Mai war ich zum letzten Mal Gast dort. Ich habe diesem uralten Hotel einen Abschiedsartikel geschrieben, und Almut von Pusch hat dazu tolle Fotos eines Hotels gemacht, das man gut mit „Pracht im Niedergang“ beschreiben kann.

Die Überschrift, die ich selbst für den Artikel gewählt hatte, war „Die Letztbeschlafung des Reichshof“. Und mein Einstieg ging ursprünglich so: „Ende Mai schließt der Hamburger Reichshof, vor 104 Jahren Deutschlands größtes Hotel, heute angejahrtes Zeugnis längst vergangener Zeiten. Ob und wie es mit dem spektakulären Baudenkmal weitergeht, ist ungewiss. Wir nahmen Abschied – und gingen noch einmal auf Zeitreise.“

Das war dann wohl einerseits zu kryptisch, andererseits zu emotional: Die bei SPON am Freitag erschienene Version ist leicht gekürzt und versachlicht. „Kill your darlings“ sagt man im Journalismus ja, aber in diesem Fall hatte ich wohl eher ein anderes Problem: Da killt jemand anderes einen meinen Darlings. Es gibt modernere, schickere Hotels in Hamburg. Aber die sind eben nicht MEIN Hotel.

Vor rund acht Jahren fragte mich dort ein Portier beim Einchecken, ob es mir bewusst sei, dass ich dort meine 100. Nacht verbringen würde. So etwas wird in meinem Leben in keinem anderen Hotel mehr vorkommen. Hoffe ich zumindest, denn für Businessreisende sind Hotels in der Regel die einsamsten Orte der Welt. Es ist selten, dass man dort auch emotional ein Stückchen ankert.

Hier geht es zum Artikel bei SPON.

Hier kann man sich Almuts Bilder vom Reichshof ansehen.