Beinahe-Ente: Hubbles Supernova

Bei Facebook gehen derzeit Videolinks um, die angeblich einen „Film“ zeigen, der eine vom Raumteleskop Hubble dokumentierte Supernova zeigen soll. Wer sich die Mühe macht, von Facebook zu Youtube zu wechseln, findet heraus, dass diese Neuigkeit so ganz brandheiß nicht sein kann: Die meistverbreitete Version des Videos dort stammt vom November 2011 und hat seitdem rund 1,2 Millionen Abrufe gesammelt.

Die eigentliche Story ist noch weit älter. Bemerkt wurde die Nova 2002, relativ kurz, nachdem sie stattfand (respektive: nachdem ihr Licht uns erreichte): Bilder der eigentlichen Explosion gibt es nicht, die Nasa veröffentlichte 2006 allerdings einige Animationen. Die Bilder, die dem jetzt gerade als News verkauften Video zugrundeliegen, entstanden zwischen 2002 und 2006. Es sind acht sehr hoch aufgelöste Hubble-Fotos, die am Ende der Beobachtungssequenz zu einem Morph-Video animiert wurden. Die Nachricht von der direkt „gefilmten“ Supernova ist also knapp neben der Wahrheit – und die Nachricht, die gerade bei Facebook umgeht, eine Art auf kaltem Kaffee schwimmende Beinahe-Ente.

Daran, dass das am 26.Oktober 2006 von der Nasa veröffentlichte Video beeindruckend ist, ändert all das allerdings gar nichts. Hier ist das Original, eingebettet von der Hubble-Seite der esa:

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Es ist eine auf echten, in großen Abständen fotografierten Einzelaufnahmen beruhende Animation eines katastrophalen Events, der bis heute nicht ganz verstanden wird. Klar scheint zu sein, dass sich da ein Stern zuerst rapide zu einem Roten Riesen aufblähte, der seine Masse dann explosionsartig ins All schoss. Seine Überreste bilden heute eine dieser schönen stellaren Wolken.

Es ist also ein durchaus dokumentierter Sternentod, aber keineswegs der erste und auch nicht im eigentlichen Sinne „filmisch“ dokumentiert. Ist letztlich ja auch gut so, denn aus der riesigen Distanz und wegen der unfassbaren räumlichen Dimensionen ist alle stellare Bewegung natürlich extreme Slow Motion – 55 Sekunden Video stehen hier für vier Jahre.

Der Nebel, der am Ende als Produkt dieser Nova im All steht, würde unser Sonnensystem mühelos „schlucken“. Geschähe so etwas mit unserer Sonne, würden wir die eigentliche Explosion nie bemerken: Unsere Erde würde innerhalb der ersten drei Sekunden der Explosion einfach verdampfen, wenn sie nicht schon vorher vom sich ausdehenden Roten Riesen verschluckt würde.

Humanismus: Haben und Sein

Mitunter finde ich es ermüdend, über Humanismus und Atheismus zu lesen, schreiben, reden, diskutieren. Zu oft habe ich das Gefühl, ich müsste eine Form von Mangel rechtfertigen. Der Religiöse ist etwas, der Humanist nicht. Der Gläubige hat etwas, der Atheist nicht.

Es ist, als ginge es bei Humanisten oder Atheisten um ein Fehlen von Glaube, Religiösität, Werteorientierung oder Kultur. Entsprechend gerät die Argumentation vieler Humanisten zu oft verteidigend, aggressiv antireligiös, rechtfertigend oder besserwisserisch.

Wie unnötig das ist, zeigt in diesem Video der British Humanist Association souverän der Schauspieler und Autor Stephen Fry.

So muss das sein. Nicht nur gegen andere nörgeln und sich über den Gegensatz zu etwas definieren lassen, sondern demonstrieren und kommunizieren, was man ist und zu bieten hat: Ein reiches, reifes, einsichtsvolles, die Welt wirklich erklärendes und erschließendes, echte Toleranz und soziales Zusammenleben ermöglichendes Wertesystem, das den Blick auf die Realität nicht einengt, sondern erweitert.

Das ist das Gegenteil von Mangel, es ist erstrebenswert.

Hadfield: A star is born

Was wird Chris Hadfield nach der Landung machen? Prinzipiell könnte er nun wohl so ziemlich alles angehen, aber wahrscheinlich macht er einfach weiter: Er hat ja einen irren Job. Und trotzdem ist er wohl der schillernste, auf jeden Fall aber vielfältigst talentierte Astronaut, den wir bisher im Orbit gesehen haben. Seine Fotoserien sind in den letzten Monaten um die Welt gegangen, und auch musikalisch ist er nicht gerade ahnungslos. Das Musikvideo, das er für seine persönliche, zum Abschied von der ISS produzierte Version der „Space Oddity“ vorlegte, ist auf dem Weg, zum Youtube-Smashhit zu werden. Der Mann ist ein Lottogewinn für die PR der Nasa.

Prähistorische Gehversuche

Die erste Woche meines neuen Knochensplitter-Blogs bei SPIEGEL ONLINE ist gelaufen. Drei frische Artikel liefen in der Zeit, von kurz, knapp und News-lastig bis zu eher lang und Paläo-Popkultur aufarbeitend.

Heute lief ein Beitrag, den ich gern mit Originalfilmen präsentiert hätte, aber irgendwas ist da schief gegangen. Hier also die Filme zum Artikel „Als die Dinos laufen lernten“:

„Brute Force“ von David Llewelyn Wark Griffith (1913)
und
„Gertie the Dinosaur“ von Winsor McCay (1914).

Zwei Pionierleistungen, weil sie Grundmuster des „Dinosaurier-Films“ vorweg nahmen: Einmal das „Monster“ als angsterregender Statist, einmal als knuddelige Identifikationsfigur.

Brute Force

Gertie the Dinosaur