My Playlist (XII): Sex, Leidenschaft und Weihnachten

„Das ist schön“, sagt Petra zu mir, „das gefällt mir echt. Obwohl das ein Kirchenlied ist, oder?“

Es ist eine Geburtstagsfeier im Advent, und irgendwann ist einer darauf gekommen, eine Playlist mit Weihnachtsliedern über die Boxen zu schicken. Die unvermeidlichen Wham bringen ihr englisches Äquivalent eines Weihnachtskarnevalssongs, Maria Carey beweist, dass nicht nur Marianne Rosenberg auch ineinander verliebten Männern aus dem Herzen singen kann und jetzt läuft – ein wunderschönes Missverständnis:  „Hallelujah“, geschrieben von Leonard Cohen, doch wir hören die Version von Rufus Wainwright.

„Nicht ganz“, antworte ich also, „da geht es auch um Leidenschaft und Sex und das Zerbrechen einer Liebe.“

Petra ist nur eine Sekunde perplex, dann lacht sie und prustet: „Upps! Knapp daneben.“

Oder auch nicht. Bei Wainwright gipfelt die Leidenschaft im Hallelujah, und wo die nicht mehr ist, ist sie „ein kaltes und gebrochenes Hallelujah“.  Gefühl, sagt das, wächst nicht aus Glaube, Überzeugung oder Prinzip, sondern aus Beziehung. Was das von einem herkömmlichen Weihnachtslied unterscheidet, ist eigentlich nur die Ehrlichkeit. Denn in seiner Bitterkeit schmeckt Wainwright vergangener Süße nach: Das ist im besten Sinne des Wortes rührend und hat das Potential, Menschen zusammenrücken zu lassen.

Also: gerade DAS ist ein Weihnachtslied:

My Playlist X: Gimme that blues

Über Blues heißt es, das sei eine Musik, die man nicht lernen könne, sondern fühlen müsse. Gut möglich: Offensichtlich muss man noch nicht einmal sprechen können, um ihn singen zu können.

Yo, man!

My Playlist IX: Umsonst was auf die Ohren

Es gibt Bands, die offenbar ewig leben und phantastische Musik abliefern. Damit ist schon mal klar, dass die Stones nicht gemeint sein können: Im Sinn habe ich da eine weit vielfältigere Combo. Seit 1998 veröffentlicht und tourt das John Butler Trio unter diesem Namen, in Europa sind zurzeit 26 Alben im Verkauf (davon 16 offizielle), und trotzdem kennt sie „kaum einer“ (nach Mainstream-Maßstäben). Schade, denn da hat man nicht nur wegen der Produktivität und der legendären Live-Performances was verpasst – die Jungs sind absolute Könner:

Dieses absolut nicht repräsentative Stück, das die Butlers seit rund einem Dutzend Jahren tatsächlich auch live bringen, verschenken sie übrigens jetzt als MP3 bei Soundcloud. 

Sowohl die Alben als auch die Konzerte sind im Übrigen ein Ritt durch die Genres, denn „JBT“ kann so Indie-haft wie Mainstreaming-poppig daherkommen. Scheint die nicht sonderlich zu interessieren, in welcher Schublade sie landen. In diesem Song landen sie gleich in mehreren:

Und, was ist das jetzt? Kunstvoll-folkige-Indie-Popmusik? Kufoip, sozusagen?
Egal, mir gefällt’s. JBT sind zurzeit auf Tour in Deutschland und Umland, Restkarten gibt es aber nur noch für Köln und Luxemburg. Der Rest ist ausverkauft. Sieht so aus, als kenne sie doch der Eine oder Andere.