VicVib mal wieder: Reeves OctoAuto

In gewisser Hinsicht habe ich mir mit dem „Viktorianischen Vibrator“ wirklich was angetan. Seit der Recherche, die wie im Buch geschildert ja schon gegen 2005 spielerisch und nebenbei begann und dann 2011/2012 quasi meinen gesamten Alltag ausfüllte, lässt mich die Zeit um 1900 nicht mehr los. Da findet man Pioniere, Visionäre und Wahnsinnige, wo man auch hinschaut.

Eigentlich hatte ich das nicht vor, aber inzwischen hat sich die Zahl der Themen, aus denen man schon wieder ein Buch machen könnte, schon wieder gen Overload gesammelt. Hier und da sieht man den Niederschlag dieser Nebenbei-Recherchen bei Einestages, wo heute auch noch einmal eine kleine, kondensierte Geschichte von Reeves OctoAuto erschien. Noch immer einer meiner Lieblingsgeschichten auf der tragikkomischen Seite. Ich hätte gern eines:

Die Rückkehr der Useless Boxes

Gestern hat mir mein Sohn per Facebook ein Video geschickt, das zurzeit in allen Social Networks die Runde macht:

Witzig, weil sinnfrei – das ist der Stoff, aus dem man Web-Hypes macht. Dieser hier hat übrigens saisonalen Charakter, wenn man so will. Er gehört zu den kleinen Hypes, die immer wieder aufgekocht werden. Das Video – in völlig identischer Form – ging zuletzt im Oktober 2011 durch das Netz. Zeitgleich gab es dann noch diese Variante in Schwarz:

Und auch das war schon der zweite Aufguss. Denn das Original ist sogar noch älter. Zum ersten Mal geisterte die „Useless Box“ im Dezember 2009 durch die Medien, nachdem der amerikanische Satiriker Stephen Colbert sie in seiner Show vorstellte. Damals war die Box allerdings noch nutzloser als 2011 oder heute: Alles, was sie tat, war, sich immer wieder selbst abzuschalten. Für einen richtigen Facebook-Hype reichte das bei weitem nicht. Inzwischen ist die Box sogar noch viel, viel nutzloser. Und allein bei Youtube erschienen in den letzten zwei Wochen rund 50 Versionen des Videos – die bei Facebook zu zählen, dürfte kaum möglich sein.

Hier das Original von 2009. Einwandfrei noch nicht nutzlos genug.

Dass direkt nach Vorstellung der Box hunderte von Nachbauten durch das Web geisterten – von transparenten Kisten bis hin zu Modellen, bei denen der Arm einer Action-Figur den Schalter ausschlägt – liegt vor allem daran, dass die Konstruktionspläne schon 2009 veröffentlicht wurden. Wer sich selbst eine bauen will: Hier kann man nachsehen, wie das geht.

Wer meint, einfach nur nachbauen sei ja langweilig, mag sich durch das letzte Video eines Besseren belehren lassen: Es kommt immer darauf an, wozu man etwas nutzloses nutzt.

Hadfield: A star is born

Was wird Chris Hadfield nach der Landung machen? Prinzipiell könnte er nun wohl so ziemlich alles angehen, aber wahrscheinlich macht er einfach weiter: Er hat ja einen irren Job. Und trotzdem ist er wohl der schillernste, auf jeden Fall aber vielfältigst talentierte Astronaut, den wir bisher im Orbit gesehen haben. Seine Fotoserien sind in den letzten Monaten um die Welt gegangen, und auch musikalisch ist er nicht gerade ahnungslos. Das Musikvideo, das er für seine persönliche, zum Abschied von der ISS produzierte Version der „Space Oddity“ vorlegte, ist auf dem Weg, zum Youtube-Smashhit zu werden. Der Mann ist ein Lottogewinn für die PR der Nasa.

Motorrad-Pionierinnen: Wilde Mädchen

…hieß mein heute bei EINESTAGES veröffentlichter Artikel über die Motorrad-Pionierinnen van Buren und Hotchkiss ursprünglich. Über die Geschichte war ich vor einigen Monaten gestolpert. Interessiert hat mich daran vor allem dieser krasse Wahrnehmungs-Gegensatz. Die Hotchkiss-Frauen wurden gefeiert, weil ihre Amerika-Durchquerung per Motorrad so beiläufig schien und keinen Subtext transportierte: Mutter und Tochter auf 14.000-Kilometer-Spritztour. Zwei wilde Mädels, sozusagen: Das fand die US-Presse gut.

Bei den van Burens mit ihrem patriotischen Anliegen, die USA auf den Hitler-Krieg aufmerksam zu machen und zum Kriegseintritt zu bewegen, sah das anders aus. Medial perfekt inszeniert wurde aus ihrer Cross-Kontinent-Tour, die mit Sicherheit keinen Deut weniger strapaziös war, eine Art Show zweier gutaussehender Society-Girls. Die hatten zum einen perfekt auf der Klaviatur der damaligen Medien gespielt, die Nebenwirkungen der Berichterstattung aber völlig unterschätzt. Das ist schon fast tragisch.

Diese Anfang-des-Jahrhundert-Geschichten hören nicht auf, mich zu faszinieren. Egal, ob im Großen oder im Kleinen: Man kann regelrecht neidisch werden, wenn man sieht, mit wie wenig Aufwand die damals Nischen fanden, in denen sie sich zurecht als Pioniere fühlen konnten. Was muss das für ein Gefühl gewesen sein, in einer Zeit zu leben, in der es möglich und jederzeit denkbar war, etwas als absolut Allererster zu tun oder zu schaffen?