Wegesrand-Funde: Wau-Wow!

dinslakenHunde im Freibad, „und das Ganze ohne Leine“?

Damit sind  wohl die Hunde gemeint, nicht die Herrchen und Frauchen, die sich heute ja auch gern mal Hunde-Mama und Hunde-Papa nennen. Ist das nun cool, dekadent oder einfach nur doof?

Rrrrrrrrrrrssssssssssssssss….

Total cool, endlich erforscht das mal einer:

„Sehr geehrte Redaktion,

mit unserem heutigen Pressetext möchten wir Sie über die Ergebnisse unserer aktuellen Studie zum Thema „Staubsaugen im Visier: Österreicher mögen es staubfrei“ informieren:

Österreichs Online Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent.com lüftet Geheimnisse rund um die Hausarbeit Staubsaugen. 1.035 Personen zwischen 18 und 69 Jahren wurden zu ihrem Staubsaugverhalten, als auch rund um ihre Einstellung und Wahrnehmung der bekanntesten Staubsaugermarken befragt. Ergebnis: Jeder achte Befragte staubsaugt einmal in der Woche oder öfter zuhause. Am häufigsten wird dazu der Bodenstaubsauger verwendet.“

Ehrlich?
1.035 Österreicher waren bereit, sich über ihren Saugerythmus befragen zu lassen?
Und nicht nur das: Auch über die besten Sauger-Marken (hier aus offensichtlichen Gründen weggelassen)?
Wow.

Wer sich fragt, wie man zu solchen Studien kommt, sehe sich auf der Unternehmenswebseite um: Hinter solchen Befragungen stehen natürlich zahlende Auftraggeber.  Als Befragter verdient man hingegen Geld damit. Zitat: “ An Online Umfragen teilnehmen – Mit jeder Umfrage online Geld verdienen“.

Im Klartext: Die „Studie“ basiert auf 1035 bezahlten Antworten.

Um so bitterer, dass so ein Müll trotzdem regelmäßig in Medien landet. Ein Wunder ist es aber leider nicht: Wir Redakteure bekommen so etwas als kostenlosen Inhalt angeboten, und wenn wir nachfragen, gibt es meist noch eine schicke Infografik dazu. Ein wachsende Zahl kleinerer Medien – Online wie Print – bekommt ihren redaktionellen Teil nur noch mit immer größerer Mühe produziert – mangelnde Zahlungsbereitschaft, miese Werbeumsätze und (bei Onlinemedien) dann noch Adblocker obendrauf entziehen ihnen die finanzielle Basis. Kein Wunder, dass sie PR-Mist allzu oft Eins-zu-Eins bringen, ohne Rückfrage, ohne Blick darauf, wo der Müll herkommt.

Wetten, dass wir sowas immer häufiger sehen werden?

 

Glööckler für Arme: Lurchbürger

Darf ich mich mal outen? Mit einem kleinen gegentrendigen Bekenntnis?

Ich mag Augenbrauen. Klingt jetzt nicht so gewagt, ist es aber. Ein wachsender Teil der Bevölkerung hat zur Braue ein ähnliches Verhältnis wie zu Achselhaaren. Ich nicht.

Laut Wikipedia schützen Brauen die Augen vor Nässe, „die am Gesicht herunterläuft, oder vor zu starker Sonnenlichteinstrahlung“. Daneben senden wir damit kommunikative Signale.
Vor allem aber sind sie schön.

Nicht hässlich: Natürlich gewachsene Augenbraue
Copyright: Odder, CC

Sie lenken unsere Aufmerksamkeit auf Gesicht und Augen. Ich sage nur: Ali McGraw, Isabelle Adjani, Sophie Marceau, Audrey Hepburn!

Alles wahre Augenbrauen-Monster – so wie die heutige Beauty-Riege von Scarlett Johansson über Amy Adams bis Eva Mendes. Ohne ihre Brauen wären das austauschbare, konturlose Gesichter. Die wissen, warum sie ihren Vorderschädel nicht rasieren und Schein-Brauen mit gekonnt geschwungenem Pinselstrich anderweitig platzieren, wenn nicht gleich – wie einst Daniela Katzenberger –  einfach irgendwo auf den Schädel tätowieren.

Sorry, ich finde das hässlich. Es sieht immer billig aus. Früher gehörte das zu den Marotten durchgeknallter 70-jähriger, die sich dazu das weiße Haar pink oder blau färbten. Heute macht es sich ausgerechnet in der jungen Generation breit, die Haarlosigkeit ja generell für eine Tugend hält.

Die Steigerung dieser absurden Stil-Verirrung ist aber der Augenbrauen-gezupfte oder gar rasierte Mann.

An unserer örtlichen Tankstelle steht so ein Ballermann: Fast zwei Meter groß, Burger-und-Pommes überfüttert, aber Bodybuilding-gestählt und chemisch gebräunt. Und dann: kunstvoll getrimmter Bart der Marke „Jeden morgen nur eine Stunde!“ – und über den Augen zwei fein definierte Bögen von einer Perfektion,  die die meisten Transvestiten gern vor dem Auftritt hinbekommen würden. Inklusive abschließendem, neckischen Kajal-Swoooooooooosh, der die Braue zu einem kühnen Haken stilisiert, wie er in der Natur garantiert nicht vorkommt.

Jedes Mal, wenn ich da tanke, starre ich dem auf die Stirn.

Er hat schwarze Haare, rasiert seine Brauen und zieht sie dann mit einem feinen Kajalstrich nach. Jetzt noch eine Glatze und er könnte den Harems-Eunuchen in einem B-Movie der frühen 50er spielen. Oder Dschingis Khan in einem Stummfilm der 20er. Oder Glööckler für Arme.

Hat der keine Freunde? Die ihn mal ein wenig beraten könnten? Ihm mal ehrlich sagen, wie er aussieht?

Der Junge ist vielleicht 20. Modisch kommt er natürlich aus der Litfaßsäulen-Ecke, in der man astronomische Summen dafür bezahlt, metergroße Logos irgendwelcher Bling-Bling-Marken durch die Gegend zu tragen. Es macht sich breit, überall. Invasion der Schaufensterpuppen.

Gestern habe ich in unserem SPAM-Angebot endlich ein Wort für diese Verirrten  gefunden: Das sind Lurchbürger.

Da weiß man doch sofort, was gemeint ist. Für mich das schönste und treffendste Neuwort seit Jahren.

Der enthaarte Mann: Endlich hat das nackte Grauen einen Namen.