Nach der Wahl

Als meine Kinder anfingen, Politik wahrzunehmen, versuchte ich, ihnen das mit den Parteien zu erklären. Dass es dabei zum einen um Programme gehe, die sich aber oft gar nicht so sehr unterscheiden, wohl aber die generelle Haltung dieser Parteien gegenüber dem Leben oder den Menschen. Wofür steht so eine CDU, SPD, Grüne, FDP? Seht Euch die Leute an, sagte ich, was und wie sich darstellen. Um wen sie sich kümmern, wen sie ablehnen. Und dann fragt Euch, wo Ihr da stehen wollt.

Sie begriffen schnell, dass es dabei um grundsätzliche Dinge geht. In der Politik, so wie wir sie seit Staatsgründung kannten, gab es immer diese grundsätzlichen, oft für ein Leben getroffenen Entscheidungen. Neue Wähler erbten die Parteien regelrecht.

Das war bei mir so, der ich der roten Hochburg des Duisburger Nordens aufwuchs. Das war auch im Rhein-Sieg-Kreis nicht anders, der CDU-Hochburg, wo meine Kinder aufwuchsen. Viel zu lang konnten Parteien hier wie dort jeden Mist machen, ohne vom Wähler dafür bestraft zu werden.

Offenbar ist das vorbei, was eine tolle Nachricht wäre. Keine Partei kann sich mehr ihrer Hochburgen sicher sein. Wer das für eine schlechte Nachricht hält, glaubt immer noch, Politik sei eine Verwaltungsaufgabe, und keine gestalterische. Die wachsende Vielfalt tut gut. Vielleicht endet dann irgendwann sogar dieses blöde Geschwafel von der „Wahl des kleinsten Übels“ und vom „wir können daran doch nichts machen“. Meine Kids waren gestern wählen, und sie haben ihre Wahl durchdacht und bewusst getroffen. Egal, was sie gewählt haben – sie waren Gewinner.

Bildquelle: Landeswahlleiterin NRW

Büro-Perspektive

Mein Arbeitszimmer liegt Souterrain, wie man so schön sagt: Tiefparterre könnte man auch sagen, unser Haus ist in den Hang gebaut. Manchmal ist das ein Privileg, weil die Perspektive ungewöhnlich ist. Heute morgen hatte ich mit einem Mal blühenden Klatschmohn vor dem Fenster. Ich sehe ihn gegen den Himmel, der heute leider nicht Blau ist. Wer kann schon sagen, dass er sich bei der Arbeit die Wildblumen von unten ansieht?

Deutsche Orte: B9 von unten

Blick Rheinabwärts von Andernach

Rheinland ist ein dehnbarer Begriff: das reicht vom Niederrhein über Aachen bis zum Bergischen und den Fluss weit hinauf bis Koblenz und von dort selbst die Mosel hinauf bis nach Trier und die Grenzen des Saarlands. Richtig schön ist es in seinem Herzen, im Rheintal. Da, wo Siebengebirge und Eifel, Westerwald und Hunsrück dem Fluss auf die Pelle rücken, wo Holländer und Amerikaner in plumpen Hotelbooten zwischen Königswinter und Loreley pendeln, präsentiert sich der Fluss mit seinen berühmtesten Panoramen.

Nur zu genau sollte man nicht hinschauen. Am Hang baut es sich schlecht, deshalb zahlt man für die Enge des Flusstals auch einen Preis: Straßen verlaufen oft auf Stelzen selbst über Ortsteile hinweg (im oberen Bild ganz links zu sehen: die B9 von Koblenz nach Bonn), während auf der anderen Flussseite die Güter-Bahnlinie verläuft, über die es gefühlt nonstop rattert. Wenn man nicht gerade unter so was leben muss, haben aber selbst solche Orte eine ganz eigene Poesie. So wie die Naturgeschützte Teilidylle auf der Rheininsel Namedyer Werth im unteren Bild: Da kann man sich die B9 von unten besehen. Wenn man will, Kilometerweit.

B9-Trasse von unten