Begegnung: Monks unfreundlicher Cousin

Hamburg im Oktober. An der Ampel steht ein kleiner, dürrer Mensch in grauem Anzug, links hält er seine Aktentasche. Ich sehe ihn von der Seite an. Nur kurz, wie man das so macht, wenn man frühmorgens den Blick über seine Mitmenschen schweifen lässt. Er sieht starr geradeaus: Er wartet auf ein neues Ampelmännchen.

Als das kommt, sind meine Schritte länger, ich lande in der Pole-Position. Die Sonne steht noch niedrig über dem Hafen, das Licht ist rötlich, am Himmel rufen sich zwei Möwen etwas zu.

„Also bitte!“ zischt es von schräg links hinter mir, „Entscheiden Sie sich mal!“
„Bitte?“ frage ich zurück.
„Sie sind mir fast vor die Füße gelaufen, entscheiden Sie sich mal für eine Seite!“

„Oh sorry!“, sage ich nicht nur reflexhaft, sondern auch amüsiert, weil die kalte Missbilligung in seinen Augen so bizarr ist. Er sagt nichts und zieht vorbei.

Ich sehe ihm nach: Er läuft exakt in der Mitte einer natürlich parallel zur Fahrbahn verlegten Gehwegplatte. Ich sehe auf meine Füße und entdecke: Ich stehe breitbeinig auf dem Strich zwischen zwei Platten. Nicht rechts, nicht links: Ich hatte mich wirklich nicht „für eine Seite“ entschieden.

Er läuft mit uhrwerkhaften Schritten, fast militärisch, den Kopf leicht gesenkt. Als ihm eine Gruppe früher Touristen – Gymnasiasten auf Abschlussfahrt? – entgegenkommt, spaltet er die Menschenmasse wie Moses das Rote Meer.

Er bleibt auf Linie.

Mission bizarr: Zweck heiligt Mittel?

Oft verblüfft mich die schiere Blödheit der Argumente, mit denen vor allem amerikanische Kreationisten sich für ihre Form des fundamentalistischen Christentums und gegen jede Aufklärung und wissenschaftliche Erkenntnis einsetzen. Ich staune dann und frage mich, ob die ihren Kram wirklich selbst glauben. Können Menschen, intelligente Produkte eines über Millionen Jahre laufenden evolutionären Prozesses, wirklich so dumm sein?

Da ist es schon fast eine Erleichterung, wenn man über Dinge stolpert, die klar zeigen, dass dem nicht so ist. Manchmal sind diese Missionare einfach nur skrupellos und bereit, jeden Mist zu verzapfen, solange er nur ihrer Sache dient.

Im folgenden Video wird ernsthaft behauptet, die Tatsache, dass aus der (Bio-) Masse der Millionen von Gläsern Erdnussbutter keine neue Lebensformen entstünden, widerlege das Prinzip der Evolution. Willkommen im christlichen Gagaland:

Erdnussbutter als Ursuppe des Lebens?
Das Zeug schmeckt noch nicht mal.
Und nein, das Ganze ist leider kein Scherz, keine Parodie.

Der Clip stammt aus „A Question of Origins“, einer 1998 produzierten kreationistischen „Dokumentation“. Das Machwerk wird bis heute verkauft, in acht Sprachversionen.

Wenn man sich das Video ansieht, kommt man zu dem Schluss, dass hier der missionierende Zweck die Mittel heiligt. Es ist den Verbreitern dieser „Informationen“ offensichtlich völlig egal, dass diese total schwachsinnig sind. Hauptsache, die missionarische Botschaft bleibt kleben. Was bei Erdnussbutter ja nicht unwahrscheinlich wäre.

Wegesrand-Funde: Wau-Wow!

dinslakenHunde im Freibad, „und das Ganze ohne Leine“?

Damit sind  wohl die Hunde gemeint, nicht die Herrchen und Frauchen, die sich heute ja auch gern mal Hunde-Mama und Hunde-Papa nennen. Ist das nun cool, dekadent oder einfach nur doof?

Barnstormers

barnstormer
Hier lässt sich der Barnstormer und Luftartist Howard Sharen an einem Seil hinter seiner Maschine herziehen. Wer genau hinsieht, entdeckt, dass der Mann keineswegs ungeschützt fliegt: Er trägt Ohrschützer gegen den kalten Flugwind.

Im 19. Jahrhundert nannte man über das Land tingelnde Theatergruppen, die von Bauernhof zu Bauernhof zogen und ihre Vorführungen vorzugsweise in Scheunen veranstalteten, „Barnstormers“ – „Scheunenstürmer“.

Im Jahr 1908 erkannten die Flugpioniere Wilbur und Orville Wright zunächst, dass die von ihnen eingeleitete Zeit des Motorflugs dringend ein wenig PR brauchte: Sie führten ihre Flieger auf einer Tournee durch Europa erstmals öffentlich vor. Umgehend erkannten sie daraufhin, dass sich so aus der bis dahin eher als technische und wissenschaftliche Pionierleistung wahrgenommene Fliegerei bestes Entertainment machen ließ – und damit auch eine Einnahmequelle. Fast umgehend entstand ein Barnstorming ganz anderer Art. In den folgenden Jahrzehnten bis zum zweiten Weltkrieg sollten zahllose Piloten in aller Welt als „fliegende Zirkusse“ tingeln gehen – mit Luftrennen, Mietrundflügen, Flugshows und immer gewagteren Stunt-Shows.

Es gab vor allem in den USA nur wenige Flugpioniere, die das nicht irgendwann einmal versuchten. Für manche ermöglichte das Barnstorming erst eine spätere Karriere.

Als etwa Charles Augustus Lindbergh 1922 eine Mechaniker- und Pilotenausbildung begann, deutete wenig darauf hin, dass er nur vier Jahre später zum amerikanischen Nationalhelden werden würde. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er wenig zustande gebracht: In seinem Studium hatte er versagt, die akademische Ausbildung frustriert abgebrochen. Den Mechaniker schaffte er nun, den Pilotenschein für eine reguläre Anstellung hingegen nicht – ihm fehlte das Geld für die nötige Versicherung. Die beste Möglichkeit, sich nach der Lehre sein Geld zu verdienen, schien ihm im Barnstorming zu liegen. Denn privat fliegen durfte letztlich jeder – es gab noch keine regulierenden Gesetze.

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Mit einem Kollegen aus der Lehre zog er ab 1924 über das Land.  Im Luftzirkus reifte er zu dem Piloten, der bald darauf weltberühmt werden sollte. Anfänglich sprang er vor allem mit dem Fallschirm ab, doch schon im zweiten Jahr kaufte er sein erstes eigenes Flugzeug: Natürlich eine „Jenny“.

Zeitweilig das zahlenmäßig häufigste Flugzeug der Welt war die Jenny ein Nebenprodukt des Ersten Weltkriegs – und machte das Barnstorming zum Massenphänomen. Die Geschichte der Jennys und ihrer halsbrecherischen Piloten habe ich für unser Zeitgeschichteportal Einestages aufgeschrieben: „Todestänzer auf der Tragfläche“ heißt der Artikel.